08.06.2016, 07:59 Uhr

Sepp Loibner steht für gelebte, steirisch-slowenische Kontakte

Josef Loibner mit dem Bundes-Ehrenzeichen flankiert von Vize-Bgm. Alfred Rauch (l.) und Ortsteil-Bürgermeister Erich Wechtitsch.

Josef Loibner ist mit dem Bundes-Ehrenzeichen für seine slowenisch-steirischen Kontakte und grenzüberschreitenden Projekte ausgezeichnet worden.

EIBISWALD. In der Vorwoche ist Sepp Loibner aus Kleinradl/Eibiswald im Weißen Saal der Grazer Burg mit dem „Bundes-Ehrenzeichen″ von LH Hermann Schützenhöfer und LT-Präs. Bettina Vollath ausgezeichnet worden. Tags darauf hat die WOCHE Deutschlandsberg gemeinsam mit Vize-Bgm. Alfred Rauch und Ortsteil-Bgm. Erich Wechtitsch den rüstigen Pensionisten in seinem Heimathaus vlg. Pölzl besucht.

Sie sind ein echter Kleinradler?
Ja, ich bin hier in diesem Haus auf die Welt gekommen - und schauen Sie, dort drüben ist die Volksschule, die in der Kriegszeit geschlossen worden ist. Dann musste ich den weiten Weg nach Eibiwald zum Schulunterricht - dabei haben mich die Eltern so dringend zum Arbeiten gebraucht.

LH Hermann Schützenhöfer hat Ihnen das Bundes-Ehrenzeichen für Ihre diplomatischen Kontakte zu Slowenien verliehen, wie war die Stimmung?
Es war ein schöner, feierlicher Akt. Ich war sehr überrascht, dass ich in diesem Alter noch eine Auszeichnung erhalte.

Sie waren 30 Jahre im Gemeinderat aktiv, davon zehn Jahre als Vizebürgermeister, wie kam es zu den ersten Berührungen?
Der damalige Bürgermeister von Kleinradl, der Franz Hochnegger, hatte kein Auto - ich schon. Deshalb habe ich ihn des öfteren zum Landeshauptmann zu den Sprechtagen in Gasselsdorf chauffiert. Damals war gerade eine Straße in Arbeit, aber der Gemeinde Kleinradl ist das Geld ausgegangen. Es ging um 150.000 Schilling. LH Josef Krainer hat gesagt: 80.000 Schilling sind bewilligt und jetzt schaut's, dass ihr weiter kommts....

Apropos Straßenbau, was hat es mit der Pongratzenstraße auf sich, die 2008 auf Ihre Initiative eröffnet worden ist?
Es gab nur eine Sackstraße und ich musste daher einen Umweg von 40 km ins Drautal runter in Kauf nehmen, um ein Grundstück an der Grenze zu erreichen. Deshalb waren mir die 800 Meter als direkte Verbindungsstraße sehr wichtig. Auch die Slowenen waren an dieser Verbindung interessiert. Die Einbindung ist ja genau an der Bezirksgrenze von Deutschlandsberg zu Leibnitz, beim 46er Grenzstein, wo langwierige Gespräche mit Vertretern des Innen- und Außenministeriums und des Finanzministeriums stattgefunden haben. Aber ich hab nicht locker gelassen. Die Grenz-Öffnung und die EU-Förderung haben Bgm. Alfred Rauch und mir sicher zugespielt. Ich musste für diese Straße sogar eine Hose opfern.

Wieso das?
Ich war mit dem Landesbaudirektor Hasewend unterwegs in Graz zur EU-Abteilung, der ja auch so ein großer Lotter wie ich ist. Wir haben uns so intensiv unterthalten, dass ich eine Säule übersehen habe und mir ein ganzes Hosenbein aufgerissen habe - na, das war ein G'lachter, als ich so in das EU-Büro gekommen bin. Mann muss halt Opfer bringen, damit was weiter geht (schmunzelt).

Wie kam es zu Ihren intensiven Kontakten mit Slowenien?
Das geht weit zurück, als ich Leute für die Qualitätskontrolle in den Forstgärten gesucht habe. Dabei habe ich über meine bereits bestehenden Kontakte auch Forstleute aus Slowenien zu Hilfe geholt - und kennen gelernt.

Als weitere Begründung für die Bundes-Auszeichnung ist die Errichtung der Hubertus-Kapelle mit der Kleinradler Jägerschaft angeführt. Wie kam's?
Es gab eine uralte, steirisch slowenische Wallfahrtskirche in St. Pongratzen auf 900 m Seehöhe, in der ich 1944 noch die letzten Messfeiern erlebt habe, bevor nach Kreigsende die Partisanen die Kirche als Pferdestall benutzt haben - das Gotteshaus und die Umgangskapelle sind verfallen. Mitte der 60-er Jahre wurden Wallfahrten sechs mal jährlich erwirkt. Da die Umgangskapelle auf steirischer Seite nur noch ein Schutthaufen war, hat die Jägerschaft von Kleinradl diese als Hubertuskapelle wieder aufgebaut, das war 1983. Die Zollschaft Oberhaag und ich haben slowenische Jäger zur Einweihungsfeier eingeladen - 25 sind in ihrer Jäger-Uniform gekommen, das war richtig festlich und eine große Freude.
Seit 1983 findet jeden ersten Sonntag im September eine gemeinsame Prozession von der Pongrtzenkirche zur Hubertuskapelle statt.

Und was hat es mit dem Turm auf sich?
Die Idee war, den Kirchturm als Aussichtswarte zu nutzen, was mit Hilfe eines EU-Förderprogrammes auch umgesetzt worden ist. Dabei wurde der Strom in die Kirche eingeleitet und vom Dach bis zu den Grundmauern saniert - dafür haben Franz Hochnegger und ich 13.000 Euro an Spendengeld gesammelt. 2014 wurde die Kirche eingeweiht und im Jahr 2015 hat die Gemeinde Radlje eine Orgel gespendet.

Sie haben mit dem ORF-Moderator Sepp Loibner einen sehr prominenten Namensvetter, sind sie mit ihm bekannt?
Natürlich, ich war sogar schon sein Studiogast im ORF Landesstudio - und seinen Vater kenne ich auch ganz gut.

Zum Lebenslauf

Sepp Loibner ist am 9. März 1934 in Kleinradl geboren. Nach der Schulzeit in Eibiswald wäre er gerne Maurer geworden, hat aber mangels einer Lehrstelle in Vorarlberg mit Holzarbeiten und dem Brückenbau Geld verdient, bevor er die Forstschule in Pichl besucht hat und zu Hause in den Forstdienst eingetregen ist. In diesen 38 Jahren entstanden die Kontakte und freundschaften zu den Förstern an der Grenze zum damaligen Jugoslawien, was für seine grenzüberschreitenden Aktivitäten ausschlaggebend war.
Die ersten Berührungen mit der Gemeinde enstanden in den 60er Jahren.
Nach der damaligen Fusionierung 1969 wurde Loibner Gemeinderat und Telefonbauobmann, um das Telefonnetz im Grenzland aufzubauen. Auch die Trinkwasserversorgung in Kleinradl und Wuggitz lag in seinem Aufgabenbereich. insgesamt war Loibner 30 Jahre Gemeinderat, davon zehn Jahre Vizebürgermeister.
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