Landesgericht St. Pölten
"Toxische" On-Off-Beziehung vor Gericht
- Staatsanwalt Michael Lindenbauer.
- Foto: Ilse Probst
- hochgeladen von Victoria Edlinger
Beziehung mit brutalen Zwischentönen
BEZIRK. Als „toxisch“ bezeichnete die Verteidigerin eines 20-Jährigen die On-Off-Beziehung ihres Mandanten zu seiner gleichaltrigen Ex-Freundin aus dem Bezirk Tulln, die ihn vier Monate nach der endgültigen Trennung im März dieses Jahres anzeigte.
Staatsanwalt Michael Lindenbauer warf dem Arbeitslosen beim Prozess am Landesgericht St. Pölten vor, er sei gegen seine Ex-Freundin zwischen 2022 und Jänner 2024 immer wieder gewalttätig geworden und habe ihr teilweise Verletzungen zugefügt. Zum Beweis dafür legte das Opfer Fotos vor, die es mit stark angeschwollener Unterlippe, blutiger Nase, Hämatom und einem vollkommen heruntergerissenen Fingernagel zeigen, mit dem sie sogar im Krankenhaus verarztet werden musste.
„Im Krankenhaus habe ich gelogen, weil er dabei war“,
meinte die Schülerin, nachdem sie von Richterin Doris Wais-Pfeffer auf den ärztlichen Befund hin angesprochen worden war. Über die vier „wirklich schlimmen“ Vorfälle mit Kopfstößen und Faustschlägen hinaus, sprach sie auch von regelmäßigen Übergriffen durch Stöße und Schläge.
Alkohol und Cannabis
Der gewaltbereite junge Erwachsene, der mit 1.500 Euro Taschengeld, das er von seinen Eltern bekommt, auch Cannabis und Alkohol finanziert, bekannte sich zu den vier heftigeren Ausrastern schuldig. Er leide an ADHS und konsumiere Cannabis, um seine Impulsivität unter Kontrolle zu haben. Er habe bereits ein Antiaggressionstraining absolviert und Bewährungshilfe in Anspruch genommen. Er bestreite jedoch, seine Freundin über die vier Vorfälle hinaus immer wieder attackiert zu haben.
Auch Wais-Pfeffer meinte:
„Eine fortgesetzte Gewaltausübung lässt sich nicht wirklich feststellen.“
Aufgrund seiner geständigen Verantwortung erhielt der Beschuldigte eine letzte Chance. Das Diversionsangebot der Richterin von 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit wurde vorerst von allen Seiten angenommen.
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