Klimaveränderung in Kärnten
Es wird wärmer, und das immer schneller
- Grafische Darstellung des Temperaturanstiegs – in 30 Jahres Perioden
- Foto: Woche
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Im Zuge des Kärnten Schwerpunkts "100 Jahre Kärnten" nimmt die WOCHE das Klima – und seine Veränderung – unter die Lupe. Wie warm war es vor hundert Jahren, wie warm wird es Mitte oder Ende des Jahrhunderts sein? Die WOCHE fragt nach.
KÄRNTEN. Es wird wärmer, und das natürlich auch in Kärnten. "Die deutliche Zunahme der letzten Periode (Anm. dreißig Jahre) ist nicht mehr als normale Schwankung zu sehen sondern ein eindeutiges Signal des Klimawandels", sagt Christian Stefan der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) Kärnten.
Vor 100 Jahren
Der WOCHE liegen Vergleichsdaten der vergangenen rund 100 Jahre vor. So stieg die Jahresmitteltemperatur von Beginn des 20. Jahrhunderts (1901) bis zum Jahr 1930 im Schnitt um wenige Zehntelprozent – maximal waren es 0,4 Grad Celsius. Die Ausnahme bildet Obervellach (809 Meter Seehöhe), hier sank die Temperatur sogar um 0,1 Grad Celsius.
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"Ein deutliches Zeichen"
Bis zum Jahr 1990 setzte sich der Trend langsam, aber beständig fort, in Lienz etwa stieg die Jahresmitteltemperatur von 6,3 (1901 bis 1930) auf 6,7 Grad (1961 bis 1990), am Sonnblick stieg sie um 0,6 Grad, auf der Villacher Alpe im selben Zeitraum um 0,5 Grad und in Klagenfurt wie auch in St. Andrä wurde es in 90 Jahren im Mittel um 0,3 Grad wärmer.
Es wird (zu) schnell wärmer
Doch was ist mit den Jahren von 1991 bis 2019? Hier sieht die Situation anders aus, weiß Stefan, der den starken Anstieg in den letzten 30 Jahren als deutliches Signal beschreibt.
So stieg das Jahresmittel in Klagenfurt in dreißig Jahren um mehr als ein Grad auf bis 9,1 Grad Celsius an – was wesentlich mehr als in 90 Jahren zuvor ist.
In den übrigen Regionen verhält es sich ähnlich, in Lienz waren es gar 1,4 Grad Celsius, in Milstatt und St. Andrä jeweils 1,3 Grad, auf der Villacher Alpe nahmen die Jahresmitteltemperaturen um 1,1 Grad Celsius zu.
Die Prognose für 2050
Was bedeutet das aber für die Zukunft? Stefan: "Es ist anzunehmen, dass die Temperaturen weiter steigen werden. Prognosen gehen von einem Anstieg der Jahresmittelwerte um weitere zwei Grad bis Ende des Jahrhunderts aus." Bis Mitte des Jahrhunderts würde eine Zunahme um 1,5 Grad der derzeitigen Entwicklung entsprechen, so Stefan weiter.
Mehr heiße Tage
Mit einhergehend nehmen auch die heißen Tage zu. Während in den Jahren 1911 bis 1930 jährlich nur sechs Tage ´heißer als 30 Grad maßen, waren es in den Jahren 2000 bis 2019 21 Hitzetage. Die Frosttage (unter 0 Grad Celsius) sanken von 121 auf 106 im Jahresschnitt.
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Weniger Schnee
Das wirkt sich auch auf die Schneehöhe aus. Vor allem betroffen sind niedere Lagen unter 1.500 Meter. Während in Bad Bleiberg zwischen 1901 und 1930 im Mittel 98 Zentimeter Schnee lagen, waren es 2000 bis 2019 im Jahr nur mehr 62 Zentimeter.
In allen Kärntner Gemeinden, bis auf Preitenegg (von 42 Zentimeter auf 46) sank die Schneehöhe in den vergangenen hundert Jahren kontinuierlich. Dasselbe gilt für die Anzahl der Tage, die die Gemeinden unter einer Schneedecke lagen. (Von 135 Tagen in Bad Bleiberg 1901 bis 1930 sind es nur mehr 96 im Mittel der Jahre 2000 bis 2019).
Mehr Niederschlag im Winter
Ein Trend, der aber nicht unmittelbar weniger Schnee auf den Bergen bedeutet, wie Stefan erklärt. "Es könnte sogar sein, dass die Schneemenge in höheren Lagen zunimmt", meint er. Denn generell würden sich Niederschlagsmengen im Jahresmittel nicht erheblich ändern. Eher komme es zu einer Verschiebung der Niederschlagszeiten, so würden die Winter feuchter und die Sommer "im weitläufigen Trend" trockener werden. Im Sommer werden Hochdruckslagen zunehmen, der Winter vermehrt durch das Mittelmeerklima beeinflusst werden.
- Die Seen werden wärmer, 2019 wurde ein Höchstwert gemessen
- Foto: Steinthaler
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Und die Seen?
Und was für die Luft gilt, gilt freilich auch für die Seen Kärntens. "Generell können wir bei den Wassertemperaturen der Seen ähnlich dem Trend der Lufttemperaturen einen merklichen Anstieg in den letzten Jahrzehnten feststellen", sagt Johannes Moser, Abteilung 12, Wasserwirtschaft, Land Kärnten. Je nach See bewegt sich diese Zunahme im Schnitt zwischen 1,5 und 3 Grad Celsius.
Der hydrographische Dienst Kärnten beobachtet die Seewassertemperaturen und Seewasserstände an Kärntens großen Seen beinahe seit 120 Jahren.
Knapp 30 Grad
Die kleineren Seen, wie der Klopeiner See, der Keutschacher See oder der Maltschacher See zählen zu den wärmsten Seen. Hier wurden bereits Temperaturen von knapp unter 30 Grad gemessen, in 0,5 Meter unter der Wasseroberfläche. Die 30 Grad Marke wurde "bisher" noch nicht geknackt.
2019 wurde wärmster Wert gemessen
Von den größeren Seen zählt der Wörthersee zu den wärmeren Seen. Beim Pegel Pörtschach wurde am 27 Juni 2019 mit 28,9 Grad Celsius der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen.
Je wärmer draußen, desto weniger warm das Wasser?
Apropos: je höher die Verdunstung an der Wasseroberfläche durch höhere Temperaturen, umso weniger nimmt die Wassertemperatur zu, da die Verdunstungsenergie dem Wasser Wärme entzieht. Daher ist die 30 Grad Marke in dieser Tiefe möglich, jedoch nicht schnell erreichbar. Die Abkühlung in der Nacht bewirkt ebenfalls ein Abfallen der Wassertemperatur im See um 1 bis 3 Grad.
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