Nackte Tatsachen

Ein formidables Trio: Bernhard Wolf, Luka Oberhammer, Klaus Rohrmoser in „Zwei Männer ganz nackt“.
  • Ein formidables Trio: Bernhard Wolf, Luka Oberhammer, Klaus Rohrmoser in „Zwei Männer ganz nackt“.
  • Foto: Kellertheater
  • hochgeladen von Agnes Czingulszki (acz)

Was soll man sagen: schon der Titel ließ wenig Interpretationsspielraum, das zugehörige Plakat schon gar nicht. Und doch wird man hinterher mit ein paar offenen Fragen aus dem Theater hinausgehen. Denn was hatte es nun wirklich auf sich, mit den vermeintlich nackten Tatsachen? Wie konnte es nur möglich sein, dass sich Alain und sein junger Anwaltskollege Prioux, an so gar nichts erinnern können, als sie eines Samstagmorgens in der Wohnung Alains splitternackt aufwachen. Beide verwehren sich ja sogleich gegen die einzig naheliegende Vermutung. Mit der hätte selbst Alains Ehefrau noch irgendwie leben können, nur mit einem Lügner nicht. Immerhin hat sie die beiden gleich zu Beginn quasi inflagranti – sprich noch notdürftig bedeckt – im eigenen Wohnzimmer ertappt. Damit wäre das Drama natürlich perfekt. Doch der französische Erfolgsautor Sébastien Thiéry hat glücklicherweise anderes mit uns vor, denn „Zwei Männer ganz nackt“ ist eine vollkommen wahnwitzige und ungemein rasante Komödie. Thiéry streut zwar Hinweise, aber legt auch etliche Finten. Und so tut man gut daran, der vermeintlichen Logik relativ rasch abzuschwören und sich einfach nur den grotesk-skurrilen Begründungen und den vollkommen überraschenden (Kehrt-)Wendungen hinzugeben. So werden wir etwa Zeugen einer Verteidigungsrede, wie sie vermutlich wirklich nur einem Starverteidiger einfallen kann. Spätestens beim Satz „Man wird sich doch noch ein wenig Arbeit mit nach Hause nehmen dürfen“, ist es ohnehin vorbei mit der eigenen Contenance. Denn Klaus Rohrmoser, Bernhard Wolf und Luka Oberhammer liefern sich als Alain, Prioux und Alains Ehefrau Catherine einen schauspielerischen Infight der Extraklasse. Kellertheater-Hausherr Manfred Schild hat das absurd-komische Stück inszeniert und beschert seinem Publikum einmal mehr einen hinreißend unterhaltsamen Theaterabend.

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