26.06.2017, 15:52 Uhr

"Auf dem Zentralfriedhof ist noch Platz genug!"

Das Grab von Ludwig van Beethoven ist besonders für japanische Touristen ein Höhepunkt des Wienbesuchs. Japaner können sich auch in der Nähe großer Komponisten am Zentralfriedhof in einem Urnengrab beisetzen lassen. (Foto: Georg Ragyoczy)

In Wien können sich Bürger aus aller Herren Länder beerdigen lassen. Laut dem Sprecher von "Friedhöfe Wien" besteht keine Platznot auf Wiens Gottesäckern.

WIEN. Das Schloss Belvedere ist derzeit eine heiß begehrte Hochzeitslokalität bei Millionären aus aller Welt. Besonders die indische Oberschicht wählt das Schloss aus dem 18. Jahrhundert immer öfter als Location für den schönsten Tag im Leben. Doch auch der letzte Tag im Leben wird immer öfter mit unserer Stadt in Zusammenhang gebracht, besonders von den Japanern. Da die Liebe der Japaner zur klassischen Musik bekannt ist, verwundert es wenig, dass Wien als letzte Ruhestätte im Nipponreich in Mode kommt. Die bz hat bei Florian Keusch, dem Sprecher von "Friedhöfe Wien" nachgefragt, ob es wirklich so einfach ist, auf Wunsch in Nähe zu berühmten Komponisten wie Beethoven oder Schubert beerdigt zu werden.

Können sich Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft auf Wunsch in Wien beerdigen lassen?
FLORIAN KEUSCH:
Ja, man kann sich in Wien auf jedem Friedhof beerdigen lassen, und zwar egal woher man kommt. Das gilt natürlich auch für Wiener.

Gibt es keinen Gebietsschutz oder eine Zuteilung je nach Wohnsitz wie bei den Pflichtschulen?
Nein, so etwas gibt es seit den 50er, 60er Jahren nicht mehr.

Von welchem Land kommen die meisten ausländischen Toten, die in Wien beerdigt wurden?
Das kann man nicht erheben, wir verlangen keinen Staatsbürgerschaftsnachweis.

Ein japanisches Unternehmen hat am Zentralfriedhof eine ganze Arkade mit Urnengräbern gekauft. Ist das so einfach möglich?
Der japanische Unternehmer hat die Urnengräber auf hundert Jahre gemietet, nicht gekauft. Es handelt sich um eine gemauerte Gruft mit 300 Gräbern. Diese vergibt der Unternehmer, wir haben die Arkade Nummer 5 komplett an den Herrn aus Japan vermietet.

Und wieviele Japaner ruhen bereits in dieser Gruft?
Noch keiner.

Wie hoch sind die jährlichen Kosten für die Instandhaltung der denkmalgeschützten Arkade, die zusätzlich für den Mieter anfallen?
Um die Instandhaltung muss sich der Mieter kümmern, wir erhalten nur die Miete.

Wenn Touristen Wien nun auch abseits des Lebens für sich entdecken - muss der Wiener Angst haben, keine Ruhestätte mehr zu erhalten?
Nein, wir haben mehr als genug Platz, besonders am Zentralfriedhof! Er wurde einst als einziger Friedhof für Wien konzipiert. Nun hat "Friedhöfe Wien" 46 Friedhöfe mit einer Fläche, die größer als der erste Bezirk ist. Da ist noch reichlich Platz.
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