Investition
Bundesregierung und Novartis sichern Penicillin-Produktion in Kundl
- Novartis und Sandoz kündigten an, gemeinsam mit der österreichischen Bundesregierung in die Penicillin-Produktion in Kundl zu investieren.
- Foto: Novartis
- hochgeladen von Barbara Fluckinger
Der Pharmakonzern Novartis sowie Sandoz wollen gemeinsam mit der österreichischen Bundesregierung die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Produktion von Schlüssel-Antibiotika in Europa absichern – dies am Standort in Kundl.
WIEN, KUNDL (red). Es ist ein Investment und ein Bekenntnis, das im Zuge der Coronakrise kam, nun aber für den Standort Kundl sehr viel bedeutet. Die österreichische Bundesregierung plant mit Novartis gemeinsam mehr als 150 Millionen Euro in den Standort in Kundl zu investieren. Damit sollen nicht nur die weltweit wichtigsten Penicilline dort produziert werden, sondern auch wesentliche Prozessverbesserungen erreicht werden. Auch auf lange Frist soll dem Werk Kundl in Tirol eine Schlüsselfunktion bei der Antibiotika-Versorgung zukommen.
Damit ist Kundl übrigens auch die letzte verbliebene vertikal integrierte Antibiotika-Produktion in Europa und der westlichen Welt. Novartis investiert darüber hinaus auch weiter in neue Therapieplattformen.
Enge Zusammenarbeit
„Dieses Vorhaben ist ein großartiges Beispiel für die enge Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand und dem privaten Sektor, um langfristig die Patienteninteressen innerhalb und außerhalb Europas zu sichern", sagt Sandoz CEO Richard Saynor zur Ankündigung. "Antibiotika sind das Rückgrat moderner Medizin, und unser Werk in Kundl in Österreich ist die letzte verbliebene voll integrierte Antibiotikaproduktion in der westlichen Welt, in der sowohl die Wirkstoffe als auch Fertigformen hergestellt werden. Dieses gemeinsame Investitionsvorhaben soll dazu beitragen, dass dies auch so bleibt“, so Saynor weiter.
50 Millionen Euro von Bundesregierung
Die Novartis-Division Sandoz plant in den kommenden fünf Jahren mehr als 150 Millionen Euro zu investieren, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der integrierten Antibiotikaproduktion in Kundl zu sichern. Das soll durch Prozesse auf dem neuesten Stand der Technik und optimierten Prozessen für aktive pharmazeutische Wirkstoffe (APIs) und fertige Darreichungsformen (FDF) erzielt werden.
Die österreichische Bundesregierung will dabei Fördermittel von rund 50 Millionen Euro beisteuern – dies nachdem die Partner formal zum gemeinsamen Vorhaben zugestimmt haben. Dies ist Teil der Bemühungen der österreichischen Bundesregierung, die in Europa ansäßige Produktion von wichtigen Medikamenten zu stärken. Novartis und die österreichische Bundesregierung rechnen mit einem formellen Abschluss des Abkommens noch vor Ende des Jahres.
Mit den Fördermitteln der Regierung soll die Entwicklung neuer Prozesstechnologie für die Wirkstoffherstellung von Penicillin-Präparate unterstützt werden. Obwohl ein internationaler, hoher Preisdruck in diesem Sektor vorherrscht – besonders aus China –, verpflichtet sich Sandoz die relevante Penicilin-Wirkstoffproduktion für die nächsten zehn Jahre in Europa zu halten. Sandoz produziert ausreichend Penicillin in Kundl, um potenziell den ganzen europaweiten Bedarf zu decken.
„Das ist ein weiteres hervorragendes Beispiel für das starke Bekenntnis von Novartis zu unseren Produktionsstandorten in Österreich. In den vergangenen 25 Jahren haben wir mehr als 2,5 Milliarden Euro in Österreich investiert. Wir schätzen den Schulterschluss mit der österreichischen Bundesregierung sehr, um die Antibiotika-Produktion in Österreich zu halten. Wichtig ist nun, dass wir im Dialog bleiben, um nachhaltige Preismodelle für Generika zu gestalten, die eine kostendeckende Produktion in Europa erlauben.“
Michael Kocher, Country President Novartis Austria
Negative Preisspirale brechen
Novartis Österreich-Chef Kocher äußerte sich auch zu jüngsten Überlegungen, eine Wirkstoff-Verschreibung in Österreich einzuführen. „Auf der einen Seite in europäische Produktion zu investieren und auf der anderen Seite den Preisdruck zu Gunsten von Produzenten aus anderen Teilen der Welt zu erhöhen, ist widersprüchlich.“ Die negative Preisspirale bei Generika müsse durchbrochen werden. „Wir sind bereits an dem Punkt angelangt, dass eine Therapie-Einheit eines potenziell lebensrettenden Antibiotikums so viel kostet wie ein Kaugummi. Das ist nicht nachhaltig.“
Auch im Bereich neuer, bahnbrechender Therapie-Entwicklungen ist Novartis führend und es wird an den österreichischen Standorten nicht nur produziert, sondern auch geforscht und entwickelt. „Mir ist es sehr wichtig, dass neue Therapien auch tatsächlich bei den Patienten ankommen, die diese benötigen“, sagt Kocher. Hierzu brauche es weitere Gespräche mit Entscheidungsträgern in Regierung und Sozialversicherung.
Über Novartis
Die Produkte des Pharmakonzerns Novartis erreichen global nahezu 750 Millionen Menschen. Weltweit sind bei Novartis rund 109.000 Menschen aus über 145 Nationen beschäftigt. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.novartis.com.
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