Mühlviertler Kernland
Corona und Bodenversiegelung als "Booster" für neue Wohnformen

Generationenübergreifendes gemeinschaftliches Wohnen: Das Interesse steigt spürbar.
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  • Foto: galdzer panthermedia
  • hochgeladen von Elisabeth Klein

BEZIRK FREISTADT. Wie möchten wir 2050 wohnen? Diese Frage begleitet die Regionalentwicklung im Mühlviertler Kernland seit zwei Jahren intensiv. Ein Thema mit brisanter Aktualität, nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie. In Österreich gibt es 1,4 Millionen Singlehaushalte, Tendenz steigend. Der Lockdown hat viele Menschen dazu angeregt, Strukturen des Zusammenlebens zu hinterfragen.

Interesse groß, Hemmschwelle auch

Mit dem Leader geförderten Projekt "Neues Wohnen in Gemeinschaft" zeigen die Projektverantwortlichen rund um die Geschäftsführerin des Regionalvereins Mühlviertler Kernland, Conny Wernitznig, die Vorteile und Möglichkeiten von innovativen gemeinschaftlichen Wohnprojekten auf. Die Zugriffe auf die Plattform www.wohneningemeinschaft.at, die vor gut einem Jahr online ging, sind mehr als zufriedenstellend. "Schon jetzt gibt es einige gute Beispiele wie gemeinschaftliches Wohnen funktionieren kann, beispielsweise in Waldburg oder Tragwein", sagt Wernitznig. Der Planstart für ein weiteres Projekt in einem Bauernhaus in Windhaag ist im Herbst 2021 und auch für das Freistädter Gebäude, in dem sich der Unimarkt befindet, gibt es konkrete Pläne für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt. Darüber hinaus ist ein Projekt in Lasberg in Vorbereitung. "Das Interesse steigt spürbar. Wir bekommen Anfragen von Jung und Alt, denn auch für Familien mit Kindern haben innovative Wohnformen in gemeinschaftlichen Verbänden viele Vorteile. Die Realisierung von Wohnprojekten scheitert jedoch häufig an Ängsten, Unsicherheiten und falschen Vorstellungen von generationenübergreifendem Wohnen", betont Wernitznig. 

Gelebte Nachbarshaftshilfe - lange vor Corna

Vor allem für ältere Generationen, die von der Corona-Krise besonders hart getroffen wurden, ist die Frage, wie man im Alter wohnen will, eine zentrale, die man sich früh genug stellen sollte. Viele Seniorenheime sind voll, zeitgleich steigt die Lebenserwartung kontinuierlich. Vorbildliche Beispiele für innovative Wohnformen für Senioren sind etwa der Biohof Bele in Vöcklabruck und die Wohnoase im Alten Krankenhaus in Freistadt. "In der Wohnoase werden Zusammenhalt und Unterstützung von Beginn an gelebt", berichtet Barbara Tröls, Volkshilfe-Bezirkskoordinatorin und Mitglied der Arbeitsgruppe "Neues Wohnen". "Strukturen wie eine lebendige Nachbarschaftshilfe, die in vielen Gemeinden oder Siedlungen aus der Not heraus aus dem Boden gestampft werden mussten, wurden hier schon lange vor Corona gelebt."

Flächenverbrauch eindämmen

Nicht nur die Corona-Krise, auch die voranschreitende Flächenverbauung machen Überlegungen über neue Formen des Zusammenwohnens attraktiv. "Bodenversiegelung ist ein brisantes Thema, das vor allem ländliche Regionen stark beschäftigt", betont Inkoba-Obmann und Rainbachs Alt-Bürgermeister Fritz Stockinger. "Wir werden uns den wahnsinnigen Verbrauch der letzten 30 Jahre nicht mehr leisten können und müssen zurückrudern". Zahlreiche junge Familien bauen Einfamilienhäuser im Grünland, außerhalb des Ortskerns, da es dort weniger Auflagen und Konfliktpotential mit Nachbarn gibt. Das führt dazu, dass der Flächenverbrauch kontinuierlich steigt. Würde man Umwidmungen limitieren, würden wiederum viele abwandern. Ein Dilemma. Stockinger zufolge braucht es deshalb Änderungen in der Bauordnung und kreative Lösungen der Flächenplanung. Ähnlich ist es mit der Ansiedelung von Betrieben: Einerseits will man Bodenversiegelung stoppen, andererseits attraktive Arbeitsplätze in der Region schaffen. Für dieses Dilemma hat die Region Freistadt jedoch ein erfolgreiches Rezept. Die Interkommunale Betriebsansiedelung (Inkoba) gilt österreichweit als Vorzeigebeispiel: "Wir beziehen alle Gemeinden mit ein und überlegen gemeinsam sehr gezielt, wo welche Betriebe angesiedelt werden sollen. Das nimmt den Druck auf die Gemeinden weg, auch in finanzieller Hinsicht", sagt Stockinger. 

Podcast-Serie mit Freiem Radio Freistadt

In den nächsten Wochen und Monaten will die Arbeitsgruppe "Neues Wohnen" das Bewusstsein für die Vorteile neuer gemeinschaftlicher Wohnformen - vor allem in ländlichen Regionen - mit einer Kooperation mit dem Freien Radio Freistadt noch mehr schärfen. Darüber hinaus wird es am 9. Oktober in Rainbach einen Workshop zum Thema gewaltfreie Kommunikation und wertschätzende Sprachkultur geben. "Zusammenleben und gemeinschaftliches Wohnen per se erfordern Kommunikationstaltent sowie Krisen- und Konfliktbewältigung", erklärt Wernitznig. Als Projektabschluss im Frühling 2021 ist eine gemeinsame Exkursion zu erfolgreichen Gemeinschaftswohnprojekten geplant. "Das Thema Wohnen in Gemeinschaft wird uns auch in der nächsten Förderperiode, die Mitte 2022 startet, begleiten und ein Schwerpunkt in der Regionalentwicklung im Mühlivertler Kernland darstellen", betont die Leader-Managerin. 

Zur Sache

Die Arbeitsgruppe "Neues Wohnen in Gemeinschaft" ist Anlaufstelle für Interessierte, Ideenträger und begleitet verschiedene Projekte. Näheres: www.wohneningemeinschaft.atwohnen@leader-kernland.at oder 07942 / 75 111

Weiterführende Links: 

Mühlviertler Kernland: Plattform für "Neues Wohnen in Gemeinschaft" online
Großes Interesse am "Neuen Wohnen"

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