Neue Anlaufstelle für Tullns Familien

Familienbegleiterin Bettina Pascutti und Programmleiterin Berit Illich-Gugler helfen Familien durch schwierige Situationen.
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BEZIRK TULLN (bt). „Julia ist gerade Mama geworden. Sie muss sich alleine um ihren kleinen Sohn kümmern und fühlt sich manchmal überfordert.“ Das Leben mit einem Kind bringt viel Freude. Es kann aber auch verunsichern. Das Team von »Netzwerk Familie« greift neben Krems und St. Pölten neuerdings auch Familien im Bezirk Tulln unter die Arme. Programmleiterin Berit Illich-Gugler und Familienbegleiterin Bettina Pascutti klären über das neue Angebot auf und appellieren, die Scheu vor Hilfe abzulegen.

»Netzwerk Familie« ist nun auch im Bezirk Tulln angekommen. Welche Vorarbeit war notwendig?
Berit Illich-Gugler: Die wichtigsten Netzwerkpartner wie Krankenhaus und Bezirkshauptmannschaft wurden informiert und jetzt sind wir daran Kontakte aufzunehmen.

Wem wollen Sie helfen?
Illich-Gugler: Wir begleiten von der Schwangerschaft bis zum dritten Geburtstag, wenn die Familie in einer belasteten Lebenssituation ist. Die Familienbegleiterin nimmt dann sehr rasch Kontakt auf und versucht einen Termin für ein Erstgespräch zu vereinbaren. Meistens vor Ort, bei der Familie, aber auch in unseren Räumlichkeiten in Tulln. »Netzwerk Familie« ist ein Angebot zu frühen Hilfen der Initiative »Tut gut!« .

Belastete Lebenssituationen sind?
Illich-Gugler: Soziale Isolation, psychische Probleme bei den Eltern, Krankheitsfälle bei Kindern oder Eltern.
Bettina Pascutti: Einfach generelle Überlastung oder Hilfestellung in Situationen wo vielleicht finanzielle Unterstützung notwendig ist. Es können auch beziehungstechnische Probleme sein. Es handelt sich nicht immer um sozialschwache Familien.

Wie gehen Sie dann vor?
Illich-Gugler: Die zwei Kernelemente der Familienbegleitung sind auf der einen Seite Vertrauen aufzubauen, um eine Konstante in der Familie zu werden und auf der anderen Seite die Familie dort anzudocken, wo sie Hilfe bekommt: Kinderhilfe, Schuldnerberatung, Entlastungsgespräche, ... Die Familienberaterin schaut einfach wo brennts am meisten, dann überlegt sie, wohin sie die Familie vermitteln kann.
Pascutti: Wir arbeiten in multiprofessionellen Teams. Es gibt eine Sozialarbeiterin, eine Psychologin, eine Sozialpädagogin und ab Juli haben wir eine Kindergartenpädagogin.

Wieviele Familien brauchen solche Hilfe?
Illich-Gugler: Von 2015 bis Ende 2017 haben wir cirka 80 Familien unterstützt.

Also ist es ganz wichtig zu wissen "ich bin nicht alleine"?
Pascutti: Es gibt viele Familien die Probleme haben. Man muss nicht perfekt funktionieren, was uns in unserer Gesellschaft ja oft so vorgespiegelt wird. Häufig sind Mütter überfordert - von ihren eigenen perfekten Muttervorstellungen. Dann sind Entlastungsgespräche gefordert.

Warum ist das notwendig - früher ging es doch auch anders?
Pascutti: Strukturen die es damals gegeben hat, mit großen Familien, die gibt es in der Form nicht mehr. Und früher ist das auch nicht so publik geworden. Vielleicht holen sich die Leute nun Hilfe, was ja gut ist. Das ist kein falscher Stolz sich Hilfe zu holen.

Teilweise wollen die Familien aber gar keine Hilfe?
Illich-Gugler: Ja, das gibt es auch, das ist dann auch zu respektieren.

»Netzwerk Familie« will ein "persönlicher Schutzschirm" sein. Das heißt?
Illich-Gugler: Das heißt, dass durch die Begleitung eine Vertrauenskonstante in der Familie geschaffen wird. Es geht darum, dass Kinder gesund aufwachsen können, dass sie andere Startfaktoren ins Leben haben. Grundsätzlich wollen wir eine positive Veränderung für das ganze Familiensystem herbeiführen - denn dann geht es auch den Kindern gut.

Nehmen Sie die Schicksale auch persönlich mit?
Pascutti: Ich lasse mich auf jeden einzelnen Menschen ein und öffne mein Herz. Weil ich der Meinung bin, wenn ich mein Herz nicht öffne, kann weder etwas hinaus noch hinein. Aber es ist mein Beruf. Wenn ich nach Hause gehe kann ich auch ein Stückerl einfach im Beruf lassen.

Das schönste an Ihrem Tun ist?
Pascutti: Begegnung mit Menschen!

Was wollen Sie den Lesern mitgeben?
Illich-Gugler und Pascutti:
Zögern Sie nicht Hilfe in Anspruch zu nehmen und diese Telefonnummer zu wählen.

Zur Sache

»Netzwerk Familie« ist eine Maßnahme im Rahmen der österreichweiten Vorsorgestrategie und wird aus Mitteln der Bundesgesundheitsagentur finanziert. Das Angebot ist freiwillig, kostenlos und vertraulich. Die Gespräche finden bei Ihnen Zuhause oder in den Räumlichkeiten des Gesundheits- und Sozialzentrums Tulln in der Wilhelmstraße 31 statt. Gerne kann auch eine Person Ihres Vertrauens anrufen. Ihr Kontakt zu »Netzwerk Familie«: 0676 / 858 72 345 22, netzwerkfamilie@noetutgut.at oder www.noetutgut.at/vorsorge/netzwerk-familie

Autor:

Bettina Talkner aus Gmünd

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