09.06.2016, 10:45 Uhr

Joanneum-Boss Muchitsch: "Wollen uns keine Elite heranzüchten"

Zweifellos schön, aber auch heiß diskutiert: das Joanneumsviertel im Herzen von Graz. (Foto: geopho.com)

Großes Echo auf die letztwöchige WOCHE-Story über FPÖ-Kritik am Universalmuseum Joanneum.

"In der Kritik" – unsere letztwöchige Cover-Story über die FPÖ-Kritik am Universalmuseum Joanneum wirbelte viel Staub auf. Das merkt man auch an der Flut an Leserbriefen, die bei uns eingegangen ist. Am Dienstag war die WOCHE-Geschichte sogar Thema im Landtag, wo die Freiheitlichen eine "Dringliche Anfrage" zu angeblichen Missständen im Joanneum einbrachten und Kulturlandesrat Christian Buchmann mit insgesamt 30 Fragen konfrontierten.
Eine Art von "Publicity", auf die man beim steirischen Museumsflaggschiff natürlich gerne verzichtet hätte. "Vor allem geht es mir um die mehr als 400 Mitarbeiter, die täglich alles tun, damit unser Museum an zwölf Standorten auch in Zukunft so erfolgreich ist, wie jetzt. Es ist sehr schade, dass ihre Arbeit aufgrund von politischen Befindlichkeiten und Geschäftemacherei nicht gewürdigt wird", stellt sich Joanneum-Boss Wolfgang Muchitsch vor sein Team.


Laibach, Aachen & Co.

Speziell die Vergleiche mit dem Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museum in Wien stoßen dem Direktor auf. "Es ist zwar schön, mit Bundesmuseen verglichen zu werden – doch wir sind ein Landesmuseum. Dazu hat Wien ganz andere Voraussetzungen als wir in Graz – deshalb hinkt dieser Vergleich gewaltig. Unsere Benchmarks sind Städte wie Aachen, Gent oder Laibach. Und da brauchen wir den Vergleich sicher nicht zu scheuen."
Auch die Kritik, wonach das Universalmuseum (mit Kunsthaus, Joanneumsviertel …) jährlich mit einem (öffentlichen) Millionenregen überschüttet werden, wischt Muchitsch vom Tisch. "Im Gegenteil, wir sind das einzige Museum in Mitteleuropa, das es geschafft hat, eine Subventionskürzung von 20 Prozent erfolgreich zu verkraften, ohne dass das Leistungsprogramm und die Besucherzahlen darunter gelitten hätten. Außerdem haben wir 2015 so viele Erlöse aus Eintrittskarten lukrieren können, wie überhaupt noch nie."
Kein Hehl macht Muchitsch daraus, dass er das Joanneum künftig auf eine breitere Basis stellen will. "Wir wollen uns sicher keine Elite heranzüchten, sondern einen niederschwelligen Zugang zu Kunst und Kultur ermöglichen. Es wird etwa eine Pop-up Art-Ausstellung oder auch eine Schau mit Werken von Erwin Wurm geben." STOI
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