Bürgermeister Christian Polaschek
"Ich bin ein leidenschaftlicher Vereinsmeier"
- Christian Polaschek wurde am Donnerstag vom Thörler Gemeinderat einstimmig zum neuen Bürgermeister gewählt.
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Die Marktgemeinde Thörl hat nach 19 Jahren einen neuen Bürgermeister. Nach SPÖ-Urgestein Siegfried Schrittwieser und AMS-Chef Günther Wagner tritt Neo-Politiker Christian Polaschek in große Fußstapfen.
THÖRL. Am 12. Dezember wurde Christian Polaschek (SPÖ) von den Mitgliedern des Thörler Gemeinderates einstimmig zum neuen Bürgermeister gewählt. Damit tritt er die Nachfolge von Günther Wagner an, der zuvor 19 Jahre als Bürgermeister im Amt war. Christian Polaschek ist ein gebürtiger Kärntner und lebt seit mehr als 15 Jahren in Thörl.
Wie ist die Bürgermeisterwahl verlaufen?
CHRISTIAN POLASCHEK: Die Wahl fiel einstimmig aus. Für mich war es trotzdem ein aufregendes Ereignis, weil es doch keine alltägliche Situation für mich ist, so im Mittelpunkt zu stehen.
- Christian Polaschek: "Wie so oft im Leben, kommt man in Situationen, mit denen man vorher nicht gerechnet hat. Es war aber eine sehr bewusste Entscheidung meinerseits."
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Werden Sie als Volksbürgermeister agieren – also ohne Stimmrecht im Gemeinderat?
Da ich vorher keinen Sitz im Gemeinderat hatte, bleibt mir einstweilen sowieso nur die Option als Volksbürgermeister. Sofern ich am 23. März bei der Gemeinderatswahl wieder gewählt werde, bleibe ich der Tradition treu und werde als Volksbürgermeister ohne Stimmrecht agieren.
War es in Ihrer Lebensplanung, einmal ein politisches Amt und sogar das Amt eines Bürgermeisters innezuhaben?
Ganz und gar nicht. Tatsächlich habe ich nie daran gedacht. Aber wie so oft im Leben, kommt man in Situationen, mit denen man vorher nicht gerechnet hat. Es war aber eine sehr bewusste Entscheidung und werde mein Bestes geben, um mitzuhelfen, die Gemeinde weiterzuentwickeln.
Wie werden Sie Ihr Amt auslegen? Worauf dürfen sich die Thörlerinnen und Thörler gefasst machen?
Gefasst machen ist ein harter Ausdruck. Ich werde das Amt des Bürgermeisters sehr sachlich ausführen, immer mit dem Fokus auf Transparenz, offener Kommunikation und nah an den Menschen.
- Zur Finanzsituation der Gemeinden: "Es sieht auch nicht danach aus, dass sich die finanzielle Situation der Gemeinden in den nächsten Jahren verbessern könnte. Die hohe Politik ist im höchsten Maß gefordert, den Gemeinden wieder Luft zu verschaffen."
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Das Budget 2025 wurde ja auch schon im Gemeinderat abgewickelt? Was sind die größten Brocken auf der Ausgabenseite?
Ganz eindeutig die Ausgaben für den Pflege- und Sozialbereich. Thörl erhält an Ertragsanteilen rund zwei Millionen Euro vom österreichischen Steuerkuchen. Aber rund 900.000 Euro geben wir für die Pflegeverbandsumlage umgehend wieder aus, dazu kommen noch die Ausgaben für die mobilen Dienste und sonstige Pflegeeinrichtungen – und somit sind mehr als die Hälfte der Ertragsanteile schon wieder weg, immerhin die Haupteinnahmequelle für die Gemeinde.
Nach der Flutkatastrophe im Sommer: Schlagen sich Hochwasserschutzmaßnahmen auch im Budget nieder?
Die ersten Sanierungsmaßnahmen treffen die Gemeinde nicht unmittelbar und sind durch den Katastrophenfonds gedeckt. Uns treffen jedoch die B2-Maßnahmen, also jene Maßnahmen, die nicht zur unmittelbaren Gefahrenbehebung zählen. Wir bewegen uns in einem Bereich von 800.000 bis 900.000 Euro, die wir aufzubringen haben. Wir hoffen doch sehr auf die Unterstützung des Landes, dass sie uns hier nicht alleine lassen.
- Bürgermeister Christian Polaschek im Gespräch mit MeinBezirk-Redakteur Markus Hackl
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Bleibt noch genügend Handlungsspielraum für die Gemeinde?
Schon längst nicht mehr. Es sieht auch nicht danach aus, dass sich die finanzielle Situation der Gemeinden in den nächsten Jahren verbessern könnte. Die hohe Politik ist im höchsten Maß gefordert, den Gemeinden wieder Luft zu verschaffen. Das ganze Finanzierungssystem ist generell zu überdenken.
Bereits im März müssen Sie sich der nächsten Wahl bei den Gemeinderatswahlen stellen. Genügend Zeit, um ein Profil als Bürgermeister zu entwickeln und in die Rolle hineinzuwachsen?
Die verbleibenden drei Monate sind in der Tat herausfordernd, wobei man mein Gesicht in Thörl mittlerweile gut kennen dürfte. Ich bin aber guten Mutes, dass ich bis März meine Vorstellungen und mein Amtsverständnis unter die Leute bringen kann.
Wird es Ihrerseits einen Wahlkampf geben? Oder soll Ihre Arbeit in der Gemeinde für sich sprechen?
Wenn man es Wahlkampf nennen will, dann wird es ein sehr sachlicher sein. Jeder, der mich kennt, weiß wie ich an die Sache herangehe und somit sollte meine Arbeit für sich sprechen.
Thörl ist noch eine der wenigen roten Gemeinden im Bezirk, die sich auf eine absolute Mehrheit stützen können. Wäre es ein Drama, wenn die Absolute fallen würde?
Keine leichte Frage. Die Gemeindebürger sind mündig genug, um die Entscheidung für sich selbst zu treffen. Mir steht es nicht zu, diese Entscheidung für andere zu treffen. Egal, wie die Gemeinderatswahl ausgeht, ich werde das Ergebnis voller Demut akzeptieren. Und soll es so sein, dass die absolute Mehrheit nicht gehalten werden kann, so wird es Ansporn für mich sein, mich noch intensiver für die Gemeinde einzusetzen. Und hoffe, dass dies in weiterer Folge vom Wähler goutiert wird. Ein Nachsatz: Ich bin jedoch der Meinung, dass die Thörlerinnen und Thörler sehr wohl wissen, was die SPÖ in den vergangenen Jahrzehnten bewirkt und erschaffen hat – und so bin ich überzeugt, dass sich das auch am 23. März im Wahlergebnis zeigen wird.
- Meine Hobbys? "Ich bin leidenschaftlicher Musiker und ich bin ein echter ,Vereinsmeier' mit sehr viel Herzblut."
- Foto: Karina Sikora
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Wie ist das Verhältnis zu den anderen Parteien im Ort? Eine Basis für eine etwaige Koalition wäre demnach vorhanden?
Ja, es gibt ein gutes Gesprächsklima, sehr sachlich orientiert. Alle ziehen an einem Strang, wenn es um die Gemeinde geht.
Sind Sie Mitglied der SPÖ? Sind Bürgermeister-Amt und Parteivorsitz getrennt?
Ja, ich bin Mitglied der SPÖ. Und ja, Bürgermeisteramt und Parteivorsitz sind und bleiben auch getrennt. Vorsitzende der SPÖ-Ortspartei ist Gemeinderätin Ulrike Stabelhofer.
Sie sind im Gemeindeamt im Bauamt beschäftigt und zuständig für die Raumordnung. Wird das so bleiben?
Ja, ich bleibe in der Gemeinde beschäftigt. Ich werde aber Beruf und politisches Amt strikt zu trennen wissen. Obwohl es kein Nachteil sein wird, wenn ich direkt im Gemeindeamt tätig bin.
Ein wenig Privates: Was sind Ihre Hobbys und wo kann man Sie in Ihrer Freizeit antreffen?
Ich bin leidenschaftlicher Musiker, die Trompete ist meines und das schon seit 30 Jahren. Ich bin auch aktives Mitglied bei der Marktmusikkapelle Thörl – und ich bin ein "Vereinsmeier" mit sehr viel Herzblut; man wird mich fast überall in Thörl bei den diversesten Veranstaltungen antreffen.
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• Gemeinde Thörl
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