Postkarte ging in 80 Jahren um die Welt

Die Karte mit dem "Gläsernen Zug" (Aussichtstriebwagen) vor dem Wilden Kaiser am Schwarzsee.
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  • Die Karte mit dem "Gläsernen Zug" (Aussichtstriebwagen) vor dem Wilden Kaiser am Schwarzsee.
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KITZBÜHEL/ERLANGEN (jos). Im Zeitalter der sozialen Medien scheint die Postkarte nur noch etwas für Traditionalisten zu sein. Oder für Sammler wie Günther Klebes. Der 69-jährige Franke liebt alte Postkarten, genauer solche mit eisenbahnhistorischen Motiven. Seine jüngste Errungenschaft ist eine Ansichtskarte mit einem "Gläsernen Zug" und Aussicht auf den Wilden Kaiser.

Schnäppchenpreis für Sammlerstück

„Ich bin bei einer luxemburgischen Internet-Auktion auf die Karte gestoßen und habe mir gesagt: ,Den Aussichtstriebwagen bei Kitzbühel, den muss ich haben’“, sagt der Schulbusfahrer, der in Erlangen zu Hause ist. Postkarten, die die unterschiedlichsten Züge und Brücken in Tirol zeigen, gehören schon länger zu seiner rund 600 Exponate umfassenden Sammlung. Um 1938 muss diese Karte gedruckt worden sein.
„Erstaunlich fand ich auch, dass der Anbieter eine Adresse in Südafrika hatte“, erklärt Klebes. Weil er der einzige Bieter war, konnte er die Karte auch noch zum Schnäppchenpreis von gerade einmal 1,50 Euro erwerben. Normalerweise wäre er bereit gewesen, dafür bis zu fünf Euro auszugeben. Diesen Preis zahlte er aber dann auch, da noch das Porto für einen eingeschriebenen Auslandsbrief dazu kam. Es gebe aber auch Philokartisten, die einen zweistelligen Betrag für eine Ansichtskarte hinblättern würden.

Unklarheiten bei Herkunft

Wie die Karte aus Tirol oder Bayern nach Südafrika gekommen ist, darüber kann der Sammler nur spekulieren. „Ob dahinter eine Auswanderung steht, oder einfach ein Bündel alter Postkarten nach einer Haushaltsauflösung an einen Händler veräußert wurde, der die Karten über das Internet weiter vermarktet, weiß ich nicht“, sagt Klebes.
Seine Sammelwut in Sachen Bahn-Postkarten ist übrigens kein Einzelfall: „Es gibt sogar eigene Ausstellungen für Eisenbahn-Philatelisten“, sagt Klebes und durchforscht schon wieder das Internet nach Exponaten wie der Ansichtskarte vom Kaisergebirge.

Hochzeitsreise mit Glacier-Express

Klebes sammelt nach eigenem Bekunden begeistert „alles, was mit der Bahn zu tun hat – außer echte Lokomotiven“. Bei ihm zu Hause stehen Modelle und historische Uniformmützen neben zahllosen selbst geschossenen Fotos und Alben voll Telefonkarten und Briefmarken. Daneben arbeitete der Schulbusfahrer und dreifache Vater ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission und selbst auf Hochzeitsreise ist er vor 35 Jahren mit dem Glacier-Express von St. Moritz nach Zermatt gefahren.
Sehr oft ist er mit der Bahn unterwegs. Auch interessante Bahnen in Tirol wurden schon bereist. Ein Highlight war eine Fahrt mit dem "Gläsernen Zug" über die Karwendelbahn nach Innsbruck.

Die Karte mit dem "Gläsernen Zug" (Aussichtstriebwagen) vor dem Wilden Kaiser am Schwarzsee.
Sammler Günther Klebes auf einer seiner zahlreichen Exkursionen.

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