"Naturschutz funktioniert nur, wenn er verstanden und akzeptiert wird"

Landesrätin Maria Hutter ist im Zivilberuf Landwirtin in Bruck an der Glocknerstraße.
  • Landesrätin Maria Hutter ist im Zivilberuf Landwirtin in Bruck an der Glocknerstraße.
  • hochgeladen von Julia Hettegger

Frau Landesrätin Maria Hutter, wie sind die ersten Wochen in der Landesregierung für Sie gelaufen?
MARIA HUTTER:
Ich habe Abläufe kennengelernt, sowie Mitarbeiter und für meine Ressorts wichtige Personen. Wir sind schon mitten drin im Arbeiten. Mein Start war gut und ich wurde freundlich aufgenommen.

Ihre Anreise von Bruck an der Glocknerstraße in die Kaigasse ist lang. Wie geht's Ihnen als "Pendlerin"?
MARIA HUTTER:
Ja, die Fahrtzeit ist lange, ich fahre Fünf-Viertel-Stunden – wie man in meiner Heimat Oberösterreich sagen würden (lacht). Aber es ist keine verlorene Zeit, denn ich kann die Anreise für Telefonate und das Beantworten von Mails nutzen.

Welche ihrer bisherigen Lebenserfahrungen hat Sie am meisten auf die Politik vorbereitet?
MARIA HUTTER:
Ich bin damals in den Pinzgau gezogen und habe hier niemanden gekannt. Ich wollte mich integrieren und habe mich aktiv darum bemüht. Diese Offenheit und das Eigenengagement funktioniert auch in der Politik.

Sie waren früher Lehrerin. Wenden sie "Tricks" einer Pädagogin auch in der Zusammenarbeit mit den Regierungsmitgliedern an?
MARIA HUTTER:
 Als Lehrerin muss man gut organisiert sein, das hilft mir auch in der Landesregierung.

Sie sind die einzige Pinzgauerin in der Regierungsrunde. Wo denken Sie den Pinzgau mit in Ihren Ressorts.
MARIA HUTTER:
Ich lege immer einen Innergebirgstag pro Woche ein. Das ist eine Erleichterung für die Bürger im Innergebirg und für mich als Pinzgauerin auch. Wenn im Regierungsprogramm steht, dass berufstätige Frauen in Führungspositionen gestärkt werden soll, muss das schließlich auch für die Regierungsmitglieder selbst gelten (lacht).
Generell haben die Innergebirgsbezirke andere Voraussetzungen und Bedürfnisse.

Wie sieht es mit dem Budget im Bildungsressort aus?
MARIA HUTTER:
 Das Land stellt zusätzliche Mittel in Höhe von mehreren Millionen Euro zur Verfügung. Wir wollen das Angebot für den Fremdsprachenunterricht ausbauen. Durch den Talente-Check sollen Schulabbrüche vermieden werden und die Einführung von "Mint"-Volks- und Neuen Mittelschulen soll das Interesse an Technik und die Naturwissenschaften steigern – als präventive Maßnahme gegen den Fachkräftemangel in diesen Bereichen.

Bei der Natura 2000-Gebiete Schutzgebietsausweisung droht ein EU-Vertragsverletzungsverfahren. Was ist Ihr Ansatz in dieser Angelegenheit?
MARIA HUTTER:
Bei den Natura 2000-Gebieten handelt es sich um besonders schutzwürdige Flächen. Insgesamt gibt es in Salzburg noch sieben solcher Schutzgebiete zu je mehreren Eigentümern, die ausgewiesen werden müssen.. Eine Schutzgebietsausweisung bedeutet für die Eigentümer, dass dort ein "Verschlechterungsverbot" herrscht. Alles muss immerwährend genauso belassen und "bewirtschaftet" werden, wie zum Tag der Ausweisung. Immerwährend bedeutet, dass auch alle Folgegenerationen diese Flächen genau gleich behandeln müssen. Für die Grundeigentümer ist das natürlich nicht einfach.

Daran haben sich auch Ihre Vorgänger schon die Zähne ausgebissen. Wie gehen Sie das an?
MARIA HUTTER:
Nach Ablauf des Stichtags Ende 2018 drohen von der EU Strafen in Millionenhöhe. Ich sehe es als Notwendigkeit, eine Lösung im Einvernehmen mit den Grundstückseigentümern zu finden. Es müssen auch Wege gefunden werden, wie es weitergeht, wenn die heutigen Grundbesitzer nicht mehr zuständig sind. Ich werde mir also die Gebiete anschauen. Hoheitlich verordneter Naturschutz birgt Konfliktpotential und funktioniert nicht. Solche Dinge müssen gemeinsam angegangen werden.

Nennen Sie uns bitte Ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre in Ihren Ressorts (Bildung, Naturschutz, Nationalpark)
MARIA HUTTER:
Bildung: Chancengerechtigkeit – jedes Kind muss auf Grundlage seiner Talente eine Chance bekommen.
Naturschutz: Ein besseres Miteinander; Naturschutz funktioniert nur, wenn er akzeptiert und verstanden wird.
Nationalpark: Der Nationalpark soll nicht an seinen Grenzen enden sondern auch darüber hinaus beispielgebend sein.

Möchten Sie die Gelegenheit nutzen, um ein persönliches Anliegen loszuwerden?
MARIA HUTTER: Der Artenschutz der Insekten liegt mir am Herzen. Studien zeigen, dass es einen Schwund gibt. Aber wir kennen nicht alle Gründe des Artensterbens – das Klima, die Bewirtschaftungsformen und privat eingesetzte Spritzmittel sind nur einige davon. Jeder kann etwas dazu beitragen, die Artenvielfalt zu erhalten: Lassen Sie Brennesseln stehen. Mähen Sie den Rasen nicht zu häufig. Ein Steinhaufen oder totes Holz im Garten ziehen Nützlinge an – das spart wiederum Chemie.

>>HIER<< geht es zum Interview mit Landesrat Josef Schwaiger.
>>HIER<< geht es zum Interview mit Landesrätin Andrea Klambauer.
>>HIER<< geht es zum Interview mit Landesrätin Andrea Klambauer. >>HIER<< geht es zum Interview mit Sepp Schellhorn. 

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