F.X. Gruber
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Franz X. Gruber verlässt die Bühne der Stadtpolitik.
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INNSBRUCK. In der Gemeinderatssitzung vom 27. Feber nimmt Franz Xaver Gruber Abschied von der Bühne der Stadtpolitik. Im Stadtblatt-Interview blickt er auf Erfolge und Misserfolge zurück.

Auf Augenhöhe

Die ersten Erfahrungen mit der Stadtpolitik konnte Gruber als Vorsitzender der Hochschülerschaft schon Ende der 80ér Jahre sammeln, wo er sich gemeinsam mit Markus Wallner, heute Landeshauptmann von Vorarlberg, für die Errichtung der SOWI eingesetzt hat. Es folgte eine politische Karriere, bei der Gruber alle Funktionen, außer die des Bürgermeisters, innehatte. "Ausschlaggebend war für mich immer ein enger Kontakt zu den Bürgern und das aktive Gespräch", blickt Gruber zurück. "Ein Telefon und Laptop im Büro waren ausreichend für mich", erzählt Gruber weiter: "Die Politik wird nicht nur im Rathaus gemacht, sondern vor Ort in den Stadtteilen und auf den Straßen. Dieser Herausforderung müssen sich die Politiker tagtäglich stellen und sich deren Wichtigkeit auch bewusst sein."

VP-Zukunft

1994 übernahm Franz Gruber das Amt des ÖVP-Parteigeschäftsführers in Innsbruck. Der Bruch zwischen der Innsbrucker Volkspartei und der Bewegung "Für Innsbruck" war damals schon vollzogen. "Innsbruck ist seit 70 Jahren durch eine starke Aufsplitterung des bürgerlichen Lagers geprägt. Ich sehe das aber auch als positives Zeichen eines kritischen und engagierten Bürgertums in unserer Stadt", analysiert Gruber die Wege der "Schwesterparteien". "Unbestritten ist aber auch, dass sich die handelnden Personen von Schwarz und Gelb Gedanken machen müssen, wie die Zukunft und die nächste Wahl in Innsbruck bestritten werden soll", ist Gruber gespannt auf die weitere Entwicklung. Seine Erfahrungen als Obmann der VP-Innsbruck mit ihren Bünden sieht er positiv. "Eine bunte Partei mit vielen Flügeln ist nicht immer leicht zu führen und die Innsbrucker Volkspartei ist sicher manchmal ein 'Zaubertrankl'", blickt Gruber mit einem Lächeln auf Parteiinternes zurück: "In Sachen Aussendarstellung haben wir schon des öfteren unsere Professionalität vermissen lassen." Beispiel dafür war die sehr kurzfristige Präsentation von Christoph Platzgummer als Bürgermeisterkandidaten. "Ich war als Parteiobmann damals der Meinung, dass Christoph der bessere Kandidat sei und habe ihn deshalb in den Gremien vorgeschlagen. Das Wahlergebnis damals hat mir wohl im Übrigen auch Recht gegeben." Aber auch die aktuelle Diskussion über die Innsbrucker VP hat Professionalität vermissen lassen. "Eine durchaus wichtige und legitime Diskussion über meine Nachfolge und den künftigen Kurs hat sich durch die negative Außendarstellung leider selbst geschwächt", meint Gruber mit einem Blick auf die vergangenen Wochen.

Bürgerpolitik

Fast 15 Jahre im Gemeinderat und 10 Jahre im Stadtsenat haben Gruber nicht nur politisch geprägt, sondern ihm auch die Möglichkeit gegeben, selbst politische Spuren zu hinterlassen. "Natürlich habe ich auch Fehler gemacht, aber insgesamt kann ich mit meinen Entscheidungen leben und dazu stehen." Die Veränderungen in den vergangenen Jahren in Sachen Ansehen der Politik hat auch Franz X. Gruber aufmerksam verfolgt. "Der Trend zum Populismus und zur Vereinfachung ist kritisch zu hinterfragen. Die konstruierten Schlagzeilen und die Sucht nach der Titelzeile dürfen vor allem in der Lokalpolitik nicht im Mittelpunkt stehen. Kritische, faktenbezogene und breite Diskussionen sowie Entscheidungsfindungsprozesse müssen die Stadtpolitik in Zukunft prägen", setzt Gruber auf einen konstruktiven Weg. Als Beispiel führt er die Flüchtlingssituation in den Jahren 2015 und 2016 an. "Eine schwierige Situation, die wir nicht verursacht haben, in der die Politiker und Bürger aber mit Mut Verantwortung übernommen haben und vor allem den wichtigen Aspekt der Sicherheit nicht außer Acht gelassen haben. In der wichtigen Balance zwischen Recht und Ordnung und Menschlichkeit hat Innsbruck die Situation doch sehr gut gemeistert." Die Bindung zur Stadt war für Gruber eine Selbstverständlichkeit. "Es gab auch Angebote für andere politische Ebenen, für mich stand aber immer außer Frage, dass ich in Innsbruck kommunale Politik machen wollte." Die Stadtpolitik ist für den scheidenden Vizebürgermeister die „intensivste Möglichkeit“ Politik zu gestalten: "Direkter Kontakt mit dem Bürger, rasche Entscheidungsfindungen und Diskussionen auf Augenhöhe, sowie die Möglichkeit Projekte konkret umzusetzen, das macht für mich das Salz der politischen Suppe aus."

Abschied

Am 27. Feber verlässt Gruber die Bühne der Stadtpolitik, seine Aufgabe im Europarat nimmt er noch bis zum Herbst wahr. Er wird in Innsbruck bleiben und weiter in verschiedenen Vereinen aktiv sein. Sein Schritt in die Privatwirtschaft sieht er als neue Herausforderung, wobei er durchaus die Politik weiter verfolgen wird. "Ich hoffe, dass sich Innsbrucks Bürger noch stärker in die Gemeindepolitik einbringen werden. Nur dadurch kann und wird sich Innsbruck positiv weiterentwickeln. Dabei wird zwar nicht immer alles reibungslos ablaufen, aber bei allen kritischen und unterschiedlichen Positionen sollten die Ziele und das das Niveau des Miteinander hoch bleiben", blickt Gruber auf die Politzukunft in Innsbruck und fügt als bekennender „Bögengeher“ abschließend an: "Und vielleicht werde ich ja doch noch 'Nachtbürgermeister' in Innsbruck."

Der Politiker

Der gebürtige Osttiroler war Hochschülerschaftsvorsitzender und wurde 1994 Geschäftsführer der Innsbrucker Volkspartei und wechselte 2003 als Organisationsreferent in die VP-Landespartei. Seit 2007 hatte Gruber die Funktion des Stadtparteiobmannes inne, beim außerordentlichen Stadtparteitag 2019 trat er nicht mehr an. Seit Jänner 2019 war Christoph Appler als geschäftsführender Obmann für die Stadtpartei tätig und wurde beim Stadtparteitag mit 89,21 % der Delegiertenstimmen zum Obmann gewählt. Franz Gruber kam 2006 in den Gemeinderat, von 22. April 2010 bis 15. April 2012 war Gruber durch die Ablöse von Eugen Sprenger, 1. Vizebürgermeister von Innsbruck. 2012 war Gruber Spitzenkandidat der VP Innsbruck, schlug aber knapp vor der Wahl Christoph Platzgummer als Bürgermeisterkandidat vor. Die VP wurde zwar stimmenstärkste Fraktion im Gemeinderat, wurde aber aus der Koalition geworfen und ging in Opposition. Seit 16. Mai 2012 war Gruber daher als Stadtrat ohne Amtsführung im Stadtsenat. Im Dezember 2015 kehrte die ÖVP in die Stadtregierung zurück und Gruber übernahm wieder Ressorts. Nach der Gemeinderatswahl am 22. April 2018 formierte sich für die neue Innsbrucker Stadtregierung eine Viererkoalition, bestehend aus Grüne, Für Innsbruck, ÖVP und SPÖ. Bei der konstituierenden Gemeinderatssitzung am 24. Mai 2018 wurde Gruber zum zweiten Vizebürgermeister der Stadt Innsbruck gewählt. Als Christine Oppitz-Plörer vom Gemeinderat abgewählt wurde, kam es zu einem Novum in der Innsbrucker Stadtgeschichte: Von 11. Oktober 2019 bis zur Neubestellung des Amtes mit Uschi Schwarzl Mitte November 2019 war Gruber kurzzeitig der einzige Vizebürgermeister der Stadt Innsbruck.

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Georg Herrmann aus Innsbruck

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