Polizeiliche Jahresbilanz 2025
"Es wird heute mehr angezeigt als früher"
- Insgesamt wurden im Jahr 2025 in Kärnten 25.532 Anzeigen erstattet.
- Foto: Barnhard Knaus
- hochgeladen von Evelyn Wanz
Weniger Anzeigen, aber neue Brennpunkte: Kärntens Kriminalstatistik 2025 wurde am heutigen Dienstag präsentiert. Während klassische Delikte wie Einbruch oder Autodiebstahl weiter abnehmen, verlagert sich die Kriminalität zunehmend in den digitalen Raum. Die Polizei spricht von einer stabilen Sicherheitslage, warnt aber klar vor neuen Herausforderungen.
KÄRNTEN. Die kriminalpolizeiliche Bilanz 2025 in Kärnten zeigt ein differenziertes Bild: Insgesamt ist die Zahl der angezeigten Delikte im Vergleich zum Vorjahr um 3,3 Prozent auf 25.532 Fälle gesunken. Gleichzeitig bleibt die Aufklärungsquote bei 61,3 Prozent. Für Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß ist klar: "Wir bewegen uns weiterhin auf einem sehr hohen Niveau". Möglich sei das durch moderne Ermittlungsarbeit, verbesserte Spurensicherung und internationale Zusammenarbeit.
Nachfrage am Drogenmarkt
Im Bereich der Suchtmittelkriminalität wurde ein Rückgang von 12,7 Prozent verzeichnet. Für die Polizei ist das jedoch kein Hinweis auf eine sinkende Nachfrage. "Die Nachfrage am Drogenmarkt ist nicht gesunken", betont Gottlieb Türk, Leiter des Landeskriminalamtes. Vielmehr würden Ermittlungen immer komplexer und langwieriger: "Viele Verfahren dauern länger und haben oft keinen unmittelbaren Ausgang – das schlägt sich in den Zahlen nieder".
Mehr Betrugsdelikte
Ein gegenläufiger Trend zeigt sich bei den Betrugsdelikten, die um 2,8 Prozent gestiegen sind. Klassische Maschen wie "falscher Polizist" oder "Tochter-Sohn-Trick" bleiben präsent. "Das ist immer noch am Markt – eine Entwarnung gibt es nicht", so Türk. Besonders im digitalen Bereich entstehen hohe Schäden, etwa durch Cybertrading, bei dem Opfer auf vermeintlich lukrative Geldanlagen hereinfallen. Eine deutliche Zunahme zeigte sich im Bereich Cybercrime im engeren Sinne, wo die Zahl der Anzeigen um 23 Prozent auf 733 Fälle angestiegen ist.
Hohe Internetkriminalität
Auch die Internetkriminalität bleibt ein zentrales Thema. Zwar ist sie insgesamt leicht gesunken, dennoch warnt Kohlweiß: "Die Internetkriminalität hat sich auf einem sehr hohen Niveau eingependelt". Um gegenzusteuern, wird verstärkt in Prävention und Ausbildung investiert – bereits 377 Beamtinnen und Beamte wurden speziell geschult. Die Kärntner Polizei bearbeitete 2025 insgesamt 1.716 Internetbetrugsfälle.
Mehr Einbruchsversuche
Die Eigentumskriminalität befindet sich insgesamt auf einem rückläufigen Niveau. Die Zahl der Delikte sank um sieben Prozent. Zwar stiegen die Wohnhauseinbrüche leicht, doch langfristig zeigt sich ein klarer Rückgang. Auffällig ist der hohe Anteil an Versuchen: "Bessere Sicherheitstechnik und Prävention zeigen hier Wirkung", heißt es seitens Gottlieb Türk. Auch beim Kfz-Diebstahl setzt sich der langfristige Rückgang fort – von rund 400 Fällen im Jahr 2005 auf nur mehr 38 im Jahr 2025.
Gewaltkriminalität
Die Gewaltkriminalität ist leicht um 2,7 Prozent gestiegen, wobei in den meisten Fällen ein persönliches Naheverhältnis zwischen Täter und Opfer besteht. Rückgänge gab es hingegen bei Raubdelikten und bei Gewalt gegen Polizeibeamte.
Kinder- und Jugendkriminalität
Im Bereich der Kinder- und Jugendkriminalität zeigt sich ein gemischtes Bild. Während es bei unter Zehnjährigen und bei den 10- bis 14-Jährigen Zuwächse gibt, sind die Zahlen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen rückläufig. Die Polizei relativiert: "Es wird heute mehr angezeigt als früher, das beeinflusst die Entwicklung auch."
Vielfältigkeit der Substanzen
Auch im Straßenverkehr machen sich verstärkte Kontrollen bemerkbar. Die Zahl der Unfälle blieb stabil, gleichzeitig stiegen die Anzeigen wegen Alkohol und Drogen am Steuer deutlich. "Das liegt auch am erhöhten Kontrolldruck", erklärt der stellvertretende Leiter der Landesverkehrsabteilung, Hannes Micheler. Auffällig sei zudem die "Vielfältigkeit der Substanzen", oft würden mehrere Drogen gleichzeitig nachgewiesen.
Zu schnell unterwegs
Im Bereich der Geschwindigkeit zeigt sich eine rückläufige Entwicklung. Die Zahl der Übertretungen ging trotz weiterhin hoher Kontrolldichte von 573.958 (2024) auf 501.589 (2025) zurück. Dies sei ein Effekt von verstärkten Maßnahmen wie Radarüberwachung, Section Control und regelmäßigen Schwerpunktaktionen. Gleichzeitig greift die Polizei bei besonders gravierenden Verstößen konsequent durch: 2025 kam es in Kärnten zu 13 vorläufigen Fahrzeugbeschlagnahmen.
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