11.09.2014, 10:49 Uhr

Alkohol, ein gefährlicher Problemlöser

Im Bild: Carmen Schwinghammer, Sprecherin des PSZ Wörgl, und Josef Obermoser vom Verein BIN in Wörgl.
Wörgl: PSZ |

Der Verein BIN in Wörgl bietet eine anonyme Anlaufstelle für Menschen mit Alkoholproblemen.

BEZIRK (mel). "Man hat kein Problem, und wenn man ein Problem hat, dann redet man nicht darüber. Das ist die Einstellung vieler Menschen zum Thema Alkohol", so Josef Obermoser von der BIN-Beratungsstelle in Wörgl.
Derzeit sind im Bezirk Kufstein rund 4000 Menschen alkoholkrank, etwa 8000 weitere zeigen bereits ein missbräuchliches Verhalten und sind gefährdet, in die Sucht abzurutschen. "Die Zahlen sind in den letzten Jahren stabil, jedoch erkranken immer mehr Frauen an Alkoholismus. Lag der Frauenanteil früher bei weniger als einem Drittel, sind es jetzt bereits über 40 Prozent", erklärt Obermoser.
Vielseitige Ursachen
Wie eine Alkoholabhängigkeit entsteht, hat bei jedem individuelle Gründe. "Oft stehen persönliche Probleme hinter einem übermäßigen und häufigen Alkoholkonsum. Das können Beziehungsprobleme, finanzielle oder berufliche Sorgen, aber auch körperliche und psychische Erkrankungen sein", berichtet Obermoser.
Das engere soziale Umfeld erkennt Alkoholmissbrauch oft früher als der Betroffene selbst. "Das Gute ist: Lässt der Betroffene Hilfe zu, sind Alkoholprobleme sehr gut behandelbar und die Erfolgschancen sind hoch."

120 bis 150 Neukontakte
Seit 18 Jahren gibt es den vom Land finanzierten Verein BIN (Beratung, Information, Nachsorge) in mehreren Tiroler Bezirken. Die drei Mitarbeiter des BIN im Citycenter in Wörgl beraten ihre Klienten kostenlos und anonym. "Wir setzen unseren Fokus auf langfristige und regelmäßige Beratung. Auch die Nachsorge ist uns sehr wichtig. So unterstützen wir unsere Klienten z.B. nach einem Entzug, abstinent zu bleiben und zu lernen, wie man mit einem Rückfall umgeht", so Obermoser. Pro Jahr kommt es zu 120-150 Neukontakten im BIN in Wörgl.

Wer ist gefährdet?
Für Menschen, die viel oder regelmäßig Alkohol trinken, kann es wichtig sein, zu überlegen, wie es zu dieser Entwicklung gekommen ist. "Erkennt man, dass man Alkohol vorwiegend wegen seiner berauschenden Wirkung konsumiert, dann besteht die Gefahr des Alkoholmissbrauchs, einer Vorstufe von Gewöhnung und Abhängigkeit. Dabei spielt es keine Rolle, aus welcher sozialen oder gesellschaftlichen Schicht jemand stammt. Wenn psychische Probleme hinzukommen, dann verschärft sich das Risiko für Alkoholkonsumenten", erklärt Obermoser abschließend.
Unter der Telefonnummer 05332 70 5119 10 oder unter joe.obermoser@bin-tirol.org können sich Betroffene, Angehörige und Freunde beim Verein BIN melden. Die Beratungsgespräche sind kostenlos und anonym.
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