15.10.2014, 00:00 Uhr

Rollende Gefahr im Bezirk Tulln

Auf zum Einsatz: Andreas Knirsch und Martin Hart in den Schadstoff-Anzügen, die bis zu 25 Kilo wiegen. (Foto: Zeiler)

Gefahrengut wird von A nach B transportiert: Welche Alarmpläne es gibt und wovor gewarnt wird.

BEZIRK TULLN / ELSBACH / PISCHELSDORF. Sie sind explosiv, hochgiftig, radioaktiv oder brennen einfach nur verdammt gut. Millionen Tonnen Gefahrengut lagern in heimischen Firmen oder rollen über Straßen und Schienen. Die Bezirksblätter haben Experten befragt, wo im Bezirk Bezirk Tulln die geheimen Gefahren schlummern.
"In Pischelsdorf", weiß Herbert Obermaißer, Feuerwehrkommandant vom Tullner Bezirk. Angesiedelt ist dort die Donauchemie, aber auch die Firma Schildecker, die Gefahrentransprte durchführt.
Einen dicken Ordner mit tausend Seiten legt Firmenchef Karl Schildecker vor: "Das ist die entsprechend Verordnung, der Gefahrenguttransport ist sehr streng geregelt und unterliegt ebensolcher Überprüfungen", blättert er durch und informiert zugleich, dass "die Hälfte der Transporte Benzin und Diesel sind". Die entsprechende Kennzeichnung muss natürlich auf dem Laster angebracht sein, 1202 und 1203 ist's für die Treibstoffe. Aber auch Schwefelsäure wird von A nach B geliefert, und die ist in jeder Autobatterie drin. Klar ist jedoch – und das betont der Firmen-Chef: "Es wird hier nichts auf Gaude herumgeführt. Jeder LKW, der auf der Straße fährt, wird von einem Dritten dafür beauftragt".

Bestens für Notfall gerüstet

Sollte es zu einem Unfall kommen, sind die Silberhelme im Bezirk bestens ausgerüstet: "In den Alarmplänen ist dies ebenso geregelt, wie in den Katastrophenplänen der Bezirkshauptmanschaft". Sogenannter Schadstoffstützpunkt im Bezirk ist die Betriebsfeuerwehr der Donauchemie in Pischelsdorf: "Sieben mann sind rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr einsatzbereit, zudem haben wir ein spezielles Fahrzeug", informiert Kommandant Karl Hofbauer. Doch – kann ein Laie überhaupt erkennen, ob es sich um einen Gift-Tank handelt? Da gebe es eine lange Liste an Nummern, aufgrund dieser man zuordnen könne, was exakt transportiert wird. Daher warnt Obermaißer: "Sollte man zu einem Schadstoff-Unfall kommen, dann sofort die Einsatzkräfte alarmieren, keinesfalls die Eigeninitiative ergreifen", so der Bezirksfeuerwehrkommandant.

Explosive Angelegenheit

Ebenso eine Schadstofftruppe – neben jener in Feuersbrunn – ist in Elsbach unter Feuerwehrkommandant Martin Knirsch stationiert. Viel Zeit haben die Silberhelme in die Ausbildung investiert: "Das sind einige Module, die in der Feuerwehrschule absolviert werden müssen", erzählt Dominik Rauscher, Stv. Kommandant, FF Elsbach. Der letzte Einsatz, den die Jungs im Schadstoff-Anzug durchführten, war ein Ölaustritt – viel gefährlicher war jedoch jener in Plankenberg vor fünfzehn Jahren, als zwei Tankwägen zusammengekracht sind.
Schadstoffeinsätze sind keine, die schnell von der Hand gehen: Grund dafür ist einerseits die klobige Bekleidung – die Kameraden können sich nur langsam in den 25 Kilo schweren Anzügen bewegen – andererseits bedarf es einem klaren Kopf, denn unter Umständen kann so ein Einsatz auch eine explosive Angelegenheit sein: "Da müssen wir dann immer Streichholzerl ziehen, wer als erster reingeht", nimmt's Schadstoff-Experte Andi Knirsch – zumindest beim Gespräch – mit Humor.


Zur Sache
Im Bezirk Tulln gibt es drei Schadstoffeinsatz-Truppen: Für den Abschnitt Atzenbrugg die Betriebsfeuerwehr der DonauChemie, für Kirchberg in Feuersbrunn und für Tulln in Elsbach.
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