Caritas Wohngemeinschaft Zams
Gedanken der Bewohner während Corona

Die fiktive Bewohnerin "Karoline" gibt ein paar Einblicke in das Leben in der Caritas Wohngemeinschaft während der Corona-Zeit.
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  • Die fiktive Bewohnerin "Karoline" gibt ein paar Einblicke in das Leben in der Caritas Wohngemeinschaft während der Corona-Zeit.
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ZAMS. "Angefangen hat das ganze Theater mit den Wörtern 'Corona Virus'..." Dietmar Wolf, Leiter der Caritas Wohngemeinschaft Zams und Caritas Regionalverantwortlicher der Dekanate Zams und Prutz, hat in ein paar Zeilen aus der Sicht einer fiktiven Bewohnerin die möglichen Gedanken der Personen in der Caritas Wohngemeinschaft Zams zum Ausdruck gebracht und gewährt so Einblicke in die WG.

Dietmar Wolf ist Leiter der Caritas Wohngemeinschaft Zams und Regionalverantworlicher der Dekanate Zams und Prutz.
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Die verpasste Teamsitzung

Karoline ist eine fiktive Bewohnerin der Caritas Wohngemeinschaft Zams, die versucht die möglichen Gedanken aller BewohnerInnen in einer Person zum Ausdruck zu bringen

„Hallo ich bin Karoline, ich lebe seit nunmehr 23 Jahren in der Caritas Wohngemeinschaft Zams, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung).
Im September 1996 bin ich im Zuge der Ausgliederung aus der „damaligen Psychiatrie“, in ebendiese Einrichtung gezogen.
Im Großen und Ganzen läuft das hier in der WG Zams eigentlich sehr gut. Ich fühle mich hier wohl und beheimatet. Wir leben mitten im Dorf, verbringen relativ viel Zeit im Freien, machen Spaziergänge, Kaffeehausbesuche, gehen zum Frisör vor Ort, bekommen viel Besuch, besuchen Feiern und Feste, feiern die Feste im Jahreskreis und leben ein gutes Leben mit allen Höhen und Tiefen und mit allen Schicksalen die das Leben schreibt.

Alles Gut und alles Recht, nur was in letzter Zeit so läuft, finde ich sehr seltsam.
Normalerweise finden in der Caritas Wohngemeinschaft Zams regelmäßig Teamsitzungen statt, an denen wir auch teilnehmen können wenn wir möchten, es geht ja schließlich auch um unsere Angelegenheiten. Die letzte Anfang März 2020 muss ich allerdings versäumt haben, denn seitdem geht hier alles drunter und drüber.

Ein paar Beispiele:
Angefangen hat das ganze Theater mit den Wörtern „Corona Virus“. Zu Beginn war alles noch recht harmlos. Bei den Ausflügen in unserem VW Bus durften nur mehr vier KollegInnen mitfahren, was ja gar nicht so schlecht war. Später dann gingen wir nur mehr kleine Runden im Dorf spazieren, na ja Hauptsache draußen. Seit nunmehr gefühlten vielen Wochen, machen wir keine Ausflüge mehr. Gott sei Dank haben wir einen großen Garten in dem wir uns bei dem schönen Wetter viel aufhalten, aber wirklich spannend ist das halt auch nicht mehr.

Zum Thema Hände waschen. Das geht mir schon ordentlich auf die Nerven. Ich mag das schon am Morgen und am Abend nicht, aber jetzt, die ganze Zeit, waschen, desinfizieren, waschen, desinfizieren… Wahnsinn!

Einmal jährlich finden bei uns so genannte Zielgespräche statt. Bei diesen Gesprächen treffen sich die BewohnerInnen der Caritas Wohngemeinschaft Zams mit ihren Bezugsbegleiter*innen um die Ziele für das kommende Jahr gemeinsam festzuschreiben. Unser Chef dokumentiert das Ganze und gibt Acht, dass unsere Wünsche auch umgesetzt werden. Das hat bis jetzt auch immer ganz gut geklappt. Mein Wünsche waren beim letzten Gespräch unter anderem Kaffeehausbesuche und gut essen gehen im Gasthaus. Am Anfang wurden meine Wünsche gut verwirklicht aber auch das wird seit März vollkommen ignoriert.

Was ich auch überhaupt nicht verstehe, ist die Tatsache, dass eine zusätzliche BewohnerIn bei uns einziehen wird, ohne dass wir gefragt wurden. Nicht, dass das schon genug wäre, bekommt diese „Neue“ auch noch das beste Zimmer im Erdgeschoß, was eigentlich unser Fernsehzimmer ist, mit der Begründung, dass das Zimmer über eine eigene Dusche und ein WC verfügt. Die „Neue“ wird schon etwas Besseres sein. Sogar einen Namen hat das Zimmer bereits: Isolierzimmer! Heute war schon ein eigener Berater vom Krankenhaus Zams bei uns, mit dem sich die BetreuerInnen beraten haben, wo man sich umziehen muss, wenn man dann in das Zimmer geht, sobald die „Neue“ da ist – so ein Theater!

Die fiktive Bewohnerin "Karoline" gibt ein paar Einblicke in das Leben in der Caritas Wohngemeinschaft während der Corona-Zeit.
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Eine Höflichkeitsgeste hat „spürbar“ nachgelassen, denn neuerdings ist das Händeschütteln verboten. Wir sollen jetzt alle lernen, dass wir uns mit den Unteramen begrüßen oder uns zuwinken, wobei mir doch Berührungen und Körperkontakt so wichtig sind. Natürlich könnte ich auch so grüßen, diesen Gefallen tu ich ihnen jedoch auf keinen Fall. Berührungsängste kenne ich natürlich sonst von der Gesellschaft zur Genüge, dass das jedoch unter den BetreuerInnen Einzug hält ist schon sonderbar. Gott sei Dank sind die BetreuerInnen zumindest freundlich und lustig geblieben.
Die neue Sitzordnung finde ich auch sehr befremdlich. Seit Jahren habe ich meinen Stammplatz beim Essen und auf einmal muss ich auf einem anderen Platz sitzen, mit viel Abstand zu meinem Kollegen und zu anderen Essenszeiten. Ich muss jetzt immer früher essen und erst dann kommen die Nächsten dran. Ich glaube einige BetreuerInnen haben sich verkracht, da sie auch nicht mehr alle gemeinsam am Tisch sitzen, aber gleiches Recht für alle.

Zum Schluss noch etwas was mich sehr stört, dann komme ich auch schon zum Ende. Die Masken! Zum ersten schauen sie bescheuert aus und erinnern mich an ein Krankenhaus und ich mag Krankenhäuser gar nicht, da mich dort niemand versteht.
Zuerst dachte ich mir, dass der Fasching nochmals Einzug hält, aber das dauert jetzt wirklich schon zu lange und außerdem haben wir am Faschingsdienstag ausgiebig gefeiert. Außerdem ist es für mich sehr schwierig zu erraten was die Betreuer*innen von mir wollen, da ich ihre Gesichtszüge und Mimik nicht mehr lesen kann. Das ist für mich sehr wichtig, da ich sehr schlecht höre. Ich hoffe sie kommen nicht auf die Idee, dass auch wir solche komischen Masken tragen müssen – niemals! Eine Kollegin allerdings wollte zu Beginn der Maskerade immer eine tragen, natürlich farblich passend zum jeweiligen Pullover, was allerdings nicht möglich war.

Na ja, so sieht es neuerdings aus bei uns in der Caritas Wohngemeinschaft Zams. Allerdings fehlt es uns sonst an nichts. Ich finde, dass alle BetreuerInnen nach wie vor sehr bemüht sind, dass es uns gut geht und die Tage nicht langweilig werden. Ostern muss wohl die nächsten Tage gefeiert werden, da wir das Haus österlich dekoriert haben und wir in der Karwoche basteln, Eier färben und Texte von Ostern vorgelesen bekommen und wer weiß, vielleicht überdenken die BetreuerInnen nach Ostern die neuen Regeln ja wieder.
Für die Zukunft habe ich mir fest vorgenommen: Bei der nächsten Teamsitzung bin ich wieder dabei, damit ihnen nicht wieder so viele komische Maßnahmen einfallen, die wir schlussendlich ausbaden müssen. Und wenn das Motto wieder „Corona Virus“ heißt, schreie ich ganz laut NEIN! Schließlich bin ich ja WG Sprecherin!"

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Autor:

Carolin Siegele aus Landeck

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