Plötzliches Aus für Neustift-Schlick
Gleirscher verhindert Zubringerbahn

Die Pläne für eine Liftverbindung vom so genannten Gmoch in Neustift in die Schlick sind vom Tisch.
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  • Die Pläne für eine Liftverbindung vom so genannten Gmoch in Neustift in die Schlick sind vom Tisch.
  • Foto: Grafik: BI Rettet die Goldsutten
  • hochgeladen von Tamara Kainz

Die Idee einer Liftverbindung von Neustift in die Schlick ist gestorben. Der größte Grundbesitzer verweigert seine Zustimmung.

NEUSTIFT. Da ist eine Bombe geplatzt am Mittwoch! Bürgermeisterkandidat Franz Gleirscher teilte den Gesellschaftern der Goldsutten GmbH mit, dass er einer Inanspruchnahme seiner Gründe für die geplante Zubringerbahn von Neustift in die Schlick nicht zustimmen wird. Von unterhalb der Kaserstattalm über die Goldsutten bis hinauf zum Sennjoch reichen die Flächen von Gleirscher und seinem Nachbar Leo Pfurtscheller. Teils gehören sie ihnen einzeln, teils gemeinsam – ohne ihr Zutun ist die geplante Liftverbindung jedenfalls nicht realisierbar. Selbstverständlich ist die aktuelle Vorgangsweise unter den beiden abgestimmt.

"Massiver Eingriff nicht vertretbar"

"Mit uns wurde öfters gesprochen und ich habe mich immer eher zurückgehalten. Als wir Grundbesitzer gegen Ende September erstmals vernünftige Pläne erhielten, begann ich, mir ernsthafte Gedanken über das Projekt zu machen. Mit dem Ergebnis, dass der Eingriff in die Natur nicht für den zu erwartenden Nutzen steht", begründet Gleirscher seine Entscheidung und legt nach: "Vielleicht ist für die Projektwerber ein Ende mit Schrecken besser, als die Idee einer umstrittenen Großinvestition noch lange weiter zu verfolgen. Nebenbei barg das Projekt ja auch hinsichtlich der Genehmigungsfähigkeit viele Fragezeichen."

Projektwerber: "Ist zu akzeptieren"

Der TVB Stubai ist neben der Schlick 2000 und der Wintersport Tirol AG Gesellschafter in der Goldsutten GmbH. Obmann Adrian Siller kommentiert die Hiobsbotschaft so: "Wir haben immer gesagt, es braucht die Zustimmung der Grundeigentümer und positive Bescheide der Behörde. Wenn diese Voraussetzungen nicht gegeben sind, müssen wir für das Tal weiterarbeiten und andere Projekte entwicklen. Schade, aber es ist so und es geht weiter."

Pittl: "Projekt ist gestorben"

Ähnlich sieht das Schlick-GF und Goldsutten-GF Martin Pittl: "Die Gründe werden nicht zur Verfügung gestellt, damit ist das Projekt nicht umsetzbar, es ist gestorben. Aber natürlich gibt es für die Schlick viele andere Projekte, an denen wir auch fleißig dran sind." Und der Chef der Stubaier Gletscherbahnen Reinhard Klier meint ebenfalls: "Die Entscheidung vom Grundbesitzer ist zu akzeptieren. Grundsätzlich wäre es schon wichtig, dass es im Stubaier Winter eine Weiterentwicklung gibt. Möglichkeiten gibt es jetzt aber wenige bis keine mehr."

Stern: "Vernunft hat gesiegt!"

Für Michael Stern von der Bürgerinitiative "Rettet die Goldsutten" ist derweil mit der neuesten Info das "Christkindl früher gekommen". Nach insgesamt jahrzehntelangem Kampf gegen das "schlechte Projekt Zubringerbahn" – das Vorhaben poppte ja leicht abgeändert immer wieder einmal auf – freut er sich riesig über das Aus: "Eine zukunftsweisende Entscheidung! Die Vernunft hat gesiegt! Das bestätigt uns in unserem Widerstand. Das Projekt war umfangreich negativ, es gab zu viele Hürden. Die Absage ist ein Geschenk für alle Menschen im Stubai, die nachhaltig denken."

Riecht's nach Wahlkampf?

Pikant an der Geschichte ist natürlich, dass Franz Gleirscher wie berichtet in Neustift als Bürgermeisterkandidat ins Rennen gehen wird. Er übernimmt die Fraktion "Junges Neustift" von Bgm. Peter Schönherr. Diese Liste forcierte das Projekt Zubringerbahn bisher stets klar. "Junges Neustift ist eine Gruppierung, die versucht, Sachen möglich zu machen. Ja, es stimmt, in der Zubringerfrage gibt es eine Kursänderung. Dahinter bzw. hinter meinem Entschluss stehen aber alle Mandatare", räumt Gleirscher ein. Ob er sich deshalb nun mehr Stimmen erwartet – das Projekt wurde in der Stubaier Bevölkerung ja höchst kritisch gesehen – beantwortet er so: "Den einen wird's gefallen, den anderen nicht. Wichtig ist aber eine gerade Linie zu gehen. Und ich möchte betonen, dass die Entscheidung die selbe gewesen wäre, wenn ich nicht kandidieren würde."

Erste Reaktionen der Politik

Für die Tiroler Grünen ist die Rettung der Goldsutten ein wichtiger Gewinn für den Naturschutz: „Von Beginn der Diskussion an haben wir Grüne uns für dieses kleine Naturjuwel und gegen die Übererschließung eingesetzt“, so der Grüne Klubobmann und Stubaier Gebi Mair. „Ein besonderer Dank gilt all jenen Mitstreitern im Tal, die sich seit Jahren für die Natur auch an dieser Stelle einsetzen. Die Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt.“ Mit dem endgültigen Nein der Grundbesitzer ist das ökonomisch wenig durchdachte Projekt einer Neuerschließung vom Tal ins Skigebiet Schlick Geschichte.

Verlängerung der Stubaitalbahn?

Dass die Entscheidung gegen die Seilbahnerschließung noch vor Einreichung des Projektes gefallen sei, mache den Weg nun frei für die wirklich notwendigen Diskussionen, so Mair weiter. „Die Verkehrsbelastung in den Ortskernen muss für Einheimische und Gäste sinken. Denn der Verkehr ist in der Dichte ist eine Zumutung für alle im Tal. Die Tiroler Landesregierung beauftragt deshalb eine Studie zur Verlängerung der Stubaitalbahn von Telfes über die Talstation des Skigebiets Schlick nach Neustift.“ Die Grünen wünschen sich Unterstützung von Touristikern und Gemeinden für ein derartiges Zukunftsprojekt. "Jede Tür die sich schließt ist auch eine Chance dafür, eine andere Tür zu öffnen“ wirbt der Fulpmer für eine zukunftsorientierte Diskussion.
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Die Pläne für eine Liftverbindung vom so genannten Gmoch in Neustift in die Schlick sind vom Tisch.
Die Goldsutten bleiben von Lifterschließungen unangetastet.
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