Betten Reiter
Leondinger Textilproduzent mit transparenter Lieferkette
- V.l.n.r.: Veronika Bohrn Mena (lieferkettenatlas.at), Landesrat Stefan Kaineder (Grüne), und Betten Reiter Geschäftsführer Peter Hildebrand.
- Foto: Land OÖ
- hochgeladen von Felix Aschermayer
Missstände in der Textilbranche reichen von Kinderarbeit über Umweltverschmutzung bis zu menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen, vor allem in Asien. Mittlerweile gibt es daher einen Vorschlag für ein EU-weites Lieferkettengesetz. Ganz ohne gesetzlichen Druck zeigt die Firma Betten Reiter, wie Fair Trade auch wirtschaftlich ein Vorteil sein kann.
OBERÖSTERREICH. "Die Textilindustrie ist eine extrem dreckige Industrie", so Veronika Bohrn Mena, Vorsitzende der Initiative "Común" die sich für ein Lieferkettengesetz in Österreich einsetzt. Insbesondere Baumwolle aus den Hauptanbaugebieten Indien und China sei vielfach mit Missständen wie Kinderarbeit, giftiger Pestizide, menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen sowie einer rücksichtslose Ausbeutung der Natur behaftet, ergänzt Bohrn Mena. Ohne das nötige Wissen über die Herkunft und Produktionsbedingungen etwa von Textilien, wäre aber kein verantwortungsbewusster Konsum möglich, so Landesrat Stefan Kaineder (Grüne) und begrüßt daher den im Februar von der EU-Kommission präsentierten Vorschlag für ein EU-weites Lieferkettengesetz, auch wenn die Umsetzung wohl noch Jahre dauern wird.
Steht und fällt mit Kontrolle
Problematisch am Gesetzesvorschlag wäre mit Blick auf die Wirksamkeit aber schon jetzt, dass es erst bei Betrieben ab 250 Angestellten greifen soll, das würden viele mit Werksverträgen umgehen, so Bohrn Mena. Für Betten Reiter Geschäftsführer Peter Hildebrand steht und fällt ein Lieferkettengesetz vor allem mit der Qualität der Kontrollen. Ohne solche wäre es zahnlos, andererseits müssen die Kosten dafür im Rahmen bleiben. Zwar wäre die Nachfrage nach fair produzierten Produkten seit Corona so hoch wie nie, doch dürfe ein Preisaufschlag dafür nur im einstelligen Prozentbereich liegen, mehr würden die Kunden nicht akzeptieren, erklärt Hildebrand.
"Kaum einer weiß, wir produzieren in Österreich"
Hildebrand weiß wovon er spricht, seit 2007 lässt er in seiner Manufaktur in Leonding jährlich 120.000 Decken und Polster "Fair Trade" zertifiziert produzieren. Überzeugt hätten den Sohn eines Landwirtes und Nebenerwerbsbauer damals nicht nur der Umweltschutzgedanke und, dass es keine Kinderarbeit gibt sonder auch der faire und garantierte Mindestpreis für die Landwirte vor Ort. Die Lieferketten für seine Produkte wären seitdem zu 100 Prozent für Kunden einsehbar.
Umsatz mit Fair Trade gestiegen
Für Hildebrand hätte sich das auch ökonomisch bezahlt gemacht, "Wir haben von Fair Trade profitiert, je mehr wir es etabliert haben umso mehr ist unser Umsatz und auch unser Gewinn gestiegen".
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