Gefahr im Weinbau
Rebzikade bedroht Weingärten, eine Krankheit breitet sich aus
- Ein gesunder Rebstock.
- Foto: Rosenberger Victoria
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Die Amerikanische Rebzikade und die von ihr übertragene Krankheit „Goldgelbe Vergilbung“ (Flavescence dorée) entwickelt sich zunehmend zu einer ernsten Herausforderung für den Weinbau im Mittelburgenland. Fachleute sprechen von einer klaren Verschärfung der Situation in den vergangenen Jahren.
BEZIRK OBERPULLENDORF. „Die Situation hat sich auf jeden Fall verschärft“, sagt Lisa Kölly-Pfneisl, Präsidentin des Vereins Blaufränkisch Mittelburgenland. Erste Nachweise im Bezirk gebe es bereits seit 2015. Nach einer ruhigeren Phase sei die Ausbreitung zuletzt „sehr rapide vorangeschritten“.
Besonders die Entwicklungen in der Steiermark und im Südburgenland hätten gezeigt, wie ernst die Lage werden kann. „Die Steiermark ist so dieses kritische Vorbild, was wir alle jetzt vor Augen gehalten bekommen haben“, so Kölly-Pfneisl. Gleichzeitig betont sie, dass diese Erfahrungen auch helfen, schneller zu reagieren.
- Lisa Kölly-Pfneisl, Präsidentin des Vereins Blaufränkisch Mittelburgenland, spricht von einer „auf jeden Fall verschärften“ Situation durch die Rebzikade im Mittelburgenland.
- Foto: Lisa Kölly-Pfneisl
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Krankheit oft erst verzögert erkennbar
Ein wesentliches Problem ist die schwierige Diagnose. Befallene Rebstöcke zeigen Symptome häufig erst zeitverzögert. „Das ist ein Prozess, der nicht mit einem simplen Indikator erkannt werden kann“, erklärt Kölly-Pfneisl. Es sei daher gut möglich, dass benachbarte Stöcke bereits infiziert sind, ohne sichtbare Anzeichen zu zeigen.
Ihre Einschätzung ist deutlich. „Ich würde sagen, man kann nicht davon ausgehen, dass Betriebe davon ausgenommen sind.“ Praktisch jeder Betrieb müsse aktuell davon ausgehen, zumindest einzelne betroffene Rebstöcke im Bestand zu haben.
Klare Empfehlung: konsequente Rodung
Die empfohlene Maßnahme ist eindeutig. „Jeder auffällige Stock wird gerodet“, beschreibt Kölly-Pfneisl die Praxis im eigenen Betrieb. Eine Heilung sei im Weinbau nicht üblich. „Wir wollen gesunde Rebstöcke, die perfektes Traubenmaterial liefern.“
Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle. Die Entfernung müsse nicht nur am Saisonende erfolgen, sondern „auch während des Vegetationsjahres“, sobald Symptome auftreten.
- Das Strategieteam zur Bekämpfung der Goldgelben Vergilbung bei der Arbeit: Vertreterinnen und Vertreter des Landes Burgenland, der Landwirtschaftskammer Burgenland, des Pflanzenschutzdienstes Burgenland, der BIO Austria und der Ages.
- Foto: Büro LH-Stv.in Anja Haider-Wallner
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Behörde bestätigt Fälle im Bezirk
Daniel Pachinger, vom Amtlichen Pflanzenschutzdienst Burgenland, bestätigt die Problematik. Im Bezirk Oberpullendorf wurden laut zuletzt neun Fälle labortechnisch nachgewiesen. In der Folge wurden entsprechende Befalls- und Sicherheitszonen eingerichtet, in denen verpflichtende Maßnahmen gelten.
Die Entwicklung wird als zunehmend dynamisch beschrieben. „Das Jahr 2025 hat deutlich gezeigt, dass die Befallssituation eine neue Intensität erreicht hat.“ Als mögliche Ursache wird unter anderem ein neuer Krankheitsstamm diskutiert.
Hohe wirtschaftliche Risiken
Die Auswirkungen können für Betriebe erheblich sein. „Die wirtschaftlichen Folgen können existenzbedrohend sein“, warnt der Pflanzenschutzdienst. Neben den Kosten für die Rodung entstehen vor allem Ertragsausfälle.
Erfahrungen aus anderen Regionen zeigen, dass im Extremfall ganze Weingärten entfernt werden müssen. Besonders kritisch sind nicht bewirtschaftete Flächen. Diese gelten als zentrale Ausgangspunkte für die Verbreitung. Neben den Weinbaubetrieben sind auch Grundstückseigentümer gefordert, ihre Flächen entsprechend zu pflegen oder Maßnahmen zu setzen. Die Nicht-Rodung befallener Rebstöcke bzw. die fehlende Umsetzung der vorgeschriebenen Maßnahmen kann mit Geldstrafen von bis zu 6.000 Euro geahndet werden.
Lisa Kölly-Pfneisl verweist darauf, dass es sich nicht nur um ein betriebliches, sondern um ein gesamtregionales Problem handelt. Der Weinbau als Kulturgut könne langfristig nur erhalten werden, wenn alle Beteiligten konsequent handeln und die notwendigen Schritte mittragen.
Kölly-Pfneisl bestätigt das. „Die größten Herde sind oft nicht bewirtschaftete Weingärten“, sagt sie. Dort könne sich die Zikade „wunderbar vermehren“.
- Verfärbte Blätter und kümmernder Wuchs sind typische Anzeichen für eine mögliche Infektion durch die Goldgelbe Vergilbung.
- Foto: Amtlicher Pflanzenschutzdienst
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Neue Strategie soll Ausbreitung bremsen
Das Land Burgenland hat inzwischen reagiert und eine neue Bekämpfungsstrategie beschlossen. Diese sieht ein Zonensystem, verstärktes Monitoring und klare Vorgaben für Betriebe, Gemeinden und auch Privatpersonen vor.
Agrarlandesrätin Anja Haider-Wallner betont: „Die Verordnung liefert den rechtlichen Rahmen – entscheidend ist aber die Umsetzung vor Ort.“ Ziel sei eine koordinierte und wirksame Eindämmung der Krankheit.
Auch ÖVP-Agrarsprecherin Carina Laschober-Luif sieht die aktuelle Strategie als notwendigen Schritt. „Es ist gut, dass die Landesregierung jetzt endlich eine Strategie gegen die Rebzikade vorlegt.“
Gemeinsames Handeln entscheidend
Für Lisa Kölly-Pfneisl ist klar:
„Es geht um das große Ganze und um das gemeinsame Kulturgut“.
Nur wenn alle Beteiligten konsequent handeln, bestehe die Chance, die Ausbreitung einzudämmen. Die Situation im Mittelburgenland gilt derzeit noch als kontrollierbar. Wie lange das so bleibt, hängt maßgeblich davon ab, wie konsequent die Maßnahmen umgesetzt werden.
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