Bezirksblätter-Umfrage: Tirol rückt nach rechts

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TIROL. Nicht nur im Bund, in Oberösterreich oder im Burgenland: Blau ist auch in Tirol die Modefarbe des Jahres. Die Tiroler FPÖ erreicht in der aktuellen Bezirksblätterumfrage der GMK bei einer am kommenden Sonntag stattfindenden Landtagswahl mindes-tens 29 Prozent der Stimmen.Zur Erinnerung: Bei der LT-Wahl 2013 haben die Tiroler Freiheitlichen 9 Prozent der Stimmen erhalten. "Wenn die Gesamtrahmenbedingungen in Europa, so wie sie derzeit sind, bleiben, dann ist es vorstellbar, dass die ÖVP und die FPÖ in Tirol etwa gleich stark aus der Wahl hervorgehen", erklärt Meinungsforscher Anton Leinschitz von der GMK. Nur: "Dieses Ergebnis wäre kein Verdienst der Tiroler Blauen, sondern hat die Ursache im nationalen und auch internationalen Trend", so Leinschitz.
Haare lassen muss in der aktuellen Umfrage die ÖVP. "Nur" mehr 38 Prozent der Tiroler würden bei Schwarz das Kreuzerl machen (LT-Wahl 2013: 39 Prozent, Umfrage 2014: 42 Prozent). "Die ÖVP lebt zurzeit sehr stark von den Schwächen der Opposition", weiß Leinschitz.

Grün, Rot und der Rest
Die Grünen würden das Ergebnis der Wahl aus 2013 mit 13 Prozent halten können (Umfrage 2014: 17 Prozent). Aber bei einem derartigen Abschneiden der FPÖ wäre die Regierungsbeteiligung wohl beendet.
Die SPÖ Tirol dreht sich trotz neuem Parteiprogramm und trotz Ingo Mayr, der seit eineinhalb Jahren die Partei führt, weiter in der Abwärtsspirale. Nur mehr 9 Prozent wären bereit, Rot zu wählen. "Dabei wären bei einer wahrnehmbaren, harten Oppositionspolitik durchaus Chancen für die SPÖ Tirol vorhanden", sagt Leinschitz.
Für den Rest der Tiroler Parteienlandschaft bietet sich zurzeit ein düsteres Bild. Keine der Oppositionsparteien wäre mehr im Landtag, die Liste Fritz mit knappen 4 Prozent hätte noch einen Funken Hoffnung. "impuls-tirol" erreicht in unserer Umfrage nur mehr 2 Prozent und wäre damit ohne Chance, weiter im Landtag zu bleiben.

Schlechtes Zeugnis für Regierung

Politik interessiert die Menschen in Tirol. 21 Prozent sind "sehr interessiert", weitere 48 Prozent noch "ziemlich interessiert". 27 Prozent kümmert die Politik wenig, 4 Prozent ist Politik völlig egal. Dabei hat bei 23 Prozent das Interesse zugenommen, für 51 Prozent ist es gleich geblieben und 26 Prozent bekunden ein abnehmendes Interesse an der Landespolitik. Detail am Rande: ÖVP-Wähler sind mehr am politischen Geschehen interessiert als FPÖ- oder SPÖ-Wähler.

Zeugnis fällt schlecht aus
50 Prozent der Menschen im Land über 16 sind mit der Arbeit von Schwarz-Grün "weniger" bis "gar nicht zufrieden". 42 Prozent sind "ziemlich zufrieden", nur 5 Prozent "sehr zufrieden". ÖVP-Wähler sind naturgemäß zufriedener als etwa die FPÖ-Sympathisanten.Höher Gebildete stellen auch ein besseres Zeugnis aus. Bei der Erwartungserfüllung wird die Sache schon eindeutiger. Nur 32 Prozent sehen ihre Erwartungen durch die Landesregierung erfüllt, hingegen 55 Prozent sind der Überzeugung, Platter, Felipe und Co liegen weit hinter diesen zurück. Immerhin 12 Prozent können hier keine Angaben machen. Und wieder sind die FPÖ-Wähler bei dieser Fragestellung am kritischsten. Für Meinungsforscher Anton Leinschitz alles in allem kein berauschendes Ergebnis. "Die Bundesnegativstimmung kommt auch in Tirol massiv zum Tragen", sagt er über die Zeugnisverteilung zum Jahreswechsel.

Frage Landesentwicklung
Auf die Frage "Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Landes Tirol durch die derzeitige Landespolitik? Geht da sehr viel, ziemlich viel, weniger oder gar nichts weiter?" antworten 10 Prozent "gar nichts" und 56 Prozent sehen, dass "weniger" weitergeht. Nur 27 Prozent beurteilen "es geht ziemlich viel weiter", 2 Prozent sind mit der Entwicklung Tirols gänzlich zufrieden.

Herausforderung Flüchtlinge
68 Prozent der Tiroler sehen für die Zukunft Probleme durch die muslimische Zuwanderung. Und für 49 Prozent ist das Flüchtlingsproblem die größte Herausforderung in den kommenden vier Jahren. Mit Wohnen (32), Bildung (26), Umwelt (22) Gesundheitswesen (22), Energieversorgung (17) und dem Nahverkehr (11 Prozent) sind die weiteren großen Herausforderungen für die Politik definiert.

Kennst du deine Politiker in Tirol?

Mehr geht fast nicht: Der Bekanntheitsgrad der Tiroler Politiker – speziell der Regierungsmannschaft – hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht wirklich großartig verändert und das zeigt, wie schwierig es ist, nachhaltig in die Köpfe der Tiroler Wähler zu kommen. LH Günther Platter kennt jeder, Beate Palfrader (93), Patrizia-Zoller Frischauf (89) und Bernhard Tilg (86) haben in der ÖVP den höchsten Bekanntheitsgrad. LHStv. Josef Geisler (76) und LR Hannes Tratter mit nur 64 Prozent haben durchaus noch Potential. LHStv. Ingrid Felipe kommt auf 87, Landessprecher Georg Willi auf 84, Christine Baur hingegen nur auf 59 Prozent.
Wie sieht es mit der Opposition aus? Obwohl die FPÖ extrem an Stimmen zulegt, kommt Markus Abwerzger nicht über 47 Prozent Bekanntheit hinaus und er ist somit weiter Schlusslicht der Tiroler Spitzenpolitiker. SPÖ-Chef Ingo Mayr kommt mittlerweile auf 58, Hans Lindenberger von "impuls-tirol" auf 67 Prozent. Andrea Haselwanter-Schneider von der Liste Fritz kennen 65 Prozent.
Erstaunlich: Nur 53 Prozent der deklarierten FPÖ-Wähler kennen Markus Abwerzger, 12 Prozent der Grün-Wähler haben noch nie etwas von Ingrid Felipe gehört.

Zur Umfrage:
Auftraggeber: Bezirksblätter Tirol GmbH
Ausführende Gesellschaft: GMK Research & Consulting, Annenstraße 25
A-8020 Graz, Tel: 0316 2091755, www.gmk.co.at
Abfragezeitraum: 7. bis 11.12. 2015
Sample und Instrument: 400 Telefoninterviews
Maximale Schwankungsbreite: Gesamtergebnis ±5 Prozent

Die Grafik zeigt die Zufriedenheit der Tiroler mit der Politik im Land im Gesamten.

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