100 Jahre Republik
Diese Ereignisse prägten das Jahrhundert im Bezirk

Der Hauptplatz von Raabs stand 2006 binnen weniger Stunden unter Wasser.
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  • Der Hauptplatz von Raabs stand 2006 binnen weniger Stunden unter Wasser.
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BEZIRK WAIDHOFEN/THAYA. Krieg, Katastrophen, aber auch neu gewonnene Freiheit prägten die vergangenen 100 Jahre den Bezirk Waidhofen. Für unsere Serie "100 Jahre Republik" haben wir die prägendsten Ereignisse im Bezirk Waidhofen angesehen.

Das Kriegsende 1918 war für die Waidhofner natürlich eine schwere Zeit. Die Versorgung auf dem Land war aber weit nicht schlimm, wie jene in der Stadt. Selbst zwischen der Bezirkhauptstadt und den umliegenden Gemeinden gab es eine Diskrepanz. Während man sich in Waidhofen kaum mit den alltäglichsten Gütern wie Milch versorgen konnte, ging am Land ein anderes Unwesen um: die Schattenwirtschaft blühte und erschwerte die Not in den Städten noch zusätzlich, da die "unter der Hand" gehandelten Waren zu drastischen Preisanstiegen führten.

Endlich frei!

Ähnlich schwierigen Zeiten standen die Waidhofen im Jahr 1945 gegenüber. Stadtchronist Erwin Pöppl verwendet in der Stadtchronik öfter den Begriff Chaos. Geschäfte wurden geplündert, einige wenige von der Stadt engagierte Ordnungshüter konnten der Lage kaum Herr werden, während die Stadtregierung selbst damit beschäftigt war, zumindest die Stromversorgung wiederherzustellen. Doch es ging aufwärts. Das Jahr 1955 war in Waidhofen von einer besonderen Stimmung geprägt. "Am 12. November feiert Waidhofen die Befreiung mit einem Fackelzug durch die Hauptstraßen zum Hauptplatz. Pfarrkirche, Rathaus und die Pestsäule sind beleuchtet und die Bürger befällt ein neues Gefühl als freie Menschen in einem freien Land zu leben", so Pöppl.

Der Backofenprozess

Bis heute ist die Geschichte der "Hexe von Pyhra" bekannt. Der so genannte Backofenprozess brachte Waidhofen in die österreichweiten Schlagzeilen. Die 43-jährige Angela Ondracek wurde angeklagt ihre 81-jährige Schwiegermutter Maria Ondracek erschlagen, im Backofen verbrannt und die Asche im Garten vergraben zu haben. Das Urteil lautete auf lebenslangen schweren, durch hartes Lager vierteljährlich verschärften Kerker. Der Prozess stellte 1960 die Post- und Telegrafenämter vor gewaltige Herausforderungen, so groß war das Interesse um eine schnelle Nachrichtenübermittlung zu ermöglichen.

Das Jahr 1978 mag wenig spektakulär wirken, hat aber große Auswirkungen auf den Verkehr im Bezirk Waidhofen. Es wird nämlich die um 83 Millionen Schilling gebaute, 5,5 Kilometer lange Nordumfahrung der Stadt eröffnet. Damit erhält die "neuböhmische Straße", erbaut 1826 bis 1829, von Göpfritz über Waidhofen bis Neuhaus eine neue Qualität und der Stadtkern wird endlich entlastet.

Das Jahr 1989 - und Waidhofen mitten drin

Einen Meilenstein für den Bezirk Waidhofen bewirkte das Ende des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989. Waren die Grenzgebiete früher das Ende der freien Welt, befinden wir uns nun genau in der Mitte Europas. Anfangs merkten die Waidhofner aber noch nicht viel von der Öffnung der Grenze: Plötzlich tauchten Autos der Marke Skoda in den chronisch überfüllten Straßen auf und viele Österreicher nutzten ihre materielle Überlegenheit um günstig beim Nachbarn einzukaufen. Plötzlich steigt die Nachfrage nach Tschechisch-Kursen an und die Rufe einen Grenzübergang im Bezirk nach Tschechien zu öffnen, werden immer lauter. Das Interesse der Waidhofner war jedenfalls enorm: plötzlich musste die Bezirkshauptmannschaft 2.570 Reisepässe ausstellen - fast zehnmal mehr als üblich.

2006: Das Katastrophenjahr

Das Jahr 2006 wird den meisten Menschen im Bezirk noch in deutlicher Erinnerung sein. Es war das Jahr gleich zweier verheerender Hochwässer. Im März 2006 erreichte die Thaya bei Raabs einen 100-jährlichen Pegel - nur um drei Monate stärker noch verheerender zurückzukehren. Das Besondere an diesem Hochwasser war die Geschwindigkeit des Pegelanstieges nach den Niederschlägen am 29. Juni vor allem im Einzugsgebiet der Mährischen Thaya. So fielen bei der Messstelle Hardegg innerhalb von 24 Stunden 190 mm Niederschlag. Durch diese hohen Niederschläge stieg der Pegel der Thaya bis zu 5 Meter innerhalb kurzer Zeit am 30. Juni 2006. In Raabs war der Hauptplatz innerhalb von zwei Stunden einen Meter unter Wasser. Die Wassermengen waren größer als jene beim Hochwasser 2002. Allein in Raabs waren über 1.000 Katastrophenhelfer im Einsatz. Die Nachwirkungen sind im Bezirk bis heute zu spüren. 12 Jahre später wird immer noch an millionenschweren Hochwasserschutzprojekten gearbeitet.

2014: Europaweit in den Schlagzeilen

Europaweit in die Schlagzeilen geriet Hollenbach im Jahr 2014. Rund 60 Mitglieder (erste Annahmen gingen von rund 200 Staatsgegnern aus) einer staatsfeindlichen Verbindung hatten sich in einem Bauernhof verschanzt und wollten ihren eigenen Gerichtshof etablieren, eine Sachwalterin entführen und ein Urteil über sie sprechen. Die Polizei löste die Versammlung auf, die Rädelsführer sind mittlerweile verurteilt und zum Teil in Haft, bzw. wurden in ihre Heimatländer abgeschoben. Das Ereignis ist insofern prägend, als es das bis dahin größte Auftreten einer staatsfeindlichen Gruppe in Europa war. Seitdem beschäftigt die Behörden das Thema nicht mehr nur in Österreich, wie die "Reichsbürger" in Deutschland beweisen.

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