Neuer Roman von Pettinger
Satire und Vision oder fast Realität

Autor Jürgen Pettinger im MeinBezirk-Interview. | Foto: Kremayr & Scheriau
3Bilder
  • Autor Jürgen Pettinger im MeinBezirk-Interview.
  • Foto: Kremayr & Scheriau
  • hochgeladen von Georg Herrmann

Jürgen Pettinger war zu Gast in der Stadtbibliothek. Mit im Gepäck, sein neuer Roman "Autochton". Ein Roman, angesiedelt zwischen Vision und Satire, aber ganz nahe an der Realität. Es geht um die politischen Systeme im Wandel, um die Brisanz von Identität, die Rhetorik der „Remigration“ und die Frage, ob Heimat Schutzraum oder Kampfbegriff ist und ob sich die Vergangenheit wiederholen kann.

INNSBRUCK. Jürgen Pettinger hat in Innsbruck telefoniert und seine Laufbahn bei den Medien begonnen. MeinBezirk hat den Autor zum Interview getroffen.

MEINBEZIRK: Rückkehr in die Studien- und berufliche Heimatstadt der Anfangszeit, mit einem neuen Roman. War ein wenig Lampenfieber mit dabei?
JÜRGEN PETTINGER:
 Totales Lampenfieber. Ich empfinde Innsbruck und Tirol nach wie vor als mein Zuhause. Immer wenn ich da bin, atme ich innerlich total auf. Ich habe außerdem das Gefühl, dass ich die Menschen hier irgendwie besser einschätzen kann, was eine Lesung viel intimer und gleichzeitig offener macht. Aber deshalb ist es mir auch besonders wichtig, wie die Tirolerinnen und Tiroler auch mein neues Buch reagieren.

Ihre ersten zwei Romane haben sich mit der gesellschaftlichen Ächtung in der Nazi-Zeit beschäftigt, welchen Themenbereich behandelt der neue Roman?
Im neuen Roman geht es um die Zeit in der wir heute leben. Oder besser: in der wir vielleicht bald leben könnten. Inspiriert wurde das Buch von dem Journalisten Hugo Bettauer, der um 1900 herum gelebt hat. 1922 hat er das Buch „Die Stadt ohne Juden geschrieben“ – ein fast hellseherisches Werk, auch wenn er den tatsächlichen Horror, der später mit den Nazis kommen sollte, nicht vorausahnen konnte. Ich habe heute manchmal das Gefühl auch nicht zu wissen, was alles noch kommt. Ich sehe nur, dass in vielen Ländern die Grenzen des sag- und machbaren immer weiter ausgedehnt werden. In „Autochthon“ gehe ich der Frage nach, was passiert, wenn man den immer lauter werdendem Ruf nach „Remnigration“ oder „Ausländer raus!“ zu Ende denkt. Was bliebe übrig? Wie würde die Welt dann aussehen? Und was würde das für einzelne Menschen bedeuten? Das Buch ist diesmal reine Fiktion, aber – wie immer bei mir – beruht es auf Zahlen, Daten und Fakten. Kleiner Spoiler: Sowohl „Die Stadt ohne Juden“, als auch „Autochthon“ haben ein Happy End.

Ist in dieser Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte und politischen Geschichte die berufliche Tätigkeit als Journalist und der Umgang mit der Recherche von Vorteil für den Autor Pettinger?
Ich sehe mich immer als Geschichtenerzähler, egal was ich tue. Im Journalismus beruhen diese Geschichten auf Fakten und das versuche ich auch in meinen Büchern beizubehalten. Für „Autochthon“ habe ich mit vielen Menschen aus der Wissenschaft geredet. Bei der Lesung wird zum Beispiel der Politologe Reinhold Gärtner dabei sein. Prof. Jürgen Huber von der Uni Innsbruck hat mir geholfen, genau wie die Migrationsforscherin Judith Kohlenberger. Das Schöne am Schreiben von Büchern ist, dass diese Arbeit mir mehr Freiheiten gibt. Aber genau wie im Journalismus geht es mit vor allem darum, anderen Menschen ein Gefühl für eine Sachlage zu vermitteln.

Wie waren die bisherigen Reaktionen auf Ihre Romane?
Sehr positiv, was mich extrem freut! Kleiner Wehrmutstropfen ist, dass es natürlich immer wieder auch Menschen gibt, die glauben, mir Hasskommentare schicken zu müssen. Meine letzten Bücher haben die Geschichten eines schwulen Mannes und einer lesbischen Frau während des NS-Terrors erzählt – was da heute noch alles an Grauslichkeiten zurückkommt ist schon erstaunlich. - Aber für mich umso wichtiger weiter zu machen, den „Hatern“ immer wieder etwas entgegenzusetzen. Hugo Bettauer hat schon in den frühen 1920-er Jahren gesagt: „Wann endlich wird die Menschheit so erzogen sein, dass sie jedem das Recht auf sich selbst gibt, das Recht, nach seiner Façon selig zu werden, solange dadurch nicht anderen, unbeteiligten Menschen gegen deren Willen ein Leid zugefügt wird?“ – So traurig es ist, aber über 100 Jahre später gilt dieses Zitat immer nich.

Was steht in Sachen Autor als Nächstes auf dem Programm?
Alles noch streng geheim! (lacht) Eines kann ich verraten: im nächsten Buch geht’s um einen großen Star und im Grunde mich selbst. Im Herbst 2027 wissen wir mehr. Bis dahin muss ich mal wieder ein bisschen schreiben… 

Das Buch

In einer nicht allzu fernen Zukunft hat eine rechtsnationale Partei die absolute Macht übernommen. Ein drakonisches Remigrationsgesetz zwingt Menschen mit Migrationshintergrund zur Flucht und spaltet die Gesellschaft. Doch mutiger Widerstand formiert sich: Die alleinerziehende Mutter Natascha, der Street-Artist Malik und das gut situierte Akademikerpaar Florian und Klaus kämpfen aus dem Untergrund gegen die Verfolgung und für eine gerechte Zukunft. Werden sie es schaffen, der Ausgrenzung etwas entgegenzusetzen? Inspiriert von Hugo Bettauers Klassiker „Die Stadt ohne Juden“ (1922) zieht „Autochthon“ Parallelen zwischen den politischen Vergangenheit und Gegenwart. Jürgen Pettinger wirft einen bitterbösen, scharfsinnigen Blick auf die Gefahren von Nationalismus und politischer Intoleranz, indem er bewusst mit Klischees spielt und vor einer Wiederholung dunkler Geschichte warnt. Ein satirisch-packender Appell an die Zivilgesellschaft – und ein Muss für alle, die sich mit der politischen Gegenwart auseinandersetzen wollen.

„Ein kurzer Griff zu dem dünnen Mikrofon, und, wie zufällig, ein sanftes Lächeln in jene Kamera, die gerade On Air war: Liebe Landsleute! Ich lege euch heute jenes Gesetz und jene Änderung unserer Bundesverfassung vor, die gemeinsam nichts weniger bezwecken als das Ende der zügellosen Völkerwanderung. Remigration!“

Autochton
Hardcover mit Lesebändchen, gebunden
1 Auflage, Kremayr & Scheriau 2025
25 Euro € inkl. MwSt.
ISBN: 978-3-218-01479-3

Foto: Kremayr & Scheriau

Mehr zur Bücherecke von MeinBezirk Tirol

FRANZ – Schwul unterm Hakenkreuz von Jürgen Pettinger

Weitere Nachrichten aus Innsbruck auf MeinBezirk

Autor Jürgen Pettinger im MeinBezirk-Interview. | Foto: Kremayr & Scheriau
Pettinger präsentiert seinen neuen Roman. | Foto: Kremayr & Scheriau
Foto: Kremayr & Scheriau
Du möchtest regelmäßig Infos über das, was in deiner Region passiert?

Dann melde dich für den MeinBezirk.at-Newsletter an

Gleich anmelden

Anzeige

Gewinnspiel
Gewinnt ein Kids Camp am ÖFB-Campus!

Einmal dort trainieren, wo Österreichs Nationalteams zu Hause sind: Magenta macht es gemeinsam mit dem ÖFB möglich und verlost ein ganz besonderes Fußballwochenende für ein Vereinsteam. Am 14. und 15. November 2026 wartet auf das Gewinnerteam ein zweitägiges Kids Camp am ÖFB-Campus in Wien. Mitmachen können Vereinsteams mit Spieler:innen im Alter von 12 bis 15 Jahren, die zum offiziellen Spielbetrieb des ÖFB gemeldet sind. Das Gewinnerteam darf mit bis zu 18 Kindern sowie zwei Trainer:innen...

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Anzeige

FIT4FUTURE AWARD
24.000 Euro für die Region: Volksbank Tirol bringt die Jugend der Region auf die große Bühne

Der FIT4FUTURE AWARD der Volksbank Tirol geht nach einer erfolgreichen Premiere im Jahr 2025 in die zweite Runde. Schüler:innen sind eingeladen, ihre Ideen zum Thema Regionalität einzureichen. Tirolweit werden 24.000 Euro Preisgeld ausgeschüttet. Wie bleibt unsere Heimat auch morgen lebenswert? Wie können wir die Region gemeinsam weiterentwickeln? Auf diese Fragen sucht die Volksbank Tirol gemeinsam mit der Jugend des Landes kreative Antworten. Auf die besten Ideen warten insgesamt 24.000,-...

  • Tirol
  • Hall-Rum
  • Werbung MeinBezirk Tirol
Anzeige
Volle Reihen beim ersten Halt der „Neues Österreich"-Tour in St. Johann im Pongau. | Foto: NEOS Parlamentsklub / Cora Kaufmann
6

Mitreden in Innsbruck
NEOS-Klubobmann Yannick Shetty lädt zum Diskussionsabend

Am Donnerstag, dem 22. Oktober 2026, kommen die Abgeordneten des NEOS-Parlamentsklubs nach Innsbruck. Ab 18 Uhr laden sie im Frieda's Hub zum Mitreden beim Bürgerdialog ein, unter dem Motto „Sprech ma über Österreich". Den Tirolerinnen und Tirolern stehen dabei Klubobmann Yannick Shetty und der Nationalratsabgeordnete Dominik Oberhofer Rede und Antwort. INNSBRUCK. Enkelfitte Pensionen, Absicherung unseres Wohlstands, gelingende Integration, veraltete Lehrpläne, hohe Lohnstückkosten für...

Anzeige
Zur „Phantastischen Nacht“ lädt die CYTA in Völs am Freitag, 6. November, zum Abendshopping bis 21 Uhr. | Foto: CYTA
2

Abendshopping am 6. November
Eine „Phantastische Nacht“ in der CYTA

Abendshopping bis 21 Uhr, attraktive Angebote, Mode, Unterhaltung und jede Menge Highlights: Am Freitag, dem 6. November, wird die CYTA in Völs zur Bühne für eine „Phantastische Nacht“. Wer an diesem Abend etwas erleben, shoppen und gemeinsam mit Familie oder Freunden eine gute Zeit verbringen möchte, sollte sich den Termin vormerken. VÖLS. Die CYTA hat an diesem Abend einiges zu bieten: attraktive Aktionen und Rabatte in den Shops, kulinarische Angebote zum Genießen und ein abwechslungsreiches...

Folge uns auf:
Anzeige
Mit MEDALP wirst du fit für den Winter. | Foto: Roman Huber
3

MEDALP bewegt
Fit für den Winter? Warum Vorbereitung mehr ist als Training

Die Temperaturen werden langsam kühler, der Skiweltcup-Auftakt in Sölden rückt näher. Für viele Sportbegeisterte beginnt damit der Wechsel vom Sommer- zum Wintersport. Ein guter Zeitpunkt, um sich mit der eigenen Vorbereitung zu beschäftigen. Denn Skifahren und Snowboarden stellen andere Anforderungen an den Körper als Wandern, Laufen oder Mountainbiken. Gefragt sind vor allem Kraft, Stabilität und Koordination. Besonders die Beinmuskulatur und die Kniegelenke werden beim Skifahren gefordert....

  • Tirol
  • Werbung MeinBezirk Tirol
Anzeige
Gemeinsam sicherer unterwegs: Bei den kostenlosen SAAC Snow Camps lernen Wintersportler, Lawinenrisiken zu erkennen und bessere Entscheidungen im Gelände zu treffen. | Foto: Vaude/Ferry Weikert
5

SAAC Snow Camps
Anmeldestart für die SAAC Snow Camps 2026/27 startet am 15. 10. um 00:00 Uhr

AAC Academy ergänzt kostenlose Lawinencamps als digitale Lernplattform. Alles ist bereit für den Winter – auch dein Lawinenwissen? Ausbauen und auffrischen kannst du dein Knowhow fürs Gelände bei den kostenlosen SAAC Snow Camps supported by Drei Business und mithilfe der digitalen AAC Academy. TIROL. Am 15. Oktober 2026 um 00:00 Uhr startet die Anmeldung für die SAAC Snow Camps 2026/27. Von November bis April bietet SAAC wieder kostenlose Lawinencamps in Top-Destinationen der mitteleuropäischen...

  • Tirol
  • Werbung MeinBezirk Tirol

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.