Saalfelden
Neun Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus
- Die Schülerinnen des Gymnasiums Saalfelden bei der Stolpersteinverlegung in Saalfelden.
- Foto: Orte des Gedenkens
- hochgeladen von Magdalena Pfeffer
Mit der Verlegung der ersten Stolpersteine im Pinzgau ist am Montag in Saalfelden ein sichtbares Zeichen des Erinnerns gesetzt worden: Neun Steine erinnern künftig an Widerstandskämpfer und Opfer des Nationalsozialismus.
SAALFELDEN. Am Montag sind in Saalfelden die ersten Stolpersteine im Pinzgau verlegt worden. Sie erinnern an neun Widerstandskämpfer und Opfer des Nationalsozialismus. Die Biografien der Frauen und Männer wurden von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Saalfelden im Rahmen des Projekts „Orte des Gedenkens“ recherchiert. Die Verlegung bildete zugleich den feierlichen Abschluss des einjährigen Projekts, das sich mit dem Widerstand der Eisenbahner gegen das NS-Regime in Saalfelden auseinandersetzte.
Mitarbeiter des städtischen Bauhofs öffneten dafür zunächst den Gehsteig in der Zellerstraße. Anschließend wurden die zehn mal zehn Zentimeter großen Betonquader mit den Messingtafeln eingesetzt. Sichtbar bleibt der Name "Franz Dillinger" sowie das Geburts- und Sterbedatum. Nach ihrer schriftlichen Mathematik-Matura begleiteten Schülerinnen und Schüler der Klasse 8A die Verlegung und berichteten an den einzelnen Standorten über die Lebensgeschichten der NS-Opfer.
- Ein Stolperstein ist dem Kommunisten Franz Dillinger gewidmet, der Widerstand gegen das Nazi-Regime leistete.
- Foto: Orte des Gedenkens
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Intensive Recherche
Die Stolpersteine wurden jeweils vor den letzten bekannten Wohnadressen der Betroffenen verlegt – unter anderem in der Bahnhofsstraße, Lofererstraße und Farmachstraße. Sie erinnern dort an Albert und Johann Wieser, Magnus Scholz, Sara und Artur Kant sowie Maria Komocar. Zwei weitere Stolpersteine für Thomas Rieder und Aleksy Jagla befinden sich vor dem Museum Schloss Ritzen, da beide keinen festen Wohnsitz in der Stadt hatten.
Im Zuge des Projekts setzten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit den Schicksalen der Widerstandskämpfer und NS-Opfer aus Saalfelden auseinander. Die recherchierten Biografien bildeten die Grundlage für die nun verlegten Stolpersteine. Für jeden Stolperstein wurden Patenschaften übernommen. Der Aufruf stieß auf großes Interesse – es meldeten sich deutlich mehr Unterstützerinnen und Unterstützer als Steine zur Verfügung standen.
Feierlicher Abschluss
Zum Abschluss des Projekts lud das Team von „Orte des Gedenkens“ gemeinsam mit Bürgermeister Erich Rohrmoser sowie Lehrerin und Museumsleiterin Andrea Dillinger zu einer feierlichen Veranstaltung im Museum Schloss Ritzen. Dabei wurde den Projektpartnern – darunter das Museum Schloss Ritzen, das Bildungszentrum Saalfelden, das Kunsthaus Nexus und die Stadtgemeinde Saalfelden – für die Zusammenarbeit gedankt.
Auch die Künstlerinnen und Künstler Rosa Andraschek und Simon Nagy zogen Bilanz zu ihrem Kunstprojekt „Der kürzeste Weg“. Dieses machte über ein Jahr hinweg Erinnerungen des Eisenbahners und ehemaligen Bürgermeisters Karl Reinthaler im öffentlichen Raum hörbar. An fünf Audiostationen wurden Auszüge aus Gesprächen mit ihm abgespielt, in denen er über seinen Alltagswiderstand, die Unterstützung antifaschistischer Gruppen, seine Denunziation sowie die anschließende Verhaftung durch die Gestapo berichtete.
- Schülerinnen reinigen einen Stolperstein nach der Verlegung in der Lofererstraße
- Foto: Orte des Gedenkens
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Fünfter Ort im Lungau eröffnet
Im Auftrag des Landes Salzburg errichtet die Arbeitsgemeinschaft „Orte des Gedenkens“ mit Hildegard Fraueneder, Albert Lichtblau und Robert Obermair in jedem politischen Bezirk temporäre Erinnerungsorte an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Saalfelden war dabei der vierte Standort im Bundesland. Erst vergangene Woche wurde mit Mariapfarr und Tamsweg der fünfte Erinnerungsort im Lungau eröffnet.
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