Bahnfans wollen Baumaschinen stoppen
- Kundgebung: Die Bahn-Aktivisten wollen den Abriss so lange wie möglich verzögern.
- hochgeladen von Peter Zellinger
Verzögerung bis nächstes Jahr geplant - Arbeiten wurden bis Montag ausgesetzt
FRATRES. "Anno 1902" steht auf den Gleisen inmitten eines idyllischen Wäldchens bei Fratres. Die Aufschrift ist nur deshalb gut lesbar, weil die Schienen bereits entfernt wurden und fein säuberlich gestapelt auf ihren Abtransport warten - schließlich sollen die Einnahmen aus dem Verkauf einen Teil der Kosten für den Radweg decken. Etwa 200 Meter der historischen Bahntrasse wurden seit Montag entfernt. Als jedoch der Verein Neue Thayatalbahn eine Protestkundgebung gegen die Zerstörung ankündigte, wurden eilig die Bagger weggeschafft - offenbar will man es nicht auf eine Konfrontation ankommen lassen. Damit war auch die ebenfalls anwesende Polizei nicht zum Einschreiten gezwungen. Der Protest lief völlig friedlich. Die Abrissarbeiten ruhten bis diesen Montag.
Ein Erfolg für die Bahn-Aktivisten, wie Ökonom Josef Baum nicht ohne Stolz erklärt: Schließlich habe man den Abriss einige Tage verzögern können. Das ist auch das neue erklärte Ziel des Vereins Neue Thayatalbahn: "Wir wollen Widerstand leisten. Wir werden die Gewalt blockieren, wenden aber selbst keine Gewalt an", erklärt Baum die neue Taktik. Ziel sei, den Abriss möglichst bis nächstes Jahr hinauszuzögern. Dazu will man "flexiblen Widerstand" leisten, erklärt Baum. Immer wieder wollen die Aktivisten den Abriss stören - notfalls in einer Überraschungsaktion in den zahlreichen Wäldern.
Egon Schmidt kündigte an den Verein Neue Thayatalbahn neu aufzustellen - schließlich gebe es ja die Thayatalbahn in diesem Sinn nicht mehr. Man wolle sich inhaltlich verbreitern - mit neuen Gesichtern und einem neuen Namen, erklärte der Bahn-Streiter bei der Protestaktion in Fratres. Nach 20 Jahren ist der Verein Neue Thayatalbahn damit Geschichte.
"Es ist eine Schande!" sagt auch Landtagsabgeordnete Amrita Enzinger (Grüne), die ebenfalls auf der Trasse demonstrierte. "Es ist unverständlich, dass Schienen aus einer Trasse gerissen werden, wo die Bevölkerung gut ausgebauten und leistbaren öffentlichen Verkehr braucht. Was hier passiert ist sehr kurzfristig gedacht. Hier wird bestehende Infrastruktur mutwillig zerstört."
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