05.04.2016, 10:55 Uhr

"Hilfe, mein Kind nimmt mich nicht ernst": Tipps vom Psychologen

Was tun, wenn Ihr Kind nicht auf Sie hört? (Foto: Bilderbox.com)

Sie schimpfen und schimpfen … und Ihr Kind folgt nicht? Der Psychologe
Dr. Streit erklärt, wie Sie sich mehr Autorität verschaffen.

„Räum deine Sachen weg!“, „Mach deine Aufgabe!“ … Sie reden den ganzen Tag und Ihr Kind hört einfach nicht auf Sie?
So wie Ihnen geht es vielen Eltern. Ihr „Nein“ wird kaum gehört. Warum? Wir haben eine Kultur der „Nein-Bläschen“ installiert. Ein Beispiel: Ihr Kind spielt um 20 Uhr Computer. Sie sagen: „Schalte den Computer aus.“ Ihr Kind: „Nein.“ Sie: „Ausschalten!“ Ihr Kind: „Nein.“ So beginnt eine Diskussion, Sie greifen zum Computer und schalten aus. Ihr Kind schreit, Sie schreien zurück.

"Nein, nein, nein …"
Das, was Eltern so produzieren, sind „Nein-Bläschen“: Ihr Kind weiß, dass es bei den ersten fünf „Nein“, nicht reagieren muss. Dann folgt eine Auseinandersetzung. Hält es Sie in einer Diskussion, geschieht nichts. Denn so lange Sie diskutieren, tun Sie nichts.
So werden Sie hilflos, vor allem, wenn Sie sich zu Eskalationen hinreißen lassen und Ihnen Ihre Reaktionen dann Leid tun.
Stattdessen gilt es, einen „Nein-Anker“ zu setzen. Das ist ein Nein, das Gewicht hat.

Ruhig und konsequent sein
Dabei muss nicht sofort das passieren, was Sie wollen. Ein Nein-Anker wirkt beharrlich und über die Zeit. Das Wichtigste: Sie sagen kontrolliert „Nein“ und widerstehen der Versuchung auszurasten. Das gibt Ihrem Nein Gewicht. Den Nein-Anker sollte man nur bei wichtigen Dingen, maximal einmal pro Woche nutzen.
Wie etablieren Sie nun einen Nein-Anker? Am Beispiel des Computers: Wenn Ihr Kind den Computer nicht abschaltet, können Sie erst am nächsten Tag in ruhigem Ton sagen: „Wir, dein Vater und ich, haben die Sache mit dem Computer besprochen und beschlossen, dass das nicht so weitergeht. Wir werden uns deinem Computerspielen widersetzen und uns geeignete Schritte ausdenken.“
Wenn Ihr Kind den Computer nicht zum Vereinbarten Zeitpunkt abschaltet, können sie ihn für mehrere Tag sperren. Machen Sie dies offen, sagen Sie: „Heute ist der Computer gesperrt.“ Sie können auch das Modem entfernen und sagen: „Dein Vater hat es in die Arbeit mitgenommen.“

Das Kind einbinden
Das Kind wird möglicherweise rebellieren. Dann können Sie sagen: „Wir wissen, dass das eine Herausforderung ist. Du wirst Ideen haben, wie das zu lösen ist. Wir unterstützen dich gerne dabei.“
Das Kind merkt dann, dass Sie es ernst meinen und auch, dass Sie es, Ihr Kind, ernst nehmen.
Wenn Sie Nein-Anker sparsam, aber regelmäßig anwenden, bekommen auch Nein-Bläschen Gewicht. Weitere Tipps dazu lesen Sie rechts.

Sieben Tipps: So verschaffen Sie sich Autorität

1. Legen Sie für die Erziehug klare Rahmenbedingungen fest: Was passiert am Morgen, was am Abend?
Vertreten Sie dies klar und souverän. Bleiben Sie dabei.
2. Nicht jedes Nein muss sofort umgesetzt werden. Es ist gut, wenn es gelingt, wichtiger aber ist, dass Ihr Kind die Regeln kennt.
3. Wenn Sie Nein sagen, tun Sie es ruhig und überlegt und nicht mit vielen Worten. Ihr Kind soll merken, dass Sie es ernst meinen.
4. Organisieren Sie sich Unterstützung. Ein gemeinsames Nein ist stärker als ein einsames Nein.
5. Wenn Sie Verbote aussprechen, dann ruhig und überlegt. Im Affekt können Machtkämpfe entstehen.
6. Setzen Sie bei Problemlösungen auf Ihr Kind. Signalisieren Sie: „Komm mit deinen Ideen und wir finden eine Lösung.“ Vorschläge, die vom Kind kommen, können dauerhafter sein, als von Erwachsenen auferlegte Zwänge.
7. Behalten Sie stets die Beziehung zu Ihrem Kind im Auge und vermitteln Sie: „Du bist mir wichtig.“

DER EXPERTE
Dr. Philip Streit
ist Psychologe, Psychotherapeut sowie Lebens- und Sozialberater. Er leitet das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz.
Jede Woche beantwortet er eine Frage zu Erziehung und Beziehung. Die Adresse dafür: elisabeth.poetler@woche.at
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