WOCHE-Sommergespräche
"Meine Neugier hört nie auf"

70 Jahre Frank Peter Hofbauer: 1.900 Kunstwerke, 380 Ausstellungen und eine sattelfeste Meinung.
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  • 70 Jahre Frank Peter Hofbauer: 1.900 Kunstwerke, 380 Ausstellungen und eine sattelfeste Meinung.
  • Foto: Leonie Pototschnig
  • hochgeladen von Markus Hackl

Diesmal in unserer Serie "Sommergespräche" der Brucker Künstler Frank Peter Hofbauer.

Die 70 Jahre, die der Maler Frank Peter Hofbauer heuer im Mai gefeiert hat, sieht man ihm nicht an. Im WOCHE-Interview erzählt er über die kreative Kraft der Krise und über "einstürzende Altbauten".

Woran arbeiten Sie gerade?
FRANK PETER HOFBAUER: Ich habe soeben mein Corona-Bild "All over the world" fertiggestellt. Bei meinem ein Quadratmeter großen Ölbild umkreisen die tödlichen Viren den Erdball wie Geier ihre Beute. Giftiges Rot und Blau deuten ihre Gefahr an. Europa liegt bei meiner Erdkugel im Mittelpunkt, war es doch am Beginn der weltweiten Krise der absolute Hotspot. Ich habe für heuer auch schon zwei Ausstellungen fixiert: eine zur Corona-Kunst im Cowerk-Kindberg und eine im ARTSNest in Bruck am 7. Oktober.

Wie sehr beeinflusst so eine Krise wie jetzt, Corona, eigentlich das Wirken eines Malers? Schafft es mehr Kreativität oder hemmt es eher?
Alles was eine Gesellschaft verändert, ist eine Herausforderung für jeden Künstler. Seit 60 Jahren setze ich mich mit der Veränderung der Gesellschaft auseinander. Eigentlich zeigt jedes meiner 1.900 Bilder eine Form der Veränderung.
Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, Maler zu werden beziehungsweise wie früh sind Sie mit Kunst in Berührung gekommen?
Meine Eltern waren sehr kulturinteressiert, das hat mich schon geprägt. Auf Wunsch meines Vaters habe ich die HTL besucht, obwohl ich der "untechnischste" Mensch bin, den man sich nur vorstellen kann. Als Ausdruck des Rebellierens habe ich mit dem Zeichnen – Bleistift und Tusche – begonnen. Gefördert hat mich damals Rüdiger Mendel, Lehrer an der HTL. Er war es auch, der meine Ausstellung organisiert hat.

Von der Malerei zu leben, war nie eine Option?
Ich habe zwar viel verkauft, aber nur von der Kunst alleine zu leben, da habe ich mich nicht drübergetraut, ich hatte ja auch eine Familie zu ernähren. Außerdem macht man sich dadurch zu sehr von Galerien abhängig. Ich konnte Zeit meines Lebens immer das malen, was mich bewegt hat.

Wer hat Sie in frühen Jahren als Künstler beeinflusst?
Zweifellos die Surrealisten und die Fantastischen Realisten der Wiener Schule. Wobei es in meiner künstlerischen Laufbahn viele Richtungsänderungen gegeben hat. Ich nenne es Erweiterung des Horizonts und somit hat jeder Schwenk auch eine Veränderung meines Malstils gebracht.

Wer fasziniert Sie in der heutigen Zeit als Künstler?
Begeistert vom aktuellen Schaffen des Franz Wurm, aber auch die Performance eines Banksys fasziniert mich.

Sie haben fast schon auf der ganzen Welt ausgestellt. Wie wird man da am internationalen Kunstmarkt wahrgenommen?
Jetzt mit der Digitalisierung ist eine Vernetzung weitaus einfacher als noch vor vierzig Jahren. Damals wurde man eingeladen, Voraussetzung war ein gutes Netzwerk. Was mich stets beeindruckt hat bei meinen Ausstellungen im Ausland: Die zum Teil völlig andere Sicht auf Kunst wie hier in Europa."

Gab es jemals eine Form der Schaffenskrise?
Nein, nie! Wenn ich an einem Werk oder an einer Serie arbeite, dann habe ich schon den nächsten Zyklus im Hinterkopf. Ich habe eigentlich seit 1968 immer durchgehend gemalt. Vielleicht hilft es, weil man als Künstler eine andere Sicht der Dinge entwickelt. Diese Neugier hört nie auf.

Sie waren ja auch jahrelang als Kulturreferent in der Kommunalpolitik tätig. Was war so faszinierend an der Politik?
Ich habe immer schon Kulturveranstaltungen organisiert. Bernd Rosenberger hat mich angesprochen, ob ich nicht als Kulturreferent im Gemeinderat tätig sein will. Ich habe zugesagt, nur unter der Prämisse, nie Parteimitglied zu werden. Viele Neuerungen haben wir eingeführt. Das Kulturhaus wurde zum Beispiel als echtes Kulturhaus mit einer der größten Galerien des Landes etabliert. Es gab große Ausstellungen – Nitsch, Brauer, Fuchs. Das jetzige Kulturkonzept der Stadt durchschaue ich nicht. Mir kommt es vor, als hätte man "mein Haus eingerissen". Unverzeihlich, dass Bruck kein Kulturhaus mehr hat – jetzt heißt es Stadtsaal. Obwohl das Haus in den 1920er-Jahren für die Kultur gebaut wurde.

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