30.10.2016, 08:00 Uhr

Nähen für Sternenkinder in Lendorf

Anita Ogris ist seit vier Jahren in der Trauerbegleitung aktiv (Foto: elff)

Anita Ogris und Sabine Staber veranstalten Nähmarathon für Einschlagdecken. Thema wird vielfach noch tabuisiert. Stoffspenden werden gesucht.

LENDORF, PUCH (ven). Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt versterben, werden Sternenkinder genannt. Sabine Staber (Luzy und Luke) aus Lendorf und Anita Ogris aus Puch organisieren heuer am 26. November im Gemeindesaal Lendorf einen Nähmarathon. Dabei sollen mithilfe von Stoffspenden Einschlagdecken hergestellt werden.

Hilfe beim Begreifen

Die Sternenkinderkleidung hilft den Eltern beim Begreifen in ihrer Trauer. Sie hilft den Eltern, ihre Kinder zu halten. Die entstandenen Einschlagdecken werden an Kärntner Krankenhäuser übergeben. Sonst werden sie vielfach alleine zuhause genäht. Dies machen viele, die selbst betroffen sind und keinen Abschied nehmen konnten, auch Nicht-Betroffene, die einfach helfen wollen. Gesucht werden zum Nähmarathon Anfänger als auch versierte Näherinnen.

Würde schenken

Staber und Ogris fanden sich durch das gemeinsame Gespräch. Staber ist selbst betroffene Mutter und will mit der Aktion einer betroffenen Familie ein bisschen Zeit, Liebe, Würde und Stoff in dieser schweren Lebenssituation schenken. "Das Thema ist schwierig und wird vielfach tabuisiert", beginnt Ogris, die seit vier Jahren in der Trauerbegleitung tätig ist. Statistisch gesehen betrifft es jede zweite Schwangerschaft, Ogris wünscht sich mehr Öffentlichkeit zum Thema. "Es hat eher einen historischen Hintergrund. Früher wurde es als medizinische Null gesehen, wenn ein Kind tot zur Welt kam." Dabei sei eine Person zu betrauern, der man Raum zugestehen solle. "Man soll würdevoll Abschied nehmen und die Situation ins Leben integrieren können. Wenn man es verdrängt, bricht es phasenweise aus", so Ogris.

Gewichtsgrenze kippen

Ogris habe auch eine Petition im Nationalrat eingebracht, um das Namensrecht für Sternenkinder durchzusetzen, denn dies is nach wie vor Bundessache. "Der Gesetzesänderungsvorschlag ist derzeit in Begutachtung, bis 2. November hat man noch die Möglichkeit, schriftlich Stellung zu nehmen", berichtet sie. Die Problematik: Derzeit gibt es eine 500-Gramm-Grenze. Man soll Eltern die Möglichkeit geben, das Kind beim Standesamt einzutragen. "Damit wissen sie ihre Trauer anerkannt. Vielfach ist es ihnen nicht möglich, das Kind zu sehen und Abschied zu nehmen."

Sammelgräber in Bezirksstädten

Auch die Bestattungsmöglichkeiten sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. In Kärnten gibt es in jedem Bezirk Sammelgräber auf den Friedhöfen. "Alle drei bis vier Monate werden die Kinder dort gemeinsam bestattet. In Villach ohne Beisein der Eltern, in Klagenfurt werden sie eingeladen." Früher hat man die Kinder einfach bei "Fremden" mit ins Grab gelegt, es gab auch keine Aufzeichnungen darüber. Die Sammelgrabstätten sind auch für Familien oder junge Paare eine Lösung, die sich ein eigenes Grab nicht leisten können. "Jeder hat die Möglichkeit, eine Bestattung in einem eigenen (Familien)Grab zu verlangen. Oft fehlt einfach die Information dazu", so Ogris.

Bild zum Andenken

Was noch viele nicht wissen: Es gibt ehrenamtliche Fotografen, die auf der Website www.dein-sternenkind.eu registriert sind und auf Wunsch der Eltern noch ein Foto des Kindes zur Erinnerung machen.

Zur Sache:

Nähmarathon: Gemeindesaal Lendorf, Samstag, 26. November, ab 14 Uhr
Mitzubringen sind: Nähmaschine, Verlängerungskabel/Stromverteiler, Unterspulen, Zwirn, Schere, eigene Stoffe können gerne mitgebracht werden

Sammelstellen für Stoffe, Bänder etc:
Ab sofort bei "Miranda's Welt", St. Veiter Straße 29, 9020 Klagenfurt
Atelier "Luzy & Luke", Lendorf 5, 9811 Lendorf
Im Raum Villach: Kontakt mit Anita Ogris unter 0660 / 4691157 aufnehmen
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