16.09.2016, 15:52 Uhr

Auf die Repräsentanten der Kirchen vergessen?

Stadtpfarrer Markus Plöbst ortet antichristliche Politik. (Foto: Freisinger)

Negiert man in der Leobener Stadtregierung die christlichen Kirchen, fragt Pfarrer Markus Plöbst.

LEOBEN. Rechtzeitig zu Schulbeginn am 12. September wurde das Bildungszentrum Pestalozzi in Leoben-Donawitz nach einer intensiven Umbauphase fertiggestellt (die WOCHE berichtete). Bei der offiziellen Eröffnung gab es zwar viele Gäste und Festredner aus Politik, Wirtschaft und Schule, aber keine Repräsentanten der katholischen und evangelischen Kirche. Warum? Sie waren nicht eingeladen, wie der Stadtpfarrer von Leoben Markus Plöbst in einem offenen Brief mit Befremden anmerkt: "Offensichtlich scheint kein Interesse an unserer Anwesenheit, geschweige denn an einer kirchlichen Segnung bestanden haben." Der Stadtpfarrer weiter: "Ich möchte in Erinnerung rufen, dass unsere anerkannten Kirchen und insbesondere die Katholische Kirche laut Konkordat mit der Republik Österreich einen gesellschaftlichen Bildungsauftrag haben. Der Religionsunterricht an unseren Schulen ist ein gesetzlich verbrieftes Recht aller ihrer jeweiligen Konfession zugehörigen Menschen und soll wesentlich zur kulturellen Identität der Jugendlichen in unserem Land beitragen. Da das Bildungszentrum Pestalozzi vermehrt von Schülern anderer Herkunftsländer, Kulturen und Religionen besucht wird, wäre eine solche Segnung ein starkes Zeichen der Integrität und ein Bekenntnis zu unserer eigenen Identität gewesen. Durch die Negierung dieses Umstandes wird es nicht gelingen, Probleme zwischen unterschiedlichen Kulturen und Religionen zu verhindern. Vielmehr wird dies als Zeichen der Substanzlosigkeit und der Relativierung der eigenen Werte gesehen, denen jeder Lehrende nach §2 des Schulorganisationsgesetzes nachkommen muss.

Antichristliche Politik?
War diese Vorgangsweise Vergesslichkeit oder Absicht? Dazu Monsignore Markus Plöbst in seinem Schreiben vom 15. September: "Da unsere beiden Kirchen in letzter Zeit schon mehrmals bei öffentlichen Anlässen nicht geladen wurden, kann ich mich leider der Vermutung nicht erwehren, dass es sich diesmal nicht um einen Irrtum oder ein Missverständnis gehandelt hat. Sondern dass dieses Vorgehen neuerdings in unserer Kommunalpolitik System hat und ein erneutes Aufflammen antichristlicher Politik ist. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass man die Vertreter der Kirchen einfach versehentlich vergessen hat. Somit kann ich die von den Einladenden gesetzte Vorgangsweise nur mit Bedauern, aber nicht kommentarlos zur Kenntnis nehmen."
Gerhard Lukasiewicz, Pressechef der Stadt Leoben: "Bei der Planung der Eröffnungsfeierlichkeiten waren mehrere Abteilungen beteiligt. Bei der Zusammenführung der verschiedenen Gästelisten ist da offenbar ein Fehler passiert, den wir sehr bedauern."


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Lesen Sie auch die Reaktiondes Leobener Bürgermeisters Kurt Wallner.
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