Eine Nachsendung für Michaela „Michi“ Pfisterer - 20.6.1962 - 4.1.2021
Ein leiser Abschied.

Michaela Pfisterer
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Jänner 2021. Es ist schon eine traurige Wiederholung. „Nachrufe“ zu schreiben. Unzählige geschrieben. Und es fällt mir trotzdem nicht leichter, wie manche glauben. Persönliches. Umstände und Rückblende. Zuerst durchstöbere ich immer das Bilderarchiv, verteilt auf unzähligen Festplatten. Danach gehts ans Archiv im eigenen Kopf. Erinnerungen, gemeinsame Erlebnisse und längst vergessene Geschichten werden hervorgeholt. Nicht ohne dabei zu vergessen, wie schnell die Zeit vorbeirast. Und die Einschläge näher kommen. Und immer hängen ganz viele persönliche Anekdoten und Begegnungen mit besonders wertvollen Menschen dahinter. So auch hier.

Hintergrund.

Es gibt Menschen, die tragen ihr Herz und alle Botschaften dieser Welt nicht auf der Zunge. Und knallen es eben nicht jedem gleich und unvermittelt in die Ohrmuscheln. Diese wohltuende Eigenschaft ist in Zeiten von „Ich-Profilen“ und Heißluftakrobaten eine herausragende Besonderheit. „Michi“ war jemand von diesen besonderen Menschen. Ruhig und besonnenen. Zurückhaltend. Im Hintergrund. Man musste mehr als ihr Vertrauen gewinnen.
Alleine mit ihren Träumen, Wünschen, Besonderheiten und auch den Problemen und ganz persönlichen Herausforderungen des Lebens. „Michi“ habe ich als jemanden kennen- und schätzen gelernt, der immer freundlich war. Je nach Rolle, auch bestimmt und ausdrucksklar sein konnte. Unvergessen bleibt mir das strahlende Lächeln und die besondere Grundmaxime - helfen zu wollen. Niemals - in welcher der vielen Funktionen wir uns auch begegnet sind, war sie unwirsch oder gar schlecht gelaunt. Ich sehe ihr Gesicht vor mir: Dieses, ja - perfekte Lächeln, offen, freundlich - ich meine war da auch immer ein wenig Traurigkeit in ihren Augen? Vielleicht. Privates, Intimes – Fehlanzeige. Klar die verbale Hypo-Klatschzeitung als „Stille Post“ getarnt, wusste das eine oder andere. Michaela hat das nicht tangiert. Und ich kann damit auch nicht dienen.

Wo man nix weiß - fragt man heiß.

Heute – danach – wundern sich alle, dass sie nix über sie wissen. Die beiden Leben „Bank“ und „Privat“ wurden von ihr wohl getrennt. Auch das gibts und ist eher selten. Ich habe immer geglaubt, dass sie aus Osttirol stammt. Aber eher wird es wohl Winklern, Lienz über den Iselsberg, Kärnten, gewesen sein. Die Matura in der HAK in Lienz. Das Dienstleistungs-know-how hat sie sich im Fremdenverkehrskolleg in Innsbruck geholt. Danach als Touristikfachfrau im Stubai und in Innsbruck. Ab Jänner 1989 - Start in der Hypo Tirol Bank. Die Jobs - vielfältig, Hintergrund-unbedankt und immer in der zweiten Reihe. Hypo Real Immobilien - Assistentin des Verkaufsleiters - Sekretariat des Vorstandsvorsitzenden - „Kulturaustausch“ in der Hypo Tirol Leasing Italien in Bozen - Rechtsabteilung - Abteilung Recht und Beteiligungen - Assistenz des 3. Vorstandes - Bereich Leasing und Immobilien - Assistenz des Bereichsleiters - Abteilung Immobilien & Beteiligungen.

Exponierte Stellen.

Wenn man in der Landesbank an diesen bekannt exponierten Stellen, – vom Vorstand bis zum Rechtsbüro, derart lange – auch von Führungskräftewechsel unbeirrt eingesetzt wird, muss man schon etwas Besonderes sein und auch viele sichtbare und auch „unterschätzte Begabungen“ haben. Resistent und wachsam für die verschiedenen Einflüsse und Veränderungen sein. Die Zeit, die ich damit meine, von 1999 bis 2011 war eine besonders herausfordernde für die Landesbank und alle die dort werkten. In diese Zeitspanne fallen auch alle drei großen „Bruchstellen“, die die Bank sowohl im Herzen als auch in der Außenwirkung ordentlich gebeutelt haben. Aber dank Menschen, die sich bewusst mit all ihren Kompetenzen und dem besonderen Wirkungskreis (Vermittlung, Integrationen, Neuorganisation, Einschulung) für die Hypo Tirol, auch in schweren Zeiten eingesetzt haben, entwickelte das Hypohaus sich ins Heute. Und „Michi“ war dafür bestens ausgebildet und auch sattelfest. Und ein besonders wichtiger Bestandteil dieser Mehrfachhäutung eines Unternehmens. Sich sicher in und durch konfliktträchtige Situationen zu bewegen. Mit Erfahrenheit. Gelassen. Das konnte sie. Darüber haben wir uns auch einmal, wenn auch nur beiläufig unterhalten. Dabei ist ihr sicher der Charakterzug und Ihr ehrliches Image als helfende Hand im Hintergrund zu agieren, gut gestanden. Abteilungsorganisation, Vorbereitung zu wichtigen Sitzungen, Ablagesysteme, Archivierungen, Ordnersysteme hatten früher noch größere Bedeutung als heute.

Persönlich.

Persönlich habe ich die Michaela geschätzt. Ihre sprichwörtliche Unaufgeregtheit und Ihre ehrliche Freundlichkeit. Haltung. Kerzengerade. Direkt. Für mich eine Dame. Wenn ich nachdenke, auch die abgestimmte Kleidung, ton-in-ton, Design-Marke-Damenhaft, extravagant - bunte Tücher, Schals - sind mir als Mann aufgefallen. All das krame ich aus meiner Erinnerung und meiner Festplatte, der von oben - unter dem Haaransatz hervor. Sicher bin ich mir, dass sie auch viele Dinge gesehen, Abgründe miterlebt und auch mitgetragen hat, die nicht für andere Ohren bestimmt waren. Abseits der persönliche-privaten Verletzungen und Lebensanforderungen. Es passt wohl zu ihr und ihrem Wesen, dass so vermute ich, wahrscheinlich nur die wenigsten ihr ganz nahe sein durften. In der Bank hat sie ihre Distanziertheit und ihre Geheimnisse jahrzehntelang gepflegt. Nicht umsonst sind diese geheimnisvollen Menschen mit dieser gefühlten Prise Unnahbarkeit, einem besonderen, selbstauferlegten Selbstschutz und mit ganz persönlichen Geheimnissen für uns „Anderen“ besonders interessant. „Michi“ war eine von diesen besonderen Menschen mit ihren eigenen gehüteten Geheimnissen. Sie hat in Völs gelebt. Hie und da - in aller Früh haben wir uns beim In-die-Arbeit-fahren getroffen, ich aus der Tiefgarage, sie von nebenan aus der Wolkensteinstraße herankommend. Wir haben uns dann durch die Windschutzscheiben zugewunken, gegrüßt. Sie wie immer lächelnd, freundlich. Ich bin mir sicher, jemand der seinen Mitmenschen viel gibt, kriegt auch seine Belohnungen. Wie und wo immer. Dafür und darüber weiß ich zu wenig.

Etwas Besonderes.

In der Landesbank war sie auf alle Fälle etwas Besonderes. Jovial im Umgang mit den „Mächtigen“ und kollegial-freundlich mit den Kolleginnen und Kollegen. Ihre Vita ist vorbildlich und geprägt vom professionellen Service und Dienstleistungsgedanken. Angepasst an die jeweiligen Situationen und die vorherrschenden Machtgefüge. Sicherlich war „Michi“, (wie wir alle!) ein verletzlicher Mensch mit eigenen Gefühlen, mit Wünschen, Träumen - alles sorgsam verborgen in ihrer unsichtbaren Tarnkappe. Es ist besonders tragisch, dass sie nicht auch Zeit nach dem Berufsleben verbringen darf und durfte. Das war ihr nicht ge- und vergönnt. Als wichtiges Rädchen mit vielen positiven Eigenschaften bleibt sie aber Vorbild für uns, für unser Miteinander, unser tägliches Tun, im kleinen wie im Großen. Hoffentlich ist sie jetzt dort, wo sie ist, glücklich. Ich bin mir sicher. Erst der Verlust macht uns bewusst, wie sehr wir das tagtägliche Miteinander, im kleinen, wie im großen Kreis der Menschen, derer die uns mögen und mit denen wir zu tun haben, brauchen, und auch richtig (ein)schätzen sollten. Für diese Vorbildwirkung danken wir - besonders der „Michi“. Und wir sind in Gedanken bei Ihr, schauen uns alte Bilder an, gehören mit dazu, zu der großen Gruppe der „Dableibenden“, die die verfrühte Abreise von „Michi“ - auch mit Trauer und Tränen begleiten. „Danke liebe Michi. Wir wünschen Dir eine gute Reise!“

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