Entwicklungsszenario - Stadt boomt, Land verliert
- V.l.: Günther Marchner (Zukunftslabor Salzburg), Armin Mühlböck (Universität Salzburg), Bgm. Michaela Höfelsauer (Lend), Karin König-Gassner (Komm.Bleib) und Bibiana Puhl (Regionalmanagement Obersteiermark West GmbH).
- hochgeladen von Christian Vötter
„A Dorf wia a Gråb“, treffender könnte man eine Veranstaltung zum Thema „Zukunftsdialog im ländlichen Bereich“ nicht beginnen. Fritz Messner, der bekannte Autor und Musiker sang zum Auftakt dieses Lied, das vor rd. 30 Jahren entstanden, heute aber aktueller denn je ist.
Die Veranstalter Salzburger Zukunftsdialoge und die Gastgeber Christian und Susanna Vötter/Tauriska-Leopold Kohr Akademie luden zu einer Diskussion im TAURISKA-Kammerlanderstall in Neukirchen ein. Interessante Statistiken (der Bezirk Zell am See ist in einer österreichweiten Studie von 94 BZ nur auf Rang 58 zu finden!!), Initiativen wie „Komm bleib“ und bereits vorhandene Probleme von Gemeinden „bei uns gibt es eine Klasse mit Kindern aus 14 Nationen“ u.a. wurden aufgezeigt und diskutiert. Schade, dass so wenige regionale Verantwortliche anwesend waren, sind es doch die Gemeinden, die gegensteuern könnten.
Was haben wir künftig zu erwarten? Schlafgemeinden sind im Kommen, Geschäfte und Wirtshäuser sperren zu. Post, Polizei wurde schon eingespart, die Nahversorgung ist da und dort nicht mehr vorhanden, die medizinische Grundversorgung wird ausgedünnt. Noch boomt der Tourismus im Pinzgau und verdeckt negative Entwicklungen, jedoch die Scheinwelt wird immer größer und die Grenzen des Wachstums sind hier wohl erreicht. Qualität sollte vor Quantität gereiht sein. Undefinierbare Veranstaltungen, oft unter dem Deckmantel des Brauchtums, Chaletdörfer und Zweitwohnsitze sind keine Allheilmittel, sie lösen die Probleme nicht, sie beschleunigen nur. Die Landflucht hat Aufwind.
Wie kann man als Einzelner/Einzelne dagegen steuern? Ganz einfach, indem man Vorhandenes nützt. Indem ich regional einkaufe, ist die Nahversorgung möglich. Indem ich das bestens funktionierende Vereinsleben mittrage, indem ich bei einem gleichwertigen Jobangebot den regionalen einem städtischen den Vorzug gebe. Darüber hinaus wäre eine Aufwertung der Lehr- und Handwerksberufe wichtig und im Pinzgau sind großartige Betriebe vorhanden; der Tischler im Ort, der Bäcker ums Eck gehören dazu. Im Pinzgau zu arbeiten und zu leben, hat schon auch Vorteile, dazu zählt das riesige Freizeitangebot mit Sport- und kulturellen Möglichkeiten. Mitmachen heißt die Devise, wir alle sind gefordert.Wie hat Christine Stotter von der Gruppe „Schreib´s auf“ in ihrem Liedtext geschrieben: „Hoch lebe unser Pinzgau, der schönste Platz der Welt, mit Keinem möcht´ ich tauschen, auch nicht für ganz viel Geld“, dort müssen wir hin, das gilt es zu erreichen!
Übrigens: Niemals hätte ich mir gedacht, dass in einem persönlichen Ranking die Silhouette eines nicht enden wollenden Holzstapels im Vergleich zu den Lärmschutzwänden und den allgemein üblichen Ortsein/durch/vorbeifahrten zu den schöneren Dingen zählt und daher auf den vordersten Plätzen zu finden ist.
Renate Ratzenböck, Uttendorf
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