Kränkung für den Stier-Erbauer

Mit einem großen Fest wurde vor wenigen Tagen der überdimensionale Stahl-Stier am Red Bull-Ring in Spielberg eröffnet. An die 400 geladenen Gäste waren anwesend, auch die Gemeinde St. Lorenzen war mit einer Abordnung von 40 Personen extra zu diesem Termin angereist. Schließlich ist man in der 3.500 Einwohner-Gemeinde sehr stolz darauf, dass der Erbauer des Stiers Dismas Sachan und auch einer der beiden Künstler, nämlich Martin Kölldorfer, aus den eigenen Reihen stammt. Und dann das: bei den gesamten Feierlichkeiten wurde die Firma Sachan mit keinem Wort erwähnt. Dabei hat Dismas Sachan nicht nur den Stier erbaut; er war es auch, der vor etwa vier Jahren den Auftrag überhaupt an Land gezogen hat.

Auftrag persönlich erhalten
"Das war bei der Weinverkostung am Pogusch. Dietrich Mateschitz hat dort mein Glückspferd gesehen. Das hat ihm so gut gefallen, dass er auch eine Skulptur wollte - aber eben kein Pferd, sondern einen Stier", schildert Sachan. Gesagt, getan: Bei einem Hubschrauberflug wurde das Projekt fixiert und sogleich mit der Planungsarbeit begonnen. Nach einem Entwurf der beiden Künstler Martin Kölldorfer und Clemens Neugebauer begann Sachan mit seinem gesamten Team, den Stier aus 1.228 Einzelteilen zuerst in seinem Hof zusammenzuschweißen und dann am Red Bull-Ring zu montieren. Nach rund neun Monaten war das Mega-Kunstwerk fertig.
Dass er bei der offiziellen Eröffnungsfeier nicht erwähnt wurde, kränkt Sachan zutiefst. "Clemens Neugebauer hat mich zwar am nächsten Tag angerufen und sich entschuldigt, dennoch fühle ich mich in meiner Ehre gekränkt", so Sachan. Trotzdem blickt er nach vorn: "Ich bin trotzdem stolz, weil durch die Rückkehr der Formel 1 nach Spielberg der Stier weltweit in den Mittelpunkt rücken wird." Und Bürgermeister Johann Haberl zeigt sich solidarisch: "Als Bürgermeister bin ich sehr stolz auf diese 'Lorenzer Koproduktion', einerseits durch den Künstler und ursprünglichen Ideengeber Martin Kölldorfer, anderseits durch den Traditionsbetrieb Schlosserei Sachan. Dismas Sachan hat dieses großartige Werk handwerklich vollendet. Ein weiterer positiver Aspekt für mich ist, dass Herr Mateschitz bei den Arbeiten am Red Bull Ring darauf achtet, dass Arbeit und Wertschöpfung so weit als möglich in der Region bleiben." Angelika Kern

Technische Details
Der wahrscheinlich größte Stahl-Bulle der Welt besteht aus 1.228 gelaserten dreieckigen Corten-Stahlteilen mit einer Stärke von fünf und acht Millimetern. Die Teile wurden von einer Laserfirma komprimiert. Die Firma Sachan hat die Teile in 74 Gruppen geteilt, durchnummeriert und dann in einer genauen Reihenfolge und einer Arbeitszeit von eineinhalb Wochen auf Paletten sortiert. Die Fläche der augeladenen Paletten war so groß wie ein halbes Fußballfeld. Die Montagearbeiten wurden bei zum Teil widrigsten Wetterbedingungen am Red Bull-Ring durchgeführt. Allein für den Betonsockel, der die beiden Standbeine des Stiers hält, waren 950 Tonnen Beton als Fundament nötig.
Insgesamt ist der fertig montierte Stier 14,6 Meter hoch und wiegt 68 Tonnen. Das Horn ist sieben Meter lang und blattvergoldet.

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