Zwischen Zweifel und Schicksal
Ein Theaterabend, der unter die Haut ging
- Enelbert Obernosterer, Peppe Mairginter, Alfred Meschnigg und Werner Wölbitsch.
- Foto: Ingo Ortner
- hochgeladen von Carmen Rienzner
Hochkarätiges Publikum, große Namen der Kulturszene und eine eindringliche Neuinterpretation sorgten in Kötschach-Mauthen für nachhaltige Eindrücke.
KÖTSCHACH-MAUTHEN. Wenn sich Kulturbegeisterte aus weiten Teilen Kärntens und darüber hinaus an einem Ort einfinden, liegt spürbare Erwartung in der Luft. Genau diese besondere Spannung war gestern Abend in Kötschach-Mauthen zu erleben: Eine Theaterproduktion, die bekannte Bilder aufbrach und das Publikum mit intensiven Fragen zurückließ.
Kulturmagnet im Oberen Gailtal
Aus Klagenfurt am Wörthersee, Villach sowie aus dem Gailtal, dem Lesachtal und sogar aus Osttirol und Südtirol strömten Besucherinnen und Besucher herbei. Ihr Ziel: Kötschach-Mauthen, das sich für einen Abend in einen Treffpunkt der Theaterszene verwandelte. Schon vor Beginn lag ein erwartungsvolles Murmeln im Raum — ein sicheres Zeichen dafür, dass hier mehr als nur eine Aufführung bevorstand.
Ein Abend der Kulturszene
Der Einladung des Kiwanis Club Gailtal folgten zahlreiche bekannte Persönlichkeiten aus Literatur, Theater und Regie. Unter den Gästen befanden sich der Gailtaler Autor Engelbert Obernosterer, Alfred Woschitz vom Kärntner Schriftsteller:innenverband sowie die Schauspieler Alfred Aichholzer und Christoph Wrussnig. Auch Regisseur Alfred Meschnigg war anwesend, ebenso Vertreterinnen und Vertreter weiterer Bühnenensembles wie Maria Jury, Ernst Müller, Günther Marizzi und Jakob Pernul. Ihre Präsenz verlieh dem Abend besonderes Gewicht.
Judas neu betrachtet
Im Zentrum stand das Stück Ich, Judas, der Sündenbock von Jens Wiese, das die bekannte biblische Figur aus ungewohnter Perspektive beleuchtet. Die Inszenierung unter der Regie von Alfred Meschnigg setzte auf psychologische Tiefe statt auf laute Effekte. In der Titelrolle zeigte Peppe Mairginter eine intensive Darstellung, die innere Zerrissenheit, Schuld und existenzielle Fragen spürbar machte. Die vertraute Geschichte wirkte plötzlich gegenwärtig und vielschichtig.
Leise Töne, große Wirkung
Statt dramatischer Überhöhung dominierte eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre. Gerade diese Zurückhaltung verlieh der Aufführung besondere Kraft. Die Figur des Judas erschien nicht als bloßes Sinnbild des Verrats, sondern als tragischer Mensch im Spannungsfeld von Entscheidung und Vorsehung. Ein Theatererlebnis, das Denkanstöße lieferte und weit über den Schlussapplaus hinaus nachhallte.
Dank an engagierte Unterstützer
Ermöglicht wurde der Abend durch die Unterstützung der Holzhändlerfamilie Doris Thurner und Josef Thurner sowie ihres Teams. Mit großem Engagement sorgten sie nicht nur für den passenden Rahmen, sondern begleiteten die Veranstaltung auch kulinarisch und trugen so wesentlich zum gelungenen Gesamterlebnis bei.
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