Varianten gezeigt: BBT-Zulauftrasse soll bis 2020 gefunden sein

Die Grobtrassenplanung zum BBT-Nordzulauf zwischen Schaftenau und der Region um Rosenheim. Schwarze Linien zeigen die Bestandsstrecken, orange Linien die Trassenvarianten, strichliert sind unterirdische Strecken.
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  • Die Grobtrassenplanung zum BBT-Nordzulauf zwischen Schaftenau und der Region um Rosenheim. Schwarze Linien zeigen die Bestandsstrecken, orange Linien die Trassenvarianten, strichliert sind unterirdische Strecken.
  • Foto: BBT-Nordzulauf
  • hochgeladen von Sebastian Noggler

BAYERN/BEZIRK (nos). Der Nordzulauf zum Brenner-Basistunnel (BBT) nimmt langsam Formen an. Am Montagnachmittag, dem 18. Juni, präsentierten Deutsche Bahn (DB) und Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) im "Infobüro" des Nordzulauf-Projekts in Rosenheim den aktuellen Stand der gemeinsamen Anstrengungen und eine Reihe von möglichen "Grobtrassen" für die Streckenfindung zwischen Rosenheim und Langkampfen. Der BBT und seine Zulaufstrecken sollen künftig integraler Bestandteil der bedeutendsten europäischen Nord-Süd-Verkehrsachse von Skandinavien nach Italien sein.

"Ein wichtiger Tag für das Projekt zweier Bahnen" sei dieser Montag, meinte Torsten Gruber für die DB, der gemeinsam mit seinem österreichischen Gegenüber Martin Gradnitzer die Grobtrassenvarianten präsentierte. Nachdem die Projektpartner zeitlich "ja doch sehr unterschiedlich gestartet" waren, konnten die beiden Bahnen vermelden: "Ab jetzt laufen alle Planungsschritte in den Abschnitten parallel".
Zum Ziel habe man sich gesetzt mit Ende des Jahres 2019 oder Anfang 2020 die Trassenauswahl abschließen zu können. "Wenn wir ungestört arbeiten können, rechnen wir mit einer Inbetriebnahme 2038", erklärt Thorsten Gruber. Bis dahin kommt auf die Bahnen allerdings noch Einiges an Arbeit zu.

Mehrere Phasen bis zur Trasse

"Die erste Phase, die Beurteilungsmethodik, ist abgeschlossen, die Hauptkriterien sind fixiert", so Gradnitzer, "in der zweiten Phase hat die Trassenentwicklung begonnen, das stellt die Basis für die Grobtrassen dar." Im jüngst fertiggestellten Teil der Zulauftrassenplanung in Tirol, der Strecke Radfeld-Schaftenau, begann man mit 12 Varianten zu planen, bei vier Trassierungen wurden die Planungen anschließend vertieft. Begleitet wurden diese Planungen durch einen Bürgerbeteiligungsprozess, um die Gemeinden mit einzubinden. "Natürlich werden wir diese Schritte auch bei uns durchlaufen", ergänzte Gruber hierzu. Basierend auf aktualisierten Planungen aus dem Jahr 2006 wurden bereits "Grundlagenkarten" erstellt, die zum Einen bebaute Gebiete in der Region darstellen ("Karte Mensch") und zum Anderen die Naturschutz- und Gewässerrechtlichen Vorgaben ("Karte Natur"), die zu einer "Raumwiderstandskarte" zusammengeführt wurden. "Es geht darum, wie schwer es dort ist zu bauen", erläutert der DB-Planer. Aus dieser "Raumwiderstandskarte" und den topografischen Untersuchungen sowie den Trassierungsvorgaben konnten dann die Grobtrassenpläne erstellt werden.
Es sei gelungen im gesamten Planungsraum mögliche Trassen zu finden, so Gruber, allerdings enthalten "alle Grobtrassen noch kritische Punkte, die es zu diskutieren gilt – und wenn möglich zu lösen."

So könnte der Zulauf bei uns aussehen

Mit Blick auf die Karte der Grobtrassenplanungen von DB und ÖBB zeigt sich, dass der Tiroler Teil der Trasse größtenteils unterirdisch verlaufen soll. "Da haben wir auch nicht viele andere Möglichkeiten aufgrund der Topographie", meinte Gradnitzer dazu.
Vier mögliche Tunnelvarianten zweigen bei Schaftenau bzw. Kufstein ab und ziehen sich unter Stimmer- oder Hechtsee durch den Berg nach Niederaudorf oder Flintsbach. Eine andere Variante sähe eine Innquerung bei Ebbs vor und zöge sich durch die Untere Schranne bis nach Niederndorf, wo der Inn wieder nach Bayern gequert würde – komplett unterirdisch allerdings. Die einzige am Plan angedachte oberirdische Strecke der Trasse in Tirol führt von Schaftenau bis Kufstein-Morsbach. Auf bayerischer Seite, wenn die Variante Niederaudorf gewählt wird, würde ein oberirdischer Verlauf die Gemeinde Erl jenseits des Inns treffen. Dort geht man von ausreichendem Lärmschutz aus, falls die Wahl auf diese Trasse fällt.

Planausstellungen und Informationen

Die Bahnen starten nun eine Serie von Planausstellungen, um in der Region die aktuellen Entwürfe für Grobtrassen, deren Entstehung und die weitere Arbeit zu erläutern. Nach dem Auftakt am Montag in Rosenheim folgen 14 Veranstaltungen in den österreichischen und deutschen Gemeinden. Zu sehen gibt es die Trassenpläne auch im Infobüro in Rosenheim. Auf der Projekt-Homepage www.brennernordzulauf.eu werden alle Unterlagen und die Termine der Informationsveranstaltungen veröffentlicht, so finden sich dort etwa auch alle Protokolle der bisherigen Gemeindeforen.
Bis Ende des Jahres 2018 sollen insgesamt 28 "Gemeindeforen" abgehalten werden, in denen von den betroffenen Gemeinden nominierte Personen die Pläne diskutieren sollen und eventuell auch weitere Vorschläge einbringen können. "Das Herzstück unseres Beteiligungsprozesses", nennt Gruber die "Foren". Die Ergebnisse dieser Veranstaltungen sollen in die weitere Planung einfließen. Anschließend sollen die derzeitigen Trassenvarianten reduziert werden: "Wir werden im Jahr 2019 vier oder fünf Grobtrassenpläne haben, die dann in eine vertiefte Planung gegeben werden", so Gruber. Nach einer Trassenauswahl wartet noch ein "großer Entscheidungspunkt" auf das Projekt: die Vorlage im Bundestag. Ob des Bundestag und der deutsche Bundesverkehrsminister den Plänen dann auch zustimmen wird, können die Projektpartner nicht sagen, sie können das Ganze nur bestmöglich aufbereiten und auf eine Zustimmung hoffen. Wenn Alles reibungslos läuft, könnte die Zulaufstrecke 2038 in Betrieb gehen, meint Gruber.

CSU-MdB Ludiwg: "nur Lösungen, die weitestgehend in Tunneln oder Wannen verlaufen"

Daniela Ludwig, Bundestagsabgeordnete für Stadt und Landkreis Rosenheim sowie Stv. Generalsekretärin der CSU, weist in einer Presseaussendung darauf hin, "dass der Planungsdialog bisher nicht in allen Gemeindeforen zur Zufriedenheit aller Beteiligten ausgefallen ist, insbesondere weil Fragen offen geblieben sind, die die Bahn als Projektträgerin hätte beantworten müssen. Diese Hausaufgaben müssen nach wie vor gemacht werden. Die vorgelegten Grobtrassen der Bahn werden wir in der Region nun ohne Zeitdruck diskutieren und dabei auch alternative Vorschläge mit einbeziehen. Der Tunnelanteil der vorgelegten Entwürfe ist viel zu gering. Sollten zusätzliche Gleise notwendig werden, kann die Region nur Lösungen akzeptieren, die weitestgehend in Tunneln oder Wannen verlaufen. Das schulden wir sowohl den Bürgerinnen und Bürgern als auch der unvergleichlichen Landschaft der oberbayerischen Voralpenregion. Oberste Priorität hat bereits heute das von der Bahn längst zugesagte und vom Bund finanzierte Lärmschutzprogramm für die Bestandstrasse.“ Daniela Ludwig ist auch Vorsitzende der Arbeitsgruppe Verkehr und digitale Infrastruktur der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Auf Nachfrage der BEZIRKSBLÄTTER führt Ludwig aus: "Was die Arbeit in den Gemeindeforen betrifft, ist es tatsächlich so, dass hier durch die DB noch 'Hausaufgaben' zu machen sind. Das Tempo der Planer im sogenannten erweiterten Planungsraum ist in der Tat äußerst ambitioniert, viele Themen werden in den Sitzungen nicht ausreichend diskutiert und Fragen werden nicht umfänglich beantwortet, wie nach dem Bedarf, warum es Varianten bei den Trassenplanungen gibt oder wie der Planungsstand in Südtirol ist.
Darüber hinaus möchte ich auf den vom Bundestag im Jahr 2016 beschlossenen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) und die damit verbundenen Ausbaugesetze verweisen, in denen der Brennernordzulauf im vordringlichen Bedarf eingestuft wurde. Der BVWP ist jedoch keine Vorfestlegung auf eine finale Planung und hat insofern auch keinen definitiven Kostenrahmen festgesetzt. Darüber hinaus hat der Deutsche Bundestag in zahlreichen Beschlüssen, etwa dem Bundesverkehrswegeplan selbst sowie einem Antrag zur Rheintalbahn (Drucksache 18/7364), seine Bereitschaft für mehr Lärmschutz an Verkehrswegen betont, der für uns eine hohe Priorität genießt."

Bürgerbeteiligungsmöglichkeiten

Bürger haben die Möglichkeit sich im Rahmen der Informationsveranstaltungen auch mit eigenen Trassenvorschlägen einzubringen, können dies auch bei den "Forum"-Abgesandten deponieren, ihre Ideen über die Website im Online-Kontaktformular übermitteln, oder im Rahmen der Öffnungszeiten direkt im Rosenheimer Infobüro vorbekommen.

Die nächsten Informationsveranstaltungen (Beginn jeweils 16 Uhr)

  • Langkampfen, 19. Juni, Gemeindesaal
  • Kufstein, 22. Juni, Foyer im Kulturquartier
  • Kolbermoor, 25. Juni, Mareissaal
  • Brannenburg, 28. Juni, Wendelsteinhalle
  • Stephanskirchen, 29. Juni, Antretter Saal
  • Kiefersfelden, 4. Juli, Turnsaal
  • Neubeuern, 5. Juli, Beurer Halle
  • Rohrdorf, 6. Juli, Turner Hölzl
  • Rosenheim, 9. Juli, Ku’Ko
  • Raubling, 10. Juli, Turnhalle
  • Tuntenhausen, 11. Juli, Mehrzweckhalle Schönau
  • Flintsbach, 12. Juli, Alte Post
  • Bad Aibling, 17. Juli, Kurhaus
  • Oberaudorf, 19. Juli, Turnhalle Oberaudorf
  • Schechen, 20. Juli, Pfleger Theaterstadl
Autor:

Sebastian Noggler aus Kufstein

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