20.06.2017, 14:32 Uhr

20 Jahre Nationalpark Kalkalpen: Zeit zum Erweitern?

Maria Buchmayr, Naturschutzsprecherin der Grünen OÖ, mit ihrem steirischen Kollegen Lambert Schönleitner. (Foto: Die Grünen OÖ)

Grüne Initiative im Landtag: Gebiet um Haller Mauern, Bosruck und Warscheneck sollen in den Nationalpark Kalkalpen eingegliedert und durch Korridore mit dem Nationalpark Gesäuse verbunden werden.

BEZIRK (wey). Der Nationalpark Kalkalpen feiert heuer sein 20-jähriges Jubiläum - der richtige Anlass, um ihn endlich zu erweitern, fordern die Grünen. Sie haben aus diesem Grund einen entsprechenden Initiativantrag im Mai-Landtag eingebracht. Konkret wollen sie, dass das Gebiet um Haller Mauern, Bosruck und Warscheneck eingegliedert und durch Korridore mit dem Nationalpark Gesäuse verbunden wird.
Ein Großteil der betroffenen Flächen gehört den Österreichischen Bundesforsten (ÖBf), sie sind somit im Staatsbesitz. Dass der Nationalpark in Etappen vergrößert wird, wurde bereits im oö. Nationalparkgesetz von 1997 festgehalten. Einer raschen Realisierung, so die Naturschutzsprecherin der Grünen OÖ, Maria Buchmayr, steht demnach nichts im Wege.


"Nächster logischer Schritt"

Als "nächsten logischen Schritt" bezeichnet auch Nationalpark-Direktor Erich Mayrhofer die Ausdehnung Richtung Haller Mauern und in weiterer Folge Richtung Bosruck. Vom Warscheneck spricht er vorläufig noch nicht. "Wir kommen so erstmalig in den alpinen Bereich. Für die ökologische Vielfalt wäre das eine Aufwertung." Er ergänzt: "Der Nationalpark wurde bereits zweimal vergrößert, von anfänglich 16.500 auf derzeit knapp 21.000 Hektar." Im nächsten Schritt würde es um rund 2.000 Hektar gehen. "Die konkreten Verhandlungen müssen erst geführt werden", räumt er ein. Touristiker, so Mayrhofer, können nichts dagegen haben, weil man das Gebiet ohnehin nicht durch Seilbahnen etc. erschließen kann. "Ich verstehe die Aufregung bezüglich Haller Mauern und Bosruck nicht", sagt der Nationalpark-Direktor.

Die Bundesforste bringen knapp 90 Prozent der Fläche in den Nationalpark ein. Sie signalisieren auch für die Ausweitung Gesprächsbereitschaft, allerdings nur auf Basis des Vertragsnaturschutzes. Das heißt, es werden bestehende Rechte von Grundeigentümern und anderen Nutzungsberechtigten berücksichtigt, also etwa Holzbezugs- oder Weiderechte. Wirtschaftliche Einbußen durch Flächen, die man künftig nicht mehr nützen kann, müssen entschädigt werden. Und: Die Region muss die Entscheidung mittragen, von Gemeinden über Jägerschaft, Naturschutz und Wirtschaft bis hin zum Tourismus.

"Wir sehen in weiteren Schutzflächen keinen Mehrwert", kontert Herbert Gösweiner, der Obmann des Tourismusverbandes Pyhrn-Priel. "Sie bringen der Region nichts. Es gibt dazu ein klares Nein, auch in Form einstimmiger Gemeinderatsbeschlüsse." Sein Vorschlag: "Man soll den Nationalpark dort erweitern, wo die Menschen daheim sind, die das wollen – im Steyr- und Ennstal sowie in Richtung Voralpen."

„Nach dem Nein zur Skischaukel – Ja zur Natur!“

„Die Situation ist mittlerweile klar: Eine Skischaukel am Warscheneck ist rechtlich nicht möglich. Jetzt geht es darum, möglichst rasch die richtigen Schritte für eine positive Weiterentwicklung der Nationalparkregion zu setzen. Die Mitgliederentwicklung der alpinen Vereine zeigt deutlich, dass die Menschen die Natur erleben und dort Kraft tanken wollen. Einzigartige Naturlandschaften, wie die Pyhrn-Priel-Region, haben diesbezüglich viel zu bieten. Diese Chance muss genutzt werden“, betont Herbert Jungwirth, Sprecher des „Mollner Kreises“ und Naturschutzreferent des OÖ Alpenvereins.

Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes, ergänzt: "Der Nationalpark als regionales Leitprojekt muss mit seinen einzigartigen Naturwerten und Alleinstellungsmerkmalen ins Zentrum der touristischen Positionierung der Pyhrn-Priel-Region rücken. Die Nationalpark OÖ Kalkalpen-Region ist eine 5*-Landschaft. Sie hat es verdient, als solche naturtouristisch in Wert gesetzt zu werden. Der geforderte naturverträgliche Entwicklungsimpuls hat mit der längst fälligen Nationalparkerweiterung um die Haller Mauern und das Warscheneck einherzugehen.“

„Skitourengehen boomt immer mehr, die Wurzeralm bietet ideale Voraussetzungen für ein Skitourenzentrum, aber auch die Möglichkeiten für Langlauf und Schneeschuhwandern bestehen. Der Erholungsraum Natur ist unsere Chance. Dafür bedarf es aber großräumiger Konzepte und Angebote und kein Kirchturmdenken, das nach wie vor die Pyhrn-Priel-Region dominiert und blockiert“, bemerkt Sepp Friedhuber von den Naturfreunden OÖ.

„Eine Erweiterung des Nationalparks ist überfällig, da vertraglich festgelegt, allerdings ohne den strengen Schutzstatus von Naturschutzgebieten aufzuweichen“, sagt Josef Limberger, Obmann des Naturschutzbundes OÖ.

„Der wachsende Trend zum ursprünglichen Natur- und Wildniserlebnis bietet in der Nationalparkregion die Möglichkeit, Tourismus und Naturbewahrung zu verbinden. Der erfolgreiche ,Lechweg‘ in Tirol zeigt vor, wie das geht. Die Nationalparkerweiterung muss daher endlich umgesetzt werden, um die Chance für die Region nicht zu verspielen“, fordert Matthias Schickhofer für den WWF Österreich.

Skepsis zur Forderung nach Erweiterung des Nationalparks Kalkalpen

Kritisch sieht Tourismusreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Strugl die gestern von Naturschutzorganisationen erhobene Forderung nach einer Erweiterung des Nationalparks Kalkalpen: „Allfällige Erweiterungspläne bedürfen auf alle Fälle einer Abstimmung mit den Stakeholdern in der betroffenen Region. Aus meiner Sicht muss die regionalwirtschaftliche Entwicklung im Pyhrn-Priel-Gebiet Vorrang haben“, unterstreicht Strugl. „Aus diesem Grund habe ich auch eine Projektgruppe zur touristischen Weiterentwicklung der Pyhrn-Priel-Region ins Leben gerufen. Diese wird bis Ende dieses Jahres Vorschläge erarbeiten, wie die Region Pyhrn-Priel touristisch zu einem ganzjährigen alpinen Sport- und Naturerlebnis weiterentwickelt werden kann, insbesondere auch für Familien und Kurzurlauber. Das Land OÖ wird alle Aktivitäten in diese Richtung unterstützen, auch fördertechnisch“, betont Michael Strugl.
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