Sinti und Roma
"Menschen auf Augenhöhe begegnen"

Früher schliefen die Bettler direkt unter der Staatsbrücke.
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Die Sinti und Roma sind in Salzburg allgegenwärtig, aber nur wenige wissen, wie sie wirklich leben.

SALZBURG (sm). Sie sitzen an Ecken und Straßen, verkaufen Zeitschriften oder klopfen an Haustüren. Neben Mozart, Fiakern und momentan Festspielgästen prägen sie das Bild der Stadt: Bettler. Die Sommerakademie lud zu einem Stadtspaziergang, um die Sinti und Roma kennenzulernen.

Erfahrungsbericht eines Bettlers

Marian (Name der Redaktion geändert), der seit sechs Jahren hier in der Stadt seinen Unterhalt als Bettler verdient, ist mit dabei. Seine Haut ist dunkel. Sein Lächeln warm. Marian trägt einen fleckigen Pullover, der eine Nummer zu klein ist. Er spricht rumänisch, hat sieben Kinder und 23 Enkelkinder. Auf Anraten eines Freundes zog er in die Mozartstadt, in der man pro Tag bis zu 15 Euro erbetteln könne, manchmal sogar 17 Euro. Marian arbeitete in einer Fabrik, wurde arbeitslos, verkaufte auf der Straße Blumen und Körbe. Dann kam das Betteln. Den Überschuss von seinem Umsatz schickt er nach Hause zu seiner Familie. Er ist in Rumänien geboren und möchte dort auch sterben, erzählt er.

Stadtspaziergang auf den Spuren der Sinti und Roma

Alina Kugler übersetzt für die Teilnehmer des Stadtspazierganges Marians Geschichte. Neben Gästen der Sommerakademie nehmen auch eingebürgerte Salzburger daran teil. Kugler, die in ihrer damaligen Arbeit bei der Caritas in Berührung mit den Sinti und Roma kam, lässt das Thema nicht los. Die Sprache erlernte sie im Umgang mit den jeweiligen Menschen. Sie weiß, "es ist schwierig eine gemeinsame Sprache zu finden", weil jede der Gruppierungen die Dinge anders benennt.

Obdachlose frieren im Winter

In Salzburg sei es für Bettler schwer, einen trockenen Platz zu finden, wenn es regnet, erzählt Marian. Lange schlief er unter der Staatsbrücke, kletterte auf die Stahlstreben hinauf und machte sich auf der Holzvertäfelung zwischen den Streben sein Bett. Die Polizei nahm aus Sicherheitsgründen die Holzvertäfelung ab. Zu hoch war die Gefahr dass einer der Obdachlosen herunterfallen oder es zu einem Zusammenstoß mit Radfahrern kommen würde. Ein Schild unterhalb der Staatsbrücke weist darauf hin, dass es verboten sei, seine Sachen hier zu verstecken.

Zu wenige Schlafstellen für Obdachlose 

Oft wird das Gepäck – Isomatte und Decken – tagsüber hinterlegt, weil man es nicht mitnehmen kann. Vor allem im Winter sei es schwierig, einen Platz zum Schlafen zu finden. Es gibt trotz Notschlafstellen nicht genügend Platz für alle. Einige müssen draußen schlafen. Alina Kugler half auf ihre Weise, sie ging damals bepackt mit einer Kanne heißen Tees und Decken los. Sie hört Marian zu, lächelt, streicht über seinen Arm. Sie sagt: "Das Wichtigste ist, den Leuten auf Augenhöhe zu begegnen."

Autor:

Sabrina Moriggl aus Salzburg-Stadt

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