Bischof Hermann im Interview:
"Das war eine Lektion"

Bischof Hermann Glettler sieht in der Diözese großes Potential in der Laienkirche.
  • Bischof Hermann Glettler sieht in der Diözese großes Potential in der Laienkirche.
  • hochgeladen von Sieghard Krabichler

Seit gut einem Jahr leitet Bischof Hermann die Diözese Innsbruck und er ist gerne in Tirol.
Haben sich Ihre Erwartungen an das Bischofsamt in Tirol erfüllt?
Bischof Hermann: "Ich hatte eigentlich keine Zeit, Erwartungen zu definieren. Es hat sich vieles gut gefügt. Ich bin sehr dankbar für die herzliche Aufnahme und für das konstruktive Miteinander in Tirol."

Bis die Tiroler mit jemandem warm werden, dauert es eine gewisse Zeit. Wie ist es Ihnen da ergangen?
"Eigentlich sehr gut. Natürlich hat man es als Bischof leichter, Fuß zu fassen. In jedem Fall spüren die Leute, ob man ihnen wertschätzend begegnet. Außerdem mag ich die Geradlinigkeit der Menschen. Eigentlich sind Steirer und Tiroler gar nicht so weit auseinander."

Sie sagten bei Ihrer Präsentation: „Ich will die Menschen, die Bräuche und das Land kennen lernen, auch Tirolerisch als weitere Fremdsprache.“ Geglückt?
(lacht). "Na ja, das ‚Tirolerisch‘ gibt es ja nicht. Die Vielzahl der Dialekte macht es schon ein wenig schwierig. Ich denke da an einige Sommertage im Lechtal – das war eine Lektion."

Haben Sie manchmal noch Heimweh nach der Steiermark?
"Ich kann mich zum Glück sehr rasch auf neue Situationen einstellen. Natürlich gehen mir Menschen ab, mit denen ich viel geteilt habe. Aber der Bekanntenkreis in meiner neuen Heimat Tirol wächst ja auch recht rasch. Und es gehört zur Berufung in der Nachfolge Jesu, etwas zurückzulassen. Neue Aufgaben brauchen die ganze Herzenskraft."

Welche Aufgaben hat in bewegten Zeiten ein Bischof generell?
"Zuerst ist es wichtig, die Frische des Anfangs lebendig zu halten, die Beziehung zu Jesus und seiner Frohen Botschaft. Kirchliche Tradition ist keine museale Verwaltung. Zum Zweiten besteht Kirche aus unterschiedlichen Personen und Berufungen, traditionellen und liberalen Kräften. In dieser Vielfalt muss ich als Bischof den Dienst der Einheit leisten. Und drittens muss ich vorausschauen und vorausgehen, damit unsere Kirche zukunftsfit bleibt."

In der Diözese Innsbruck gibt es noch 170 Priester für 290 Pfarren, aufgeteilt in 70 Seelsorgeräume. Und die sind großteils nicht mehr die Jüngsten. Ist die Kirche zukunftsfit?
"Das System, dass letztlich alles beim Pfarrer landet bzw. von ihm gesteuert werden muss, ist zu ändern. Es gibt ein großes Potential bei hauptamtlich und ehrenamtlich engagierten Laien, unabhängig vom Weiheamt. Auch das Charisma der Leitung. Und parallel dazu beginnen wir, ein Netzwerk von sogenannten ‚Weggemeinschaften' aufzubauen, die eine konkrete Seelsorge in der Nachbarschaft wahrnehmen können."

In Tirol ist fast die Hälfte der Menschen ehrenamtlich tätig. Wie erfahren Sie die Hilfsbereitschaft im Land als Bischof?
"Von der Vielfalt und Intensität der Freiwilligenarbeit in Tirol bin ich begeistert. Es gibt tatsächlich ein großes solidarisches Netz, getragen von unterschiedlichsten Vereinen und Initiativgruppen. Passend lautet der Slogan der Adventsammlung ‚Solidarität hat viele Gesichter‘."

Aber auch in Tirol treten jährlich Menschen aus der Kirche aus. Kehren die Leute der Kirche vorwiegend wegen dem Kirchenbeitrag den Rücken?
"Für einige ist bestimmt der Kirchenbeitrag der Anlass. Eher jedoch tritt jemand aus, weil innerlich die Verbindung zur Kirche weggebrochen ist. Oder vielleicht gar nie da war. Aus diesem Grund ist es uns wichtig, den christlichen Glauben wieder verständlich zu vermitteln. Verabschieden müssen wir uns von der Vorstellung einer Volkskirche, der nahezu alle angehören. Ich möchte aber auch auf die leicht steigenden Eintrittszahlen hinweisen. Einige kommen bewusst in die Kirche zurück."

Mit Ihrem Wahlspruch „geht, heilt und verkündet“ wollten Sie an den Geist des Aufbruchs, der 2014 beim Diözesanjubiläum spürbar war, anschließen. Ist das geglückt?
"Ja. Viele tragen das Grundanliegen mit, dass wir als Kirche weitergehen müssen. Wir sind mit den unterschiedlichsten Menschen unseres Landes verbunden, man kann sagen in einer ‚Weggemeinschaft‘. In dieser Verbundenheit wird auch die heilende Kraft des Glaubens wieder erfahrbar. Verwundungen gibt es ja viele. Ebenso wichtig ist es, unverkrampft über den Schatz des Glaubens miteinander ins Gespräch zu kommen."

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit dem politischen Tirol?
"Unsere Zusammenarbeit empfinde ich als sehr positiv und unkompliziert. Kirche und Politik haben natürlich unterschiedliche gesellschaftliche Aufträge und sollten nicht vermengt werden. Aber es gibt gemeinsame Verantwortungsbereiche – vor allem im Sozialen, in der Bildung und Kultur. Da müssen wir gut kooperieren."

Es ist bald Weihnachten, welchen Wunsch hat der Bischof an das Christkind?
"Ich wünsche mir, dass viele Menschen den Heiligen Abend entlastend erleben und zuversichtlich ins neue Jahr hineingehen. Außerdem wünsche ich mir, dass die konstruktiven Kräfte in Europa in der Mehrheit bleiben. Für die großen Herausforderungen braucht es viel Geist und Herzensenergie."

Autor:

Sieghard Krabichler aus Tirol

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