Seelsorge
Tage der Krise stellen auch eine Chance dar

Susanne Grurl ist Pfarrassistentin in Ungenach.
  • Susanne Grurl ist Pfarrassistentin in Ungenach.
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Gedanken zum Evangelium Johannes 9,1-41 am 4. Fastensonntag von Seelsorgerin Susanne Grurl, Pfarrassistentin in Ungenach.

Liebe Leserinnen, liebe Leser, der vierte Fastensonntag trägt den lateinischen Titel „Laetare“, also die Aufforderung: Freut euch! Der Grund zur Freude liegt im näherrückenden Osterfest, denn die Mitte der Fastenzeit ist überschritten. Doch in diesen Tagen, die wir momentan erleben, ist weit und breit keine Freude zu spüren – an der Tagesordnung stehen Verunsicherung und Angst vor dem Coronavirus, das die ganze Welt in große Sorge versetzt.
Im heutigen Evangelium hören wir davon, wie Jesus einen Blinden heilt, und passender könnte die Schriftstelle am vierten Fastensonntag angesichts der momentanen Situation, in der wir uns befinden, wohl kaum sein.

Denn oft sind auch wir in unserem Alltag blind: Unsere Kalender sind voll mit Terminen, nach der Arbeit muss noch der Einkauf erledigt werden und nachdem mit den Kindern gelernt wurde, sind auch die Abende ausgefüllt mit Freizeit-aktivitäten und Sitzungen. Blind sind wir im Trubel des Alltags gefangen und die Zeit fliegt nur so dahin. Für vieles, das wir eigentlich gerne machen würden oder das notwendig und wirklich wichtig wäre, haben wir oftmals kaum Zeit.
Doch in diesen Tagen zwingt uns die aktuelle Situation in vielen Bereichen unseres Lebens zu einer ganz radikalen Reduktion auf das Wesentliche – so, wie die Fastenzeit eigentlich von ihrem ursprünglichen Sinn her gedacht wäre.

So kann sich jede und jeder von uns in ihrer/seiner ganz persönlichen Situation fragen: Liegt in diesen Tagen, die wir gerade durchleben, für mich vielleicht auch eine Chance, die ich nützen kann? Eröffnen sich mir Gelegenheiten, die ich in diesen Tagen bewusst wahrnehmen kann?
So können wir uns in dieser Zeit für unsere Mitmenschen öffnen, indem wir ganz besonders aufeinander schauen, behutsam miteinander umgehen und darauf achten, wo jemand unsere konkrete Hilfe, ein aufbauendes Wort oder unser offenes Ohr braucht.
Eltern, die durch die aktuelle Lage bei ihren Kindern zuhause sind, können diese Tage als Chance sehen, um sich ganz bewusst Zeit für ihren Nachwuchs zu nehmen und das Familienleben, das im Alltag oft durch die vielen Termine zu kurz kommt, neu zu intensivieren.
Vielleicht nützen auch Paare die Chance dieser Zeit, indem sie sich neu füreinander öffnen und bei einem gemeinsamen Spaziergang einander mitteilen, was sie bewegt und beschäftigt.
Und möglicherweise beinhaltet diese Zeit auch für jene unter uns, deren Alltag durch diese Situation so prompt unterbrochen wird, eine Chance, um sich ganz bewusst für jene Dinge, die im Alltag oftmals zu kurz kommen, Zeit zu nehmen: für die Musik, für ein Buch, für die Natur, für ausreichend Schlaf.

Die Tage der heurigen Fastenzeit, die unseren Alltag ordentlich durcheinanderbringen, können so für uns zu einer ganz besonderen Chance – zu einer Art Exerzitien – werden.
Die katholische Jungschar Österreichs nutzte die vergangenen Tage, um Lieder zu finden, die ca. so lange dauern, wie wir uns die Hände waschen sollen – nämlich 30 Sekunden.
Eines davon ist ein Lied, das ich mit meiner Pfarrgemeinde im Gottesdienst sehr gerne singe – ein Ruf aus der Gemeinschaft von Taizé: „Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht: Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht!“
Nicht nur beim Händewaschen, sondern bei vielen Tätigkeiten singe ich nun diesen Ruf. Die Worte beruhigen mich und die hoffnungsvolle Botschaft lässt mich immer wieder neu Zuversicht und Vertrauen schöpfen, dass alles gut wird.
Und: Diese Liedverse verkünden für mich die Botschaft des 4. Fastensonntags: Laetare – Freut euch – denn in ihnen steckt die zuversichtliche Gewissheit, dass nach jeder Dunkelheit, nach jedem Karfreitag, immer wieder neu das Licht des Ostermorgens in unser Leben hereinbricht.

Liebe Leserinnen und Leser, wir alle dürfen immer wieder neu darauf vertrauen, dass uns Jesus Christus, der von sich selbst sagt: „Ich bin das Licht der Welt“, an jedem Tag unseres Lebens mit seinem Licht begleitet und dass er, der Blinde sehend macht, auch uns immer wieder neu die Augen füreinander und für die großen und kleinen Wunder dieser Welt öffnet.

Autor:

Alfred Jungwirth aus Vöcklabruck

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