04.10.2016, 14:17 Uhr

Paten für Kinder, die es nicht so leicht haben ...

Kindern eine helfende Hand reichen – das soll mit dem Patenprojekt erreicht werden. (Foto: A. Lasevich/Fotolia)

Grazerinnen starten Projekt zur Unterstützung von Kindern mit psychisch kranken Eltern.

Es ist ein tragische, eine schwerst belastende Situation: Ein Elternteil leidet unter einer psychischen Erkrankung, meistens dreht es sich um die Mutter – für die Kinder eine Achterbahn der Gefühle: Wie ist die Mama heute drauf? Geht es ihr besser, geht es ihr schlechter? Eine permanente Unsicherheit für die Kinder, ein stetes Bangen und Zittern.

3.000 betroffene Kinder

Allein in Graz leben rund 3.000 Kinder in einer Familie mit einem erkrankten Elternteil, die Dunkelziffer dürfte noch weit höher sein. Und es ist ja nicht nur die seelische Last allein, psychische Erkrankungen führen häufig zu sozialer Armut, die Kinder sind so mehrfach belastet. An diesem Punkt wollen die beiden Grazerinnen Elke Merl (Verein "Miteinander leben") und Projektleiterin Tanja Kreinig ansetzen – und den einigen der so belasteten Kindern ein wenig Ruhe und Entlastung schenken: "In unserem Projekt werden Patenfamilien ausgebildet und einem psychisch belasteten Elternteil zur Seite gestellt", so die Initiatorinnen. Konkret sollen Kinder einmal in der Woche Zeit mit den Patenfamilien verbringen können, nach einer Gewöhnungsphase soll dann auch ein längerer Aufenthalt mit Übernachtung Teil des Angebots sein. Der Vorteil, so Merl: "Nach dem Aufenthalt kehrt das Kind wieder zu seiner Stammfamilie zurück. Die Erziehungskompetenz des betroffenen Elternteils wird gewahrt und das Vertrauen in gewachsene, stabile Bindungen gestärkt."

Sponsoren gesucht!

"Geplant sind circa 20 Patenfamilien, die ein oder mehrere Kinder unter 12 Jahren in einem Zeitraum von 20 Monaten begleiten", erläutert Kreinig. Danach findet eine Evaluation statt, um das Projekt anschließend für die gesamte Steiermark anbieten zu können. Besonders wichtig für das Projekt ist es einerseits, geeignete Patenfamilien zu finden, andererseits kämpfen Merl und Kreinig noch um die Finanzierung. Derzeit wird das Projekt zu 50 Prozent vom Fonds Gesundes Österreich gefördert. Die Stadt Graz hat ebenfalls Förderungen zugesagt, einzig das Land Steiermark hat alle Förderansuchen abgelehnt. "Deshalb suchen wir noch dringend Sponsoren, wir benötigen noch rund 40.000 Euro für die Durchführung des Projektes", so Merl. Ein Kampf, der sich hoffentlich lohnen wird. Denn derzeit sind leider die Kinder psychisch kranker Eltern später oft selbst Opfer einer solchen Erkrankung ...
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