28.06.2017, 00:00 Uhr

Drogenkunde wurde zum Raubopfer

Verteidigerduo Nikolaus Rast und Roman Tenschert. (Foto: Probst)
BEZIRK TULLN / ST. PÖLTEN (ip). „Wos is, fetz man, habt´s Zeit?“, soll ein mutmaßlicher Räuber sich telefonisch bei einem 27-jährigen, vierfach einschlägig vorbestraften Bosnier und einem 23-jährigen Mazedonier erkundigt haben. Damit heuerte er sie an, gemeinsam mit einem 25-jährigen Mazedonier einen Raubüberfall zu begehen.
Das Opfer, ein türkisch sprechender Schwede, hatte am Tag zuvor in Grafenwörth Interesse am Ankauf von einem Kilo Cannabiskraut um 2.000 Euro gezeigt. Man traf sich am 18. Februar 2017 bei einer Tankstelle in Tulln. Während der abgesondert verfolgte Initiator im Auto blieb, stiegen die drei anderen Männer aus. Mit einem Rucksack, in den sie Windeln gepackt hatten, täuschten sie vor, das Cannabis dabei zu haben. Gegen ihre Hoffnung, doch wie erwartet, wollte der Schwede die Ware sehen, bevor er das Geld herausrückte.

Fußtritte und Faustschläge

„Du hast zwei Alternativen“, erklärte der 27-Jährige, „Entweder du gibst mir alles, was du hast, oder wir schlagen dich und nehmen sowieso alles, was du hast!“ Das Opfer soll zu diesem Zeitpunkt 2.000 Euro in der Hand gehabt haben, wollte diese jedoch nicht hergeben. Mit Faustschlägen und Fußtritten ging der Schwede zu Boden und seiner Aussage nach, hätten alle drei Männer mit ihm gerangelt, ihm die Jacke ausgezogen und sich damit davon gemacht. In der Jacke habe er noch weitere 2.000 Euro, seine Schlüssel und seinen schwedischen Reisepass gehabt. Bei seiner Aussage am Landesgericht St. Pölten machte er von seinem beschränkten Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und ließ den Anlass für das Treffen im Dunklen.

In Tränen ausgebrochen

Die Angeklagten zeigten sich zu den Vorwürfen von Staatsanwalt Michael Lindenbauer weitgehend geständig, behaupteten jedoch, dass sie nur 2.000 Euro erbeutet und diese im Auto aufgeteilt hätten. Aufgrund des Telefonats im Vorfeld der Tat stand für Lindenbauer auch fest, dass die Gewaltanwendung durchaus eingeplant war. Jener Zeuge, der dieses Gespräch mitgehört hatte, brach wegen seiner schweren psychischen Labilität immer wieder in Tränen aus. Der Richter brach die Einvernahme früher ab, nachdem der Bursche völlig aufgelöst gestand, vor dem Prozess massiv bedroht worden zu sein. „Es ist die ganze Familie eingeschüchtert worden“, erklärte daraufhin seine Mutter im Zeugenstand.
„Die Drogen sind die Erklärung – nicht die Entschuldigung – für ihre Handlungen“, betonte Nikolaus Rast als Verteidiger der zwei drogensüchtigen Männer, während Verteidiger Roman Tenschert darauf vertraut, dass der 27-Jährige alles so ernst nehme, dass er nie wieder etwas anstellen werde.
Der Schöffensenat zweifelte nicht an der Aussage des Opfers im Zusammenhang mit der Höhe der Beute. Ihrer Beteiligung und ihrer Vorstrafen entsprechend wurden die Männer zu 40, 33 und 36 Monaten Haft sowie zur Zahlung von 4.000 Euro rechtskräftig verurteilt.

0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.