"Wie aus dem Nichts"
Äußerst seltener Mega-Blitz schlug im Süden Wiens ein
- In der Nacht auf Mittwoch kam es zu einer großen Entladung in Form eines Blitzes, die weithin sicht- und wahrnehmbar war. (Symbolbild)
- Foto: Michał Mancewicz/Unsplash
- hochgeladen von Johannes Reiterits
Wien wurde in der Nacht auf Mittwoch Zeuge eines seltenen Phänomens. Wie GeoSphere Austria bestätigt, schlug ein äußerst starker Blitz in der Gegend Oberlaa ein. Laut Blitzortungssystem Aldis war er der einzige Blitz, der in der Hauptstadt direkt einschlug und kam damit laut einem Unwetterforscher "buchstäblich wie aus dem Nichts".
WIEN/FAVORITEN. Es ist ein ungeschriebenes Naturgesetz, das jedes Kind kennt: Bei einem Gewitter kommt zunächst meist der Regen als Vorbote, dann der Blitz, dann der Donner. Doch kurz vor Mitternacht in der Nacht auf Mittwoch wurden zahlreiche Wienerinnen und Wiener von einem Blitz regelrecht geblendet, der seinesgleichen sucht.
Laut dem Blitzortungsradar-Daten von Kachelmannwetter ereignete sich um 23.58 Uhr eine äußerst starke Entladung im Bereich des Kurpark Oberlaas. Auf Reddit berichten User aus verschiedenen Bezirken daraufhin: "Mich hat der grelle Blitz so verwirrt, ich dachte kurz vorm Fenster hockt ein Paparazzi" oder auch "Ich dachte jemand steht mit einer Kamera auf meiner Terrasse, ich war so verwirrt".
- Die Blitzendladung: Laut Kachelmannwette ist der einzelne Blitz im Süden Wiens, markiert mit dem weißen Plus, zu sehen.
- Foto: Kachelmannwetter.com
- hochgeladen von Johannes Reiterits
Ein anderer sah von Simmering aus einen "extrem hellen Blitz. Ich war echt verwirrt, weil so hell und aus dem Nichts. Dann lauter Donner, aber kein Regen" Und selbst ein MeinBezirk-Leser aus dem doch weiter entfernten 2. Bezirk schildert, dass es kurz vor 24 Uhr plötzlich taghell draußen wurde. Regen oder ein Gewitter war nicht in Sicht.
Nicht Mal 0,8 Prozent sind so stark
Der Gewitter- und Unwetterforscher Georg Pistotnik von GeoSphere wurde selbst am Weg durch die Stadt "regelrecht geblendet". Er bestätigt, dass es sich um einen einzelnen Blitz gehandelt hat, der da einschlug. Laut seinen Daten war der Gewitterabend am Mittwoch generell recht einzigartig: Nur wenige 30 Entladungen zählte man in ganz Österreich, weit verstreute und auch zeitlich oft weit auseinanderliegend. Einer der Blitze ging eben direkt in Wien runter.
Und der hatte es in sich: "Gerade bei dem Gewitter, das ab Mitternacht von Wien Richtung Neusiedler See zog, waren gleich fünf Blitze über 200 kA (Anm. Red.: Kiloampere) dabei. Der besagte Blitz in Wien war der erste und stärkste und hatte eine Stromstärke von 284 kA. Er kam also buchstäblich wie aus dem Nichts", so Pistotnik.
- Gewitter gibt es immer wieder, auch in Wien. Eine solch starke Entladung wie in der Nacht auf Mittwoch ist jedoch äußerst selten.
- hochgeladen von Martin Jordan
Kiloampere ist die Einheit für die elektrische Stromstärke. Bei Blitzen ist diese bekanntlich recht hoch, doch solche Werte sind alles andere als gewöhnlich: "Die meisten Gewitter bringen sonst meist hunderte, mitunter sogar tausende Blitze hervor. Stromstärken über 100 kA sind selten, nur etwa 0.2 Prozent aller negativen und etwa 0.8 Prozent aller positiven Blitze überschreiten diesen Schwellwert", weiß Pistotnik.
Bis zu zehn Kilometer von Wolke entfernt
Um diese unglaubliche Stromstärke von 284 kA irgendwie vergleichbar zu machen, muss man kreativ werden. Der Strom aus der Haushaltssteckdose hat meist 0,016 kA, die Oberleitung der ÖBB führt maximal 1 kA. Einzelne, spezielle Schweißanlagen können zumindest schon mal Stromstärken von 30 kA aufweisen, jedoch fließen nur für Sekundenbruchteile solche Stärken durch die Geräte. Über 100 kA findet man dann eher bei hochintensiven Anlagen in der Industrie.
Übrigens: Die Wahrnehmung, dass es kurz vor dem Mega-Blitzeinschlag nicht geregnet hätte, stimmt nicht ganz. So zeigen Daten, dass es gerade über dem Westen und Liesing vorher starke Niederschläge gab.
Von dort könnte auch der Blitz stammen: "Einzelne Blitze (insbesondere positive) können durchaus bis zu zehn Kilometer von einer Gewitterwolke entfernt einschlagen - daher stammt auch die Empfehlung, dass man im Freien Schutz suchen soll, sobald der Abstand zwischen Blitz und Donner unter 30 Sekunden fällt, um eine vollständige Sicherheit zu haben (das entspricht diesen zehn km Entfernung)", so Pistotnik.
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