Lehre
Schaunig: "Unternehmen bilden wieder verstärkt junge Menschen aus"

Laut Gaby Schaunig entwickelt sich der Lehrstellenmarkt in Kärnten seit rund 2,5 Jahren positiv
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  • Laut Gaby Schaunig entwickelt sich der Lehrstellenmarkt in Kärnten seit rund 2,5 Jahren positiv
  • Foto: Büro LH-Stv. Schaunig
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Das Land unterstützt Kärntens Lehrlinge in vielen Bereichen. Laut Lehrlingsreferentin LH-Stv. Gaby Schaunig arbeitet man derzeit wieder an zwei Programmen, u. a. geht es um die digitale Zukunft der Lehrausbildung. 

WOCHE: Mit August 2019 stehen wir bei 636 Lehrstellensuchenden (+ 11,8 %) und 533 offenen Lehrstellen (+ 14,4 %). Wie interpretieren Sie diese Zahlen?
GABY SCHAUNIG: Die Bestandszahlen im Sommer sind nicht sehr aussagekräftig, da sich viele Jugendliche vorsorglich lehrstellensuchend melden, dann aber doch eine weiterführende Schule besuchen. Ende September bekommen wir ein klareres Bild.
Generell entwickelt sich der Lehrstellenmarkt in Kärnten seit rund zweieinhalb Jahren äußerst positiv, derzeit halten sich offene Stellen und Lehrstellensuchende im Großen und Ganzen die Waage. Es ist sehr erfreulich, dass die Kärntner Unternehmen wieder verstärkt junge Menschen ausbilden. Darüber hinaus fangen wir Jugendliche, die aus verschiedenen Gründen am regulären Lehrstellenmarkt nicht gleich unterkommen, in unseren überbetrieblichen Lehrwerkstätten auf.

In welchen Branchen bemerkt man einen Lehrlingsmangel, wo einen „Überschuss“?
Mehr Bewerber als Stellen gibt es in den „Traditionsberufen“ Friseur/Friseurin, Einzelhandelskauffrau/Einzelhandelskaufmann und in den Büro-Berufen. Einen ganz eklatanten Mangel gibt es im Tourismus: Hier gibt es im Schnitt dreieinhalb Mal so viele offene Lehrstellen wie Lehrstellensuchende. Über die Berufs- und Bildungsorientierung Kärnten informieren wir Schülerinnen und Schüler über die große Breite an Lehrberufen und die vielen Wege, die ihnen offenstehen.

Es gab heuer die 1. Kärntner Lehrlingsmesse, 2020 folgt die zweite Auflage. Wie beurteilen Sie den Erfolg bzw. was sind die Ziele, die mit dieser Messe verfolgt werden?
Die Messe erreicht sehr viele Jugendliche und informiert sie über das breite Angebot an Lehrstellen und die Vielzahl an tollen Kärntner Betrieben, die Lehrlinge ausbilden. An einem Ort gibt es geballte Information und Motivation. Die Premiere im Vorjahr war ein großer Erfolg und ich freue mich, dass es in diesem Winter eine Fortsetzung geben wird.

Es ist sehr erfreulich, dass die Kärntner Unternehmen wieder verstärkt junge Menschen ausbilden. Gaby Schaunig

Es gibt das Ziel, 20 Kärntner Lehrlinge zu den „Euro Skills 2020“ nach Graz zu schicken. Wird das erreicht?
Mit dieser Förderaktion des Landes Kärnten werden sowohl die Kandidatinnen und Kandidaten als auch die Betriebe aus unserem Bundesland unterstützt, die sich auf dem Weg zu den Euro Skills 2020 machen. Für die Vorbereitung auf die Staatsmeisterschaft bzw. Bundeswettbewerbe zur Erlangung eines Tickets nach Graz fördert das Land Kärnten den jeweiligen Betrieb wie auch den Kandidaten bzw. die Kandidatin mit jeweils 1.000 Euro. Wer an den Euro Skills 2020 dann tatsächlich teilnimmt, erhält nochmals 2.500 Euro als Förderung.
Die Entscheidung, ob Lehrlinge an den Euro Skills 2020 in Graz teilnehmen, treffen die Arbeitgeber mit den auszubildenden Lehrlingen gemeinsam. Derzeit bereiten sich 43 Kärntner Lehrlinge in zehn verschiedenen Betrieben intensiv auf die Wettbewerbe vor. Wie viele von ihnen dann tatsächlich ein Ticket für die Euro Skills in Graz lösen können, wird sich erst zeigen.

Gibt es seitens des Landes bzw. in Kooperation mit dem Land neue Förderungen / Programme für Lehrlinge oder sind welche in Planung?
Es gibt eine Vielzahl von laufenden Förderprogrammen, dazu gehören die Pendlerpauschale für Lehrlinge, die Lehrwerkstättenförderungen, das Ausbildungsmodell Lehre mit Matura, die Bildungsförderung des Landes Kärnten, das Sprachförderungsprogramm "English as a Tool", Förderungen für die Teilnahme an Berufswettbewerben, Zuschüsse für Unterkunft und Verpflegung, die Berufs- und Bildungsorientierung oder auch die Finanzierung der bfi IT-L@bs.
Wir schauen uns immer an, wo Bedarf besteht und wo wir mit Förderungen steuern können. Derzeit arbeiten wir beispielsweise an einem Programm für junge Erwachsene, die den Lehrabschluss beim ersten Antreten nicht geschafft haben. Weiters wollen wir in die digitale Zukunft in der Lehrausbildung investieren. Beide Programme sind derzeit in Ausarbeitung.

Von Landesseite gibt es verschiedenste Förderprogramme: Wie wichtig wäre es, dass da auch einzelne Betriebe nachziehen bzw. passiert das schon? Beispiel: KTM bietet eine Übernahmegarantie und bei guten Abschlüssen ein Motorrad als Geschenk.
Anreize für gute Leistungen im Unternehmen sind sehr wichtige Maßnahmen, besonders wenn es sich dabei um Angebote für Zusatzausbildungen handelt, beispielsweise Persönlichkeitstraining, Rhetoriktraining oder Sprachkurse. Es gibt zahlreiche Kärntner Vorzeigebetriebe, die enorm viel in die bestmögliche Ausbildung des Fachkräftenachwuchses investieren – was nur klug ist, denn schließlich profitieren sie selbst davon am meisten. Das gilt auch für eine Übernahmegarantie: In Zeiten der hohen Fachkräftenachfrage gewinnt dabei das Unternehmen mindestens genauso viel wie der ausgelernte junge Mensch.

Es wäre begrüßenswert, wenn der Bund die jungen Leute bei der Meisterprüfung finanziell unterstützt. Gaby Schaunig

Gibt es Forderungen an die neue Bundesregierung, was das Lehrlingsthema betrifft?
Unter Türkis-Blau wurde die Lehrlingsentschädigung für volljährige Lehrlinge halbiert – das war ein großer Fehler und grundfalsch, weil die meisten volljährigen Lehrlinge natürlich nicht zu Hause wohnen, was sie sich mit der halbierten Entschädigung schlicht nicht mehr leisten können. Ich fordere daher eine Rücknahme dieser Entscheidung. Zudem muss es eine ausreichende finanzielle Unterstützung für überbetriebliche Lehrwerkstätten geben, wo wir Jugendliche, die sich am regulären Lehrstellenmarkt schwertun, in zukunftsträchtigen Berufen ausbilden. Auch wäre es begrüßenswert, wenn der Bund die jungen Leute bei der Meisterprüfung finanziell unterstützt. Das Land übernimmt bereits 50 Prozent der Kurs- und Prüfungsgebühren.

Zu meiner Zeit hieß es allgemein: „Wenn Du in der Schule nicht brav bist, gehst Du lernen!“ Das Image der Lehre war eher negativ behaftet. Ändert sich das mittlerweile, vor allem aufgrund des Fachkräftemangels?
Ich bin davon überzeugt, dass sich das komplett gedreht hat. In der Berufs- und Bildungsorientierung merken wir allerdings, dass wir oft bei den Eltern noch mehr Überzeugungsarbeit leisten müssen als bei den Schülerinnen und Schülern. Großartige Karrieren vom Lehrling bis zum Geschäftsführer bei Kärntner Top-Unternehmen wie etwa Kelag oder Flex beweisen, dass die Lehre eine ausgezeichnete Grundlage für den persönlichen Erfolgsweg ist. Programme wie Lehre mit Matura haben ebenfalls dazu beigetragen, das Image zu heben.

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Gaby Schaunig sieht in der Halbierung der Lehrlingsentschädigung für volljährige Lehrlinge durch Türkis-Blau einen großen Fehler
Autor:

Vanessa Pichler aus Klagenfurt

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