21.11.2016, 13:09 Uhr

Gegen das Vernichten der Ressourcen

Neun Betriebe, die von Beginn an beim Umwelttechnik-Cluster waren, wurden von Wirtschaftslandesrat Michael Strugl geehrt (v.l.): Christian Kahr (AGRU Kunststofftechnik), Helmut Kraus (Aigner), Gerald Hanisch (RUBBLE MASTER HMH), Peter Stöckler (Energie AG), Christian Maurer (UC-Manager), Rudolf Ochsner (UNIHA Wasser Technologie), Michael Strugl, Aurel Lübke (Compost Systems), Johann Erler (Pöttinger), Christian Ehrengruber (OÖ. Landes-Abfallverwertungsunternehmen), Maximilian Hauer (Kappa Filter Systems). (Foto: Umwelttechnik-Cluster)

Sie sichern 45.000 Arbeitsplätze in Oberösterreich und ihr Umsatzwachstum ist im zweistelligen Bereich: Die Unternehmen der Umwelttechnik-Branche. Seit zehn Jahren vernetzen sich diese Betriebe im gleichnamigen Cluster. Das Jubiläum wurde am vergangenen Donnerstag in der Raiffeisenlandesbank gefeiert. "Älterwerden an sich ist ja keine Leistung, aber der Cluster ist mit seinen mittlerweile 160 Mitlgiedsbetrieben eine Erfolgsgeschichte", sagt Beiratssprecher Johann Erler. Gleichzeitig mit dem Jubiläum ging das Zukunftslabor 2016 über die Bühne, bei dem sich führende Wissenschafter und Unternehmer zu den Themen Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit austauschten.

OÖ. "Green technology ist ein Wachstumstreiber und es ist eine sehr exportierende Branche, die in Oberösterreich besonders stark positioniert ist", erklärt Wirtschaftslandesrat Michael Strugl bei seinem Referat. So würden mehr als 30 Prozent des österreichweiten Umsatzes im Land ob der Enns generiert. "Wasser, Abfall und Energie sind Technologien, die Unternehmen auf internationalen Märkten sehr erfolgreich agieren lassen", so Strugl. Auch in Schwellenländern herrsche Nachfrage nach Umwelttechnik aus Oberösterreich und dies sei für die Unternehmen sehr interessant.

EU-Ziele als Chancen für Umwelttechnik aus OÖ

Für die oberösterreichischen Unternehmen in der Umwelttechnik-Branche ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Die EU gibt in der Abfallwirtschaft klare Ziele vor: Nur noch 10 Prozent unseres Hausmülls darf künftig deponiert werden – der Rest wird recycelt oder verbrannt. "In Österreich sammeln und verwerten wir zwar immer mehr, aber wir haben unser Recycling-Ziel noch nicht erreicht", sagt Roland Pomberger, ein Oberösterreicher, der an der Montanuniversität Leoben forscht und lehrt. "Die meisten Anlagen haben Konzepte aus den 90er Jahren, die mit neuer Technologie lediglich umgerüstet wurden. Wir müssen die gesamten Anlagen neu denken und neue Konzepte für die Zukunft schaffen. Das eröffnet oberösterreichischen Unternehmen gute Chancen."

Mit Wasserstoff und Biomasse in die Zukunft

Auch für Zukunftsvisionen bot das Forum Platz. So entführt Unternehmer Klaus Fronius das Publikum auf eine Reise in das Jahr 2150. Hier werden Holz und Erdöl ihre Bedeutung als Energieträger verlieren, prognostiziert er. Hingegen wird es einen Siegeszug des Wasserstoffs geben – er ist die Energie der Zukunft. Der Industrielle Klaus Pöttinger stellte das Projekt MobiGas vor, bei dem Biomasse gesammelt und zu Bio-Methan einerseits und Kompost andererseits gemacht wird. So will Pöttinger eine Tonne CO2 sparen: "Den Typus des ausbeuterischen Unternehmers, der alles zerstört, gibt es nur im Fernsehen. Die Allermeisten wollen, dass es hinter ihnen besser aussieht, als vor ihnen."

"Gute Dinge brauchen Zeit"

"Man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass alles schnell geht. Gute Dinge brauchen einfach Zeit", berichtet Alois Wichtl von Bellaflora aus seiner Praxis. Das Garten-Unternehmen hat Nachhaltigkeit zur Strategie gemacht, genau so wie Hali Büromöbel. Letzterer verzeichnet nun eine Steigerung Energieeffizienz um 42 Prozent. "Alle Produkte sind ökozertifiziert", so Inge Hiebl. "Wir haben ein stimmiges System, das laufend wachsen kann."

"Habe Ressourcenvernichtung erlebt"

Auch Maximilian Schachinger, Chef des gleichnamigen Transportunternehmens, kann von den Vorteilen einer nachhaltigen Unternehmensstrategie ein Lied singen: "Der Kostendruck in der Logisitkbranche ist sehr hoch. Ich habe seit meiner Kindheit – wir führen das Unternehmen in dritter Generation – Ressourcenvernichtung erlebt. Das kann doch nicht sein, dass wir wissen, wie wenig übrigbleibt, und gleichzeitig so viel verbrauchen." So werden ab Ende nächsten Jahres in Österreich die ersten großen Elektro-LKW fahren. Christian Plas von denkstatt fügt hinzu: "In Österreich wird man oft für seine Ideen belächelt. Das zermürbt. Aber wir brauchen dieses Ausprobieren von Neuem."
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