Kommentar
Ein Stadtfest muss verbinden – nicht spalten
- Bgm. Alexander Stangassinger und TVB-Geschäftsführer Rainer Candido
- Foto: Thomas Fuchs
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Ein Stadtfest ist weit mehr als eine Veranstaltungsreihe mit Musik, Gastronomie und Sponsoren. Es ist die Visitenkarte einer Stadt. Es soll Einheimische und Gäste zusammenbringen, die Wirtschaft beleben und Lebensqualität vermitteln. Genau deshalb muss es sich an drei Grundsätzen messen lassen: Es muss für die Betriebe fair, für die Besucher attraktiv und für die Bewohner verträglich sein.
HALLEIN. Gerade dieser letzte Punkt wird in der öffentlichen Diskussion oft übersehen. Ein Stadtfest darf nicht den Eindruck vermitteln, dass eine ganze Innenstadt ausschließlich den Interessen einzelner Veranstalter oder Sponsoren gehört. Die berechtigten Anliegen der Anrainer etwa hinsichtlich Lärm, Sicherheit oder Zugänglichkeit müssen ebenso berücksichtigt werden wie jene der Betriebe. Ein gelungenes Fest lebt vom Miteinander und nicht vom Gegeneinander.
- TVB-Geschäftsführer Rainer Candido und Bgm. Alexander Stangassinger
- Foto: Josef Wind
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Dass ausgerechnet Gastwirte mit blickdichten Bauzäunen ausgesperrt wurden, steht sinnbildlich für das, was in Hallein schiefgelaufen ist. Nicht die Zäune selbst sind das eigentliche Problem, sondern die Haltung dahinter. Wer ein Stadtfest organisiert, sollte Lösungen suchen und nicht Konflikte sichtbar machen.
Ebenso kritisch ist der Eindruck, der nach außen entstanden ist. Ein Tourismusverband hat den Auftrag, die gesamte Wirtschaft einer Stadt zu vertreten. Er darf niemals den Anschein erwecken, einzelne Betriebe oder Personen zu bevorzugen oder Entscheidungen in einem kleinen Kreis zu treffen. Schon der bloße Eindruck von Freunderlwirtschaft schadet der Glaubwürdigkeit einer Organisation selbst dann, wenn sich ein solcher Vorwurf letztlich nicht belegen lässt.
Dass sich mittlerweile zahlreiche Unternehmer hinter die Kritik stellen und mehrere politische Parteien personelle Konsequenzen fordern, zeigt, dass die Diskussion längst nicht mehr nur das diesjährige Stadtfest betrifft. Nach Aussagen zahlreicher Beteiligter schwelt die Unzufriedenheit mit der Führung des Tourismusverbands bereits seit längerer Zeit. Hinter vorgehaltener Hand wurde immer wieder Kritik an Kommunikation, Transparenz und Entscheidungsprozessen geäußert. Gleichzeitig entstand der Eindruck, dass diese Stimmen intern eher beschwichtigt als ernsthaft aufgearbeitet wurden.
Ob dieser Eindruck gerechtfertigt ist, muss offen diskutiert werden. Klar ist aber: Wer Kritik über Jahre nicht ernst nimmt oder sie kleinredet, riskiert, dass sie sich irgendwann öffentlich entlädt; genau das scheint nun passiert zu sein.
TVB-Geschäftsführer Rainer Candido verweist auf Verträge mit Sponsoren. Das erklärt einen Teil der Entscheidungen, ersetzt aber keine Führung. Führung bedeutet, unterschiedliche Interessen auszubalancieren, Konflikte frühzeitig zu entschärfen und Vertrauen aufzubauen. Genau dieses Vertrauen scheint derzeit nachhaltig beschädigt.
Der von Bürgermeister Stangassinger angekündigte runde Tisch ist daher ein notwendiger Schritt. Da Stangassinger jedoch bereits bestimmte personelle Konsequenzen von vornherein ausschließt, macht die Ernsthaftigkeit eher unglaubwürdig, bevor sie noch stattgefunden hat.
Denn am Ende geht es um weit mehr als ein Stadtfest. Es geht um die Frage, wie in Hallein künftig miteinander gearbeitet wird - transparent, partnerschaftlich und im Interesse der gesamten Stadt. Nur dann kann das Stadtfest wieder das sein, was es sein sollte: ein Fest für alle und kein Anlass für neue Gräben.
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