21.06.2017, 14:49 Uhr

Machbarkeitsstudie zu Olympia 2026: Kein Steuergeld, keine Neubauten

Die Austragungsstätten würden über ganz Tirol verteilt sein. Eisschnelllauf- und Eishockey-Bewerbe würden außerhalb von Tirol stattfinden. (Foto: www.olympia2026.at)

Ab jetzt soll breit über die Studie informiert werden. Die tirolweite Volksabstimmung wird voraussichtlich am 15. Oktober – parallel zur NR-Wahl – stattfinden.

Land Tirol, Stadt Innsbruck und das Österreichische Olympische Comité (ÖOC) ließen per Jahresende die Erstellung einer Machbarkeitsstudie als Grundlage für die Entscheidung über eine mögliche Bewerbung von Österreich mit Innsbruck/Tirol für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 in Auftrag geben. Die Ergebnisse der Studie liegen vor und wurden heute im Rahmen präsentiert. Diese von der Bietergemeinschaft PROPROJEKT und AS+P mit den regionalen Projektpartnern Management Center Innsbruck (MCI) und Solid – Event, Management und Consulting GmbH durchgeführten Erhebung ist eine umfassende Basis für weitere Entscheidungen.

Nachhaltig und leistbar

Dabei wurden insbesondere die Kernbereiche Sportinfrastruktur und Wettkampfstätten, Unterbringung, Transport und Verkehr, Umwelt und Nachhaltigkeit sowie die finanziellen Rahmenbedingungen analysiert. Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig und stellen für eine potentielle Bewerbung ein sehr gutes Zeugnis aus.

Budget ohne öffentliche Zuschüsse

Bedingt durch die geplante Reduktion einzelner Budgetpositionen und durch das vorteilhafte Gesamtkonzept Innsbruck / Tirol 2026 wird ein Durchführungsbudget, das mit einer Höhe von 1.175 Mio. EUR (2026) deutlich unter dem Durchschnitt der letzten drei Ausgaben der Olympischen und Paralympischen Winterspiele läge, als realistisch und aus den Einnahmen der Spiele finanzierbar betrachtet.


Kalkulation Einnahmen
Geschätzte Einnahmen (Grafik: www.olympia2026.at)



Kalkulation Ausgaben
Geschätzte Kosten (Grafik: www.olympia2026.at)

Wettkampfstätten in ganz Tirol

Das von den Studienautoren empfohlene Gesamtkonzept basiert somit zum Großteil auf bestehenden und hervorragend geeigneten Wettkampfstätten in ganz Tirol – die möglichen olympischen Wettkampfstätten im Detail:
Tivoli Stadion Tirol (Eröffnungs- und Schlussfeier; Bestand), Olympiahalle (Eiskunstlauf, Short Track, Eishockey – Finals; Bestand), Tiroler Wasserkraft Arena (Curling; Bestand), Olympiaworld (Snowboard – Big Air; temporär), Bergiselschanze (Skispringen – Großschanze, Nordische Kombination – Springen Großschanze; Bestand), Olympia Eiskanal Innsbruck/Igls (Bob, Skeleton, Rodeln; Bestand), Snow Park Kühtai (Snowboard – alle Disziplinen außer Big Air, Freestyle Ski – alle Disziplinen; temporär), St. Anton am Arlberg (Ski Alpin – alle Disziplinen; Bestand), Biathlonzentrum Hochfilzen (Biathlon; Bestand), Nordic Arena Seefeld (Ski-Langlauf, Skispringen – Normalschanze, Nordische Kombination – außer Skispringen Großschanze; Bestand), Eishockey Halle 1 (noch festzulegen – bestehende Eishalle; Bestand), Eishockey Halle 2 (noch festzulegen – bestehende Eishalle; Bestand), Inzell (D) (Eisschnelllauf; Bestand).

Die Kernbereiche Wettkampfstätten, Nicht-Wettkampfstätten, Unterbringung, Transport & Verkehr, Umwelt & Nachhaltigkeit sowie Finanzierung wurden von den Studienautoren im Detail evaluiert – die Untersuchungsergebnisse dieser zentralen Bereiche lassen sich wie folgt zusammenfassen.

Keine Erweiterung bei Sitzplätzen

Aufgrund der vielen Wettkampfstätten in Tirol mit internationalem Renommee kann ein Großteil aller Sportarten in bereits bestehenden Anlagen ausgetragen werden. Neben der Olympiahalle und der Tiroler Wasserkraft Arena werden lediglich zwei Eishallen für Eishockey sowie eine Eisschnelllaufhalle benötigt. Unter Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit würde daher die Durchführung der Eishockey-Vorrunden sowie der Eisschnelllaufwettbewerbe (z.B. in Inzell) in bestehenden Hallen außerhalb Tirols empfohlen. Darüber hinaus sollte auch bei den bestehenden Wettkampfstätten auf komplexe Erweiterungsmaßnahmen zur Erhöhung der Sitzplatzanzahl bewusst verzichtet werden, auch wenn damit einige der internationalen Orientierungswerte für die Zuschauerkapazität unterschritten würden.

Neues Konzept für Eröffnungs- und Schlusszeremonie

Aufbauend auf den strategischen Konzeptgrundsätzen der Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Anpassung an lokale Rahmenbedingungen wird ein neuartiges Konzept der Eröffnungs- und Schlussfeier vorgeschlagen, das neben dem Tivoli Stadion die parallele Bespielung weiterer Bereiche der Olympiaworld vorsieht. Auch ohne temporäre Erweiterung des Tivoli Stadions wäre damit eine ausreichende Kapazität von rund 40.000 Zuschauern zu erreichen.

Platter: "Solide Grundlage"

„Die Studie hat eine fundierte Entscheidungsgrundlage geschaffen“, betont LH Günther Platter. „Sowohl für uns, dass wir die Bewerbung weiter verfolgen wollen, als auch für die Bevölkerung, die auf Basis umfassender Information nun eine Entscheidung treffen kann.“ Dass Innsbruck/Tirol ideal geeignet sei, würden die Ergebnisse der Analyse eindeutig belegen, so Platter. „Keine Infrastruktur müsste geschaffen werden und die Spiele könnten auf Basis redimensionierter Anforderungen durchgeführt werden.“

YOG war Generalprobe

„So viele Menschen in Innsbruck und Tirol sind unglaublich sportbegeistert. Der Wunsch nach Olympischen Spielen ist daher auch stark aus der Sportcommunity gekommen“, erinnert Innsbrucks Bgm. Christine Oppitz-Plörer. „Bei den Youth Olympic Games 2012 haben wir in Innsbruck bewiesen, dass es auch anders geht und eine Trendwende eingeleitet: Neue nachhaltige Großveranstaltungen, die ökologisch, ökonomisch sowie sozial nachhaltig Wirkung zeigen. Das hat sich letztlich auch am finanziell positiven Ergebnis dieser Spiele gezeigt“, betont Oppitz-Plörer.

Stoss: "Kein Gigantismus"

Und ÖOC-Präsident Karl Stoss ergänzt: „Im Bewerbungsprozess 2026 wird das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Kandidaten viel intensiver unterstützen. Sprich der Prozess wird erheblich leichter und kostengünstiger. Mit Innsbruck/Tirol haben wir eine Chance, zu beweisen, dass man Spiele heutzutage modern aber trotzdem im sympathischen Format organisieren kann. Auf Anlagen, die längst bestehen, in Orten, die über Wintersport-Tradition verfügen. Mit neuen Verkehrs-Konzepten, mit mehreren olympischen Dörfern – ohne Gigantismus, ohne weiße Elefanten.“

Liste Fritz: "Viele Fragen offen"

„Die heutige Präsentation hat das Erwartete geliefert, eine politische Werbeveranstaltung für Olympia und ein Wunschkonzert von Platter, Geisler und Oppitz-Plörer. Das Problem war und ist nicht die Machbarkeit, sondern die Finanzierbarkeit und Sinnhaftigkeit! Wollen Innsbruck und Tirol sowie der Bund wirklich Millionen und Milliarden an Steuergeldern ausgeben, um ein Megaevent mit Megakosten nach Innsbruck und Tirol zu holen? Oder ist es richtig, dass ein derartiges Großereignis nicht nach Tirol passt, dass es viel zu teuer und viel zu riskant ist, und dass wir das Steuergeld der Tiroler für Notwendigeres verwenden sollen? Es ist nicht in Ordnung, dass in Tirol Steuergeld für die Alten- und Pflegeheime fehlt, um ausreichend Personal einzustellen, aber scheinbar Millionen für Olympia da sind“, erklärt Liste Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider.

Impuls-Tirol ist "begeistert"

Hans Lindenberger (KO impuls-tirol) zeigt sich vom Ergebnis der Studie "begeistert". Er begrüßt vor allem, dass die Ergebnisse der Studie unmittelbar nach der Veröffentlichung für jeden im Internet abrufbar sein wird.


Grüne: "Auf Herz- und Nieren prüfen"

Die mehrere Hundert Seite umfassende Studie gelte es nun „auf Herz und Nieren und mit der notwenigen Seriosität zu überprüfen“, so der Grüne Landessprecher Hubert Weiler-Auer in einer ersten Reaktion. Er kündigt an, dass die Grünen die sich aus der Studie ergebenden offenen zentralen Grünen Fragen bis zum 07. Juli an das ÖOC richten werden. Eine Festlegung, ob die Bewerbung aus Grüner Sicht nachhaltig und sinnvoll sei, werde wesentlich von diesen Antworten abhängen. „Alles andere als eine eingehende Beschäftigung mit der Studie und den zentralen Fragen wäre ein populistischer Schnellschuss. Dafür sind wir Grüne bekanntlich nicht zu haben“, so Weiler-Auer.

SPÖ: "TirolerInnen am Wort"

Die Studie zeige grundsätzlich auf, dass Tirol gut für die Durchführung olympischer Spiele aufgestellt sei. Auch wurden klare Bedingungen definiert, unter denen man sich bewerben wolle. "Wenn das Projekt wirklich so durchgeführt wird, wie in der Studie beschrieben ist, sehe ich das positiv. Es gilt aber, sich in den nächsten Tagen und Wochen intensiv mit dieser Studie auseinanderzusetzen und die Bevölkerung umfassend miteinzubinden", so SPÖ Tourismus- und Sportsprecher Thomas Pupp. "Jetzt sollen die Tirolerinnen und Tiroler am Wort sein und entscheiden, ob sie dieses Projekt so wollen oder nicht."


FPÖ: "Votum der Bürger muss bindend sein"

Für FPÖ-Sportsprecher Markus Abwerzger und Tourismussprecher Rudi Federspiel war die gestrige Präsentation der Studie über eine Bewerbung für olympische Winterspiele der Startschuss um die Unterlagen genau zu studieren: "Wir werden nun mit Experten die Ergebnisse genau anschauen. Das Votum der Tiroler muss bindend sein, es darf sicherlich keinen Plan-B geben."
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bertl schwan aus Innsbruck | 27.06.2017 | 16:54   Melden
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