Kongress in Wien
Die Palliativmedizin zwischen Hoffnung und Tabu
- Die Konfrontation mit dem Tod fällt den meisten Menschen nicht leicht.
- Foto: National Cancer Institute/unsplash
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Die palliativmedizinische Betreuung nimmt einen zentralen Stellenwert ein – doch der Umgang mit dem Tod ist häufig noch ein Tabuthema. Vom 28. bis 30 September findet in Wien nun ein Kongress zum Thema statt.
WIEN. Dem Tod ins Auge blicken – das ist wohl für keinen Menschen leicht und doch unausweichlich. Wenn sich nun allerdings der Ende des Lebensweges abzeichnet, ist der richtige Umgang für Betroffene und Angehörige essenziell. Hier setzt die Palliativmedizin an und möchte Menschen mit unheilbaren Erkrankungen die verbleibende Lebenszeit erleichtern. Im Vordergrund steht den letzten verbliebenen Tagen mehr Lebensqualität zu geben.
Bis zu 18.000 Menschen pro Jahr brauchen in Österreich eine spezialisierte palliativmedizinische Betreuung. Vor allem ältere Personen und Menschen mit Krebs-Erkrankungen sind davon betroffen. Im Zuge des neuen Sterbeverfügungsgesetzes das seit Jahresanfang in Kraft ist, rückte auch die Palliativmedizin vermehrt in den Fokus.
Immer noch ein Tabuthema
Palliative Care ist dabei mehr als Medizin, verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und will vor allem eines, die Lebensqualität der Betroffenen so lang und hoch wie möglich zu halten. Darüber und über weitere Möglichkeiten der Pflege und Altenarbeit tauschen sich vom 28. bis 30. September Mediziner und Experten beim CARE 4.0-Kongress im Vienna International Center aus.
- Eva Masel, Leiterin der Klinischen Abteilung für Palliativmedizin an der MedUni Wien.
- Foto: MedUni Wien, Feelimage
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„Alljährlich sterben in Österreich an die 90.000 Menschen. Etwa zehn bis zwanzig Prozent von ihnen, also zwischen 9.000 und 18.000 Menschen, brauchen eine spezialisierte palliativmedizinische Betreuung“, so Eva Masel, Leiterin der Klinischen Abteilung für Palliativmedizin, Vorstandsmitglied der Österreichischen Palliativgesellschaft und Referentin beim CARE 4.0-Kongress.
„Leider ist der Tod – und damit die Palliativversorgung – für viele noch immer ein Tabuthema. Über das Sterben zu reden, hat jedoch noch niemanden umgebracht und genau das ist wichtig, um auch in den letzten Tagen die Lebensqualität so hoch wie möglich zu gestalten und das Lebensende nicht dem Zufall zu überlassen,“ betont Masel.
Neue Herausforderungen
Doch mit dem neuen Sterbeverfügungsgesetz, das seit Anfang des Jahres in Österreich in Kraft ist, steigt auch die Verunsicherung in der Bevölkerung über die Rolle der Palliativmediziner und auch die Palliativmediziner sind auf mehreren Ebenen – medizinisch, ethisch und persönlich – vor Herausforderungen gestellt, auch in Wien.
Unter Palliative Care versteht man die palliative Versorgung durch ein Team, das aus verschiedenen Berufsgruppen besteht und es sich zum Ziel gesetzt hat, die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten, die mit einer unheilbaren, lebensbedrohlichen Erkrankung leben, so hoch wie möglich zu gestalten. Hier arbeiten Diätologen, Sozialarbeiter, Physiotherapeuten, Psychologen, Seelsorger, Ärzte und Pflegepersonal eng zusammen.
- Die letzten Tage mit Lebensqualität füllen – das ist das Ziel der Palliativmedizin.
- Foto: Dominik Lange/unsplash
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„Seit ich im Palliativbereich arbeite, habe ich gesehen, dass es einen Weg aus schwerem Leiden gibt. Das hat meine Einstellung geprägt und dem möchte ich mich als Ärztin weiterhin widmen. In einem Palliativteam arbeiten wir ganzheitlich und konzentrieren uns nicht nur auf die körperliche, sondern auch auf psychologische, soziale, spirituelle oder existenzielle Aspekte. Wichtig dabei ist, auch die An- und Zugehörigen aktiv mit einzubeziehen“, erklärt Masel.
Ein Meilenstein wurde erreicht
Ein Meilenstein gelang 2020 mit der Erarbeitung einer im Internet frei abrufbaren Leitlinie Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung. Das ist besonders wichtig, denn der Anteil an Palliativpatienten mit onkologischen Erkrankungen liegt zwischen 72 und 88 Prozent aller Palliativpatienten. Zudem wird viel an symptomlindernden Medikamenten geforscht. Nicht nur mit der Onkologie, sondern auch mit der Geriatrie wird sehr eng zusammengearbeitet, denn das Durchschnittsalter der Hospiz- und Palliativpatienten liegt zwischen 69 und 76 Jahren.
„Jeder, der selbst bei An- und Zugehörigen betroffen war, weiß, wie wesentlich Information ist. Viele sind in der Situation überfordert, da sie nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Daher ist es wichtig, Menschen rechtzeitig darüber aufzuklären, dass sie Hilfe benötigen werden, sie zu informieren, wo sie Hilfe finden und dass sie auch gut beraten wären, diese frühzeitig anzunehmen“, so Masel.
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