05.12.2017, 14:00 Uhr

Elisabeth Blanik, SPÖ: "Ja, aber ich bin mutig!"

SPÖ-Landesvorsitzende Elisabeth Blanik erläuterte CR Sieghard Krabichler die Zukunftspläne der SPÖ Tirol. (Foto: Baumgartl)

SPÖ-Chefin Elisabeth Blanik will nach der Wahl zurücktreten, sollte die SPÖ nicht dazugewinnen.

Sie sind seit gut einem Jahr SPÖ-Vorsitzende. Ist der Job härter als erwartet?
Elisabeth Blanik:
„Ich bin ja seit 14 Jahren in der SPÖ tätig und habe mir keine Illusionen über diese Aufgabe gemacht. Es hat aber weniger Widerstände bei der Erneuerung gegeben, als befürchtet. Auch das Zurseitetreten der altgedienten Mandatare ging reibungslos und sie bringen nun ihre große Erfahrung für die jungen KandidatInnen ein. Das läuft alles ziemlich unkompliziert und harmonisch.“

Wenn Sie zurückblicken, welche Themen hat die SPÖ Tirol in den vergangenen viereinhalb Jahren im Landtag durchgebracht?
„Sehr stolz bin ich auf den Antrag auf Dezentralisierung von Einrichtungen in den Bezirken außerhalb von Innsbruck und Innsbruck Land, der einstimmig angenommen und in Folge ja auch von Minister Rupprechter abgekupfert wurde. Gerade die neuen Bildungseinrichtungen in Landeck oder Lienz freuen mich besonders. Insgesamt waren wir eine starke Oppositionspartei."

Wo wird die SPÖ ihre Themenschwerpunkte für die Landtagswahl und dann in der kommenden Legislaturperiode ansiedeln?
„Es geht mir in erster Linie um ein Aufbrechen der Machtstrukturen in Tirol, wo eine Hand die andere wäscht und neue Ideen und Ansätze im Keim erstickt werden. Diese Art der Machtpolitik empfinde ich als unerträglich, seit ich in der Politik bin. Wir haben wunderbare Traditionen in Tirol, die ÖVP zu wählen gehört aber nicht dazu.“

Die SPÖ hat 2013 13,72 Prozent erreicht, gibt es ein Wahlziel für den 25.2.2018?
„Ganz klar: dazugewinnen.“

Wenn das nicht gelingt, wird es an Ihrer Person hängen?
„Auch hier ein klare Aussage: Die Spitzenkandidatin trägt die Verantwortung.“

Wäre es für die Partei nicht besser gewesen, Elisabeth Blanik hätte vor Ingo Mayr bereits die SPÖ übernommen?
„Schwierige Frage. Ich schätze persönlich Ingo Mayr sehr, ich habe ihn damals auch als Vorsitzenden gewählt. Er hat einen unglaublichen Spagat geschafft, in der schwierigen Phase die Partei zu übernehmen. Was-wäre-wenn-Fragen interessieren mich aber wenig. Wir haben einen Erneuerungsprozess eingeleitet und werden diesen auch konsequent fortführen – mit mir als Parteichefin.“

Die SPÖ hat in Tirol bei der Nationalratswahl ein achtbares Ergebnis eingefahren, speziell in Innsbruck. Wie werden Sie diesen Schwung für die Landtagswahl rüberbringen?
„Nicht nur Innsbruck, auch in Innsbruck Land. Wir haben drei Abgeordnete im Nationalrat, was schon lange nicht mehr der Fall war. Natürlich war unser Spitzenkandidat Christian Kern das Zugpferd. Kern war für die offenen, modernen, optimistischen TirolerInnen wählbar. Die SPÖ Tirol wird auch bei der Landtagswahl ein starkes Angebot an diese WählerInnen richten.“

Aber gerade in Innsbruck hat Irene Heisz als Spitzenkandidatin nur 66 Prozent Zustimmung bekommen. Grundvertrauen der Basis sieht anders aus?
(lacht). „Innsbruck, ja, das gebe ich offen zu, alle Probleme habe ich noch nicht gelöst. Ich halte Irene Heisz für eine interessante, intellektuelle Persönlichkeit, die für Innsbruck eine sehr gute Arbeit leisten kann. Insgesamt steht die SPÖ in Innsbruck seit Längerem vor internen Herausforderungen, die wir nun Schritt für Schritt angehen. Die Chancen stehen gut: Wir haben ein breit aufgestelltes und auch stark verjüngtes Team gebildet und sind damit auch für die Zukunft gut gerüstet."

Auf der Landesliste, aber auch auf den Bezirkslisten finden sich viele neue Namen. Ist das nicht auch ein Wagnis, mit durchwegs neuen Leuten in eine Wahl zu gehen?

„Ja. Ist es. Aber ich bin mutig.“

Bei der Landtagswahl geht es auch für die SPÖ um eine eventuelle Regierungsbeteiligung. Wäre die SPÖ Tirol bereit dafür?
„Ich sage das aus Überzeugung, auch weil ich in einer Koalition mit der ÖVP bereits mitgearbeitet habe: Unter diesen Machtverhältnissen wird es mit uns keine Regierung geben. Denn der Partner in einer Koalition zu sein, in der die ÖVP dermaßen gewichtig das Sagen hat, ist extrem schwierig. Man sieht es bei den Grünen: Die wurden an die Wand gefahren. Unter diesen Voraussetzungen ist es mein großes Ziel, dass wir im gesetzgebenden Landtag eine gewichtige Opposition stellen. Natürlich werden wir uns aber keinen Gesprächen verweigern.“

Wann startet die SPÖ den Wahlkampf für die Landtagswahl?
„Der SPÖ-Wahlkampfauftakt wird am 26. Jänner stattfinden.“
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