Debatte in Wien
Viele Bewerber ungeeignet, Polizeidirektor kritisiert "Kirchturmdenken"

Seit Jahren fordern einige Bezirksvorsteher mehr Polizisten für ihre Bezirke in Wien, heuer wurden die Aktionen dazu mit Petitionen intensiviert.  | Foto: MeinBezirk Perg
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Seit Jahren fordern einige Bezirksvorsteher mehr Polizisten für ihre Bezirke in Wien, heuer wurden die Aktionen dazu mit Petitionen intensiviert. Nun gibt es Zahlen vom Innenministerium, die zeigen, dass sich sehr viele für den Job bewerben, die dafür nicht geeignet sind. Deshalb gibt es vom Bundespolizeidirektor Takàcs Kritik sowie ein Appell.

ÖSTERREICH/WIEN. Es ist ein immer wiederkehrendes Thema in Wien: in vielen Bezirken fehlt es an Polizistinnen und Polizisten und von der Bundesregierung verlangt man klare Maßnahmen. Heuer tourte etwa Favoriten-Bezirksvorsteher Marcus Franz durch die Bezirke, um Unterschriften für eine parlamentarische Petition gegen die „unfaire“ Polizeiverteilung in Österreich und in Wien zu sammeln. Denn in Österreich gibt es pro 100.000 Einwohner durchschnittlich 333 Polizisten, in Favoriten mit 223.190 Einwohnern nur 319. Siehe unten mehr.

Nun hat sich dazu in einer Aussendung Bundespolizeidirektor Michael Takàcs relativ deutlich geäußert. Moderne Polizeiarbeit bedeute, flexibel auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren, Personal und Einsatzmittel dort einzusetzen, wo sie benötigt werden, und konsequent in Ausrüstung, Ausbildung und Nachwuchs zu investieren: „Das Kirchturmdenken gehört der Vergangenheit an. Flexibilität und Beweglichkeit sind heute wesentliche Grundsätze moderner Polizeiarbeit.“

Wien: 200 Ausbildungsplätze nicht zur Gänze besetzt

Laut dem Innenministerium konnten 2025 die Bewerbungen für den Polizeiberuf kontinuierlich gesteigert werden. Für den kommenden Aufnahmetermin im September liegen österreichweit rund 3.900 Bewerbungen vor, im September 2022 waren es noch 1.600. Für die Bewerbenden stehen 570 Plätze zur Verfügung, etwa die Hälfte davon in Wien.

Bundespolizeidirektor Michael Takàcs kritisierte in einer Aussendung die jüngsten Petitionen von Wiener Bezirksvorstehern. (Archiv) | Foto: Max Spitzauer/MeinBezirk
  • Bundespolizeidirektor Michael Takàcs kritisierte in einer Aussendung die jüngsten Petitionen von Wiener Bezirksvorstehern. (Archiv)
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Eine „besondere Herausforderung“ stelle Wien dar, denn die zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätze konnten in der Vergangenheit oftmals nicht mit geeigneten Bewerbenden besetzt werden. Für den September-Termin haben sich 900 Personen beworben, jedoch werden die zur Verfügung stehenden 200 Ausbildungsplätze nicht zur Gänze besetzt werden können.

Über Aktionen der Bezirksvorsteher sagt Takàcs: „Mein Appell an all jene, die sich mehr Polizisten in Wien wünschen: Motivieren sie Menschen, die sie für geeignet für den Beruf des Polizisten halten! Politische Arbeit, aber auch die Tätigkeit der Personalvertreter, erfordern konstruktives Handeln für die Gesellschaft und vor allem Verantwortung. Weder Unterschriftenlisten, noch Pappmodelle werden mehr Polizisten für Wien bringen.“

Beamte aus anderen Bundesländern in Wien

Zuletzt berichtete MeinBezirk, dass aufgrund der Jugendkriminalität Polizisten aus anderen Bundesländern für bis zu drei Monate in der Hauptstadt eingeteilt werden (mehr dazu unten). Beamte aus anderen Bundesländern werden laut Innenministerium auch regelmäßig bei Großevents, Fußballspielen, Demos oder internationalen Ereignissen in Wien eingesetzt

Nur im Vorjahr wurden 35 Spiele der Fußball-Bundesliga sowie 12.600 Veranstaltungen (darunter 300 Großevents) in der Hauptstadt polizeilich begleitet. Doch auch Wiener Polizisten unterstützen ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen Teilen des Landes, etwa beim Nova Rock in Nickelsdorf, bei Bundesliga-Spielen in der Steiermark oder bei der Ski-WM in Saalbach-Hinterglemm.

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Seit Jahren fordern einige Bezirksvorsteher mehr Polizisten für ihre Bezirke in Wien, heuer wurden die Aktionen dazu mit Petitionen intensiviert.  | Foto: MeinBezirk Perg
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Bundespolizeidirektor Michael Takàcs kritisierte in einer Aussendung die jüngsten Petitionen von Wiener Bezirksvorstehern. (Archiv) | Foto: Max Spitzauer/MeinBezirk
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