Zwischen Gipfelkreuz und Seeufer
Wie die evangelische Urlaubsseelsorge im Gailtal neue Wege geht

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Wenn die Sonne über den Karnischen Alpen aufgeht und der Weißensee im ersten Licht glitzert, beginnt in der Modellregion Gailtal–Lesachtal–Weißensee eine besondere Form von Kirche. Drei evangelische Pfarrgemeinden laden Einheimische wie Gäste ein, den Urlaub nicht nur sportlich, sondern auch spirituell zu erleben – draußen in der Natur, mitten im Leben.

GAILTAL. LESACHTAL. WEISSENSEE. Über den Bergen des Gailtals liegt Stille, während am Weißensee die Kufen über das Eis gleiten. In dieser eindrucksvollen Landschaft verbinden drei evangelische Pfarrgemeinden Urlaub und Glauben auf besondere Weise – mit Angeboten, die Menschen draußen in der Natur erreichen und Raum für Begegnung schaffen.

Eine Region, die Weite schenkt

Zwischen Pressegger See, Lesachtal und Weißensee erstreckt sich eine der vielfältigsten Urlaubslandschaften Kärntens. Das Nassfeld lockt im Winter zahlreiche Skifahrer an, der Weißensee gilt als Naturjuwel und Treffpunkt für Eisläufer aus ganz Europa. In dieser Region arbeiten die evangelischen Pfarrgemeinden Hermagor-Watschig, Treßdorf-Rattendorf und Weißbriach-Weißensee seit 2016 als Modellregion zusammen. Ihr Ziel: spirituelle Impulse mit touristischen Aktivitäten zu verbinden – im Sommer wie im Winter. Pfarrer Reinhard Ambrosch bringt es auf den Punkt: „Wir wollen nicht darauf warten, dass Menschen zu uns kommen. Interessant wird es, wenn Kirche sich aufmacht und dorthin geht, wo die Menschen sind.“

Volker Kramer (links) und Reinhard Ambrosch (rechts)
  • Volker Kramer (links) und Reinhard Ambrosch (rechts)
  • hochgeladen von Carmen Rienzner

„Augenblick mal“ – Spiritualität unter freiem Himmel

Im Sommer gehören Alm-, Berg- und Seegottesdienste ebenso zum Programm wie Konzerte oder Wanderungen entlang des „Weges des Buches“. Dabei geht es weniger um lange Predigten als um bewusste Momente des Innehaltens: stehen bleiben, durchatmen, die Weite wahrnehmen. „Gerade im Urlaub haben viele Menschen Zeit für sich“, sagt Ambrosch. „Da entsteht eine Offenheit, zur Ruhe zu kommen und über das eigene Leben nachzudenken.“ Die Angebote sind bewusst niedrigschwellig gehalten und vielfach ökumenisch ausgerichtet. Sie richten sich an Gäste ebenso wie an Einheimische.

Kirche auf Skiern – neue Wege im Winter

Mit Beginn der Wintersaison verändert sich auch die Form der Seelsorge. Während im Sommer Gottesdienste unter freiem Himmel gut angenommen werden, ist es im Winter schwieriger, klassische Formate zu platzieren. „Die große Kunst ist es, an die Urlauber heranzukommen“, erklärt Ambrosch. „Viele wollen ihre Skitage voll ausnutzen.“ Die Antwort darauf ist eine Bewegung hinaus ins Skigebiet. Unter dem Titel „Skifahren Plus“ werden sportliche Aktivitäten mit regionaler Geschichte und geistlichen Impulsen verbunden. Begleitet werden solche Angebote unter anderem von Kurator Karl Wassertheurer, der Wissenswertes über Landschaft und Vergangenheit vermittelt. „Aus der alten Komm-Struktur muss eine Geh-Struktur werden“, betont Ambrosch. „Wir sind präsent am Nassfeld und zeigen: Kirche gehört auch hierher.“

Seelsorge auf Zeit

Seit 2017 gibt es das Winterprogramm, das von der Evangelische Kirche in Deutschland unterstützt wird. Für mehrere Wochen zwischen Jänner und Februar lebt der jeweilige Urlaubsseelsorger in einer Wohnung im Pfarrhaus in Hermagor. Von dort aus erschließt sich die weitläufige Region. Pfarrer Volker Kramer war einer der ersten, die im Rahmen dieses Projekts in die Modellregion kamen. „Ich habe mich erkundigt, wo in Österreich Unterstützung gebraucht wird – und so bin ich hierhergekommen“, erzählt er. „Ich fahre gerne Ski, ich bin gern in den Bergen. Und ich bin hier sehr freundlich aufgenommen worden.“

Begegnungen, die sich entwickeln

Die Gespräche entstehen oft ungeplant: auf der Piste, bei einer Schneeschuhwanderung oder im Anschluss an einen Gottesdienst. „Seelsorge entwickelt sich aus den Begegnungen“, sagt Kramer. „Manchmal beginnt es mit einem ganz alltäglichen Gespräch – und plötzlich geht es um die großen Fragen.“ Neben Gottesdiensten und Bibelrunden fließen auch persönliche Begabungen ein. Kramer, ausgebildeter Tai-Chi-Lehrer, bietet Schnupperkurse an. „Ich freue mich, wenn ich etwas zurückgeben kann“, erklärt er. „Und wenn jemand dadurch einen Zugang zu sich selbst findet, ist schon viel gewonnen.“

Offen für Gäste und Einheimische

Die Modellregion zählt zu den attraktivsten Urlaubsgegenden Österreichs und zieht Besucher aus verschiedenen europäischen Ländern an. Gleichzeitig nutzen auch Einheimische die Angebote. „Es wird von Touristen angenommen, aber auch von Menschen aus der Region“, berichtet Ambrosch. Gerade im Urlaub entstehe oft eine besondere Bereitschaft, sich auf neue Impulse einzulassen. So wächst zwischen Bergen und Seen eine Kirche, die nicht nur Räume öffnet, sondern Wege geht – mitten hinein in die Lebenswelt der Menschen.

Volker Kramer (links) und Reinhard Ambrosch (rechts)
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