27.10.2016, 17:36 Uhr

Roncalli-Boss Bernhard Paul: "Horror-Clowns schaden uns nicht. Clowns sind lustig, das weiß jeder!"

Roncalli-Zirkusdirektor Bernhard Paul über Kindheitserinnerungen, die Zukunft des Zirkus', das Reisen, Zirkustiere und Horror-Clowns.

Mit einem komplett neuen Programm lockt Bernhard Pauls Circus Roncalli von 19. November bis 11. Dezember die Zirkusfans Innsbrucks in die Manege. Mit zwei Auftritten täglich und sogar drei sonntags wird im Freigelände der Olympiaworld die Post abgehen.

Über Ihr Leben:

Erzählen Sie von dem Moment, an dem Sie wussten, der Zirkus ist Ihre Welt.
Dieses Schlüsselerlebnis hatte ich mit 6 Jahren in Wilhelmsburg, wo ich aufgewachsen bin. Der Zirkus war in der Stadt und der Vater meines Schulfreundes war ein Clown. Wir saßen auf seiner Wohnwagenterrasse, Elefanten und Zebras gingen vorbei und ich dachte nur: Wow! Das ist meine Welt! Bunt und leuchtend, es faszinierte mich einfach alles! Vor allem die Clowns als Anti-Helden mit übergroßen Schuhen und bunt angemalt begeisterten mich.

Wie ergab es sich, dass Sie den Circus Roncalli gründeten?
Naja, das hat schon ein bisserl gedauert, bis ich diesen Weg eingeschlagen habe und meine Leidenschaft - Zirkuszeugs hab ich ja immer schon gesammelt - zum Beruf machte. Ich habe Hoch- und Tiefbau studiert, das war aber nicht mein Ding. Ich war Art Director bei "profil", da war ich 28 Jahre alt und dachte mir: War es das jetzt? Geht es nun immer so weiter? Das erfüllte mich nicht. Und so kaufte ich mir einen Zirkuswagen und gründete mit André Heller einen Zirkus.

Warum ist André Heller jetzt nicht mehr dabei?
Unser erster Auftritt war am 19. Mai 1976. Danach gingen wir auf Tour, aber wir zerfetzten uns schon nach drei Monaten (lacht). Seither führe ich den Zirkus alleine.

Haben Sie ein Idol?
Ja, Charlie Chaplin. Die feine Komik ist das Schöne.

Über den Zirkus:

Wie läuft das Zirkusbusiness?
Wir haben jeden Tag volle Zelter, in Wien hatten wir insgesamt 80.000 Zuschauer und schoben sogar dritte Vorstellungen ein. Denselben Andrang hatten wir in Köln und Düsseldorf.

Wie viele Leute beschäftigen Sie?
150 Leute bilden unser Kernteam, die sind immer dabei. Zu Weihnachten mit den ganzen Showspecials kommen wir auf 1.000 Leute.

Was ist das Herzstück Ihrer Show, welche Performance?
Die ganze Show ist das Herzstück, die das Publikum mitnimmt auf eine Reise in eine einzigartige Traumwelt. Beim Finale geht die Post ab, und danach ist es wichtig, die Leute von der emotionalen Achterbahnfahrt wieder runterzuholen, auf die wir sie schickten.

Und wie gelingt Ihnen das?
Wir haben ganz neu in der Show einen Beatboxer, der ein wahrer Publikumsliebling ist. Er summt zum Schluss "Guten Abend, gute Nacht" an und was dann geschieht, ist wie ein kleines Wunder. Das kann man nicht erzählen, das muss man spüren.

Wie sehen Sie die Zukunt des Zirkus?
Es wird weniger geben, nur die Besten kommen durch. Der Trend geht zu weniger Mobilität und fixen Standorten. Metropolen boomen da. Außerdem werden Zirkusse immer spezifischer. Wichtig ist es, wieder junge Leute zu "catchen".

Über das Reisen:

Wie viele Städte besuchen sie im Jahr und touren Sie saisonal oder das ganze Jahr?
Das hängt vom Tourplan ab. Zum diesjährigen Jubiläum touren wir quer durch Deutschland und Österreich, wir waren aber auch schon in Barcelona, Moskau oder Kopenhagen. Wir treten von März bis Jänner auf, die Winterpause wurde sehr kurz, früher tourten wir von Mai bis November.

In welchem Land waren Sie noch nie, würden dort aber gerne mal auftreten?
Im Schlaraffenland.

Zum wievielten Mal sind Sie mit Roncalli schon in Innsbruck?
Zum zweiten Mal.

Über das Image:

Es heißt doch, beim Zirkus ist es wie mit dem Fußball und den Models: Es gibt eine "Altersgrenze". Stimmt das? Wo liegt die?
Je nachdem, was man macht, stimmt das natürlich. Bei körperlich anspruchsvollen Performances liegt sie bei 30 Jahren. Clowns z. B. dürfen alt sein, sonst könnte ich ja auch nicht mehr auftreten (lacht).

Wie ist das mit den Wildtieren heutzutage? Dadurch ist das Zirkusimage ja immer wieder gefährdet.
Wir haben nur Pferde. Ich bin ein Verfechter von artgerechter Tierhaltung und Wiltiere können in einem Zirkus nicht artgerecht gehalten werden. Man muss auch mit der Zeit gehen und Wildtiere sind heute absolute No-Gos!

Spielt es sich wirklich so ab wie in dem Film "Wasser für die Elefanten"?
Der Film ist fiktiv und überhöht. Das Positive überwiegt beim Zirkus.

Befürchten Sie einen Imageverlust wegen der Horror-Clowns?
Nein, keineswegs. Ein Clown bringt einen zum Lachen, das weiß man doch! Solche Aktionen kommen und gehen, ich sehe die Horror-Clowns als Teilaspekt von Halloween. Die beschäftigen mich nicht und schaden auch dem Zirkus nicht.

Das Interview führte Sara Erb.

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